Personalwechsel auf wichtigen Audi-Posten: Rouven Mohr übernimmt zum 01. November 2026 kommissarisch die Leitung der Audi Sport GmbH. Der Saarländer, der als großer Motorsport-Enthusiast gilt und einen ausgezeichneten Ruf in der Renn-Szene genießt, leitet die Sportwagenschmiede der Ingolstädter zusätzlich zu seiner Funktion als Audi-Entwicklungsvorstand.

Mohr folgt bei der Audi Sport GmbH auf Rolf Michl, der zum Chief Operating Officer (COO) von Audi China ernannt wurde. Auf dem für deutsche Autobauer extrem wichtigen, aber stark kriselnden Markt rückt Michl zudem ins Board of Management und bildet dort eine Doppelspitze mit Jeff Zhang. Zweitgenannter übernimmt als neuer Präsident von Audi China und löst in dieser Position Johannes Roscheck ab.

Audi Entwicklungsvorstand Rouven Mohr
Seit März 2026 Entwicklungsvorstand der Audi AG: Rouven Mohr, Foto: AUDI AG/Maximilien Bouyer

Rouven Mohrs Audi-Rückkehr schürt Motorsport-Hoffnungen

Mohr, der im März 2026 zu Audi zurückgekehrt war und in die Vorstandsetage befördert wurde, kennt sich bestens aus mit performanten Fahrzeugen, wie sie bei der Audi Sport GmbH entstehen: Zuvor verantwortete er als Entwicklungschef der Audi-Schwester Lamborghini die neuen Modelle des italienischen Sportwagenbauers, darunter den Temerario.

Mohr bekleidete während seiner Zeit in Sant'Agata zudem mehrfach interimistisch den Posten des Motorsportchefs der Squadra Corse. In dieser Zeit baute Lamborghini sein Engagement im GT3-Motorsport aus, unter anderem mit größeren Aufgeboten in der DTM. Unter Mohr entstand auch das Langstrecken-Projekt mit dem LMDh-Prototypen Lamborghini SC63, das allerdings nach nur zwei Jahren eingestampft wurde.

Mohrs Aufnahme in den Audi-Vorstand schürte Hoffnungen bei zahlreichen Motorsport-Fans und Beobachtern, dass sich die Ingolstädter künftig wieder verstärkt im Kundensport engagieren könnten. Nach einem Vorstandsbeschluss um den damaligen CEO Markus Duesmann kündigte Audi im Juni 2023 an, ab 2024 jegliche Werksunterstützung über den Basis-Support hinaus einzustellen. Stattdessen galt der volle Fokus dem Formel-1-Einstieg.

DTM, Spielberg, Abt Sportsline, Rouven Mohr, Lamborghini
Rouven Mohr kehrte von Lamborghini zurück zu Audi, Foto: Gruppe C Photography

Keine Aufgaben mehr für Audi-Motorsportchef

Zu dieser Zeit war der Motorsport bereits in der Audi Sport GmbH unter der Leitung von Michl und Dr. Sebastian Grams angesiedelt. Michl übernahm im September 2022 als neuer Audi-Motorsportchef und wenig später auch die Geschäftsführung der Audi Sport GmbH. Der gebürtige Oberstdorfer war zuvor unter anderem als Projektleiter für den längst eingestellten Audi Sport TT Cup im Rahmen der DTM zuständig und arbeitete zwischenzeitlich für Abt Sportsline als Vertriebsleiter.

Nach dem Audi-Sieg bei der Rallye Dakar 2024 und dem anschließenden Ende des Werksprojekts, gab es für Michl allerdings keine wirkliche Betätigung mehr als Motorsportchef der Marke, er führte die Audi Sport GmbH alleinig weiter. Die Formel 1 lief zu jeder Zeit unabhängig von der Audi Sport GmbH. Für die verbliebenen GT-Kundensportteams blieb der langjährige Audianer Chris Reinke zuständig.

Rolf Michl wechselt zu Audi China, Foto: Audi Communications Motorsport
Rolf Michl wechselt zu Audi China, Foto: Audi Communications Motorsport

Audi Nuvolari: Gerüchte über neues GT3-Auto von Audi halten an

Unter Reinkes Leitung für Sonderprojekte soll auch der jüngste Sportwagen der Ingolstädter entstanden sein, der im Juni präsentierte Audi Nuvolari. Der Hybrid-Supersportler mit einer Systemleistung von bis zu 1.001 PS entsteht in einer Kleinserie von 499 Einheiten. Die Auslieferungen des V8-Biturbo-Straßenautos mit drei Elektromotoren sollen gegen Ende des zweiten Quartals 2027 an gutbetuchte Kunden beginnen.

Nach der Präsentation machten Gerüchte die Runde, ob Audi auf Basis des Nuvolari ein neues GT3-Rennauto als Nachfolger des erfolgreichen Audi R8 LMS GT3 entwickeln könnte. In der Theorie wäre das möglich: Laut FIA-Vorgaben muss ein Hersteller mindestens 300 Serienfahrzeuge bauen, um daraus ein GT3-Auto für den Einsatz in Rennserien wie der DTM, WEC, IMSA oder GT World Challenge ableiten zu können.

Audi Nuvolari bei der Formel 1 in Monaco
Der Audi Nuvolari beim Show Run in Monaco, Foto: IMAGO/DeFodi Images

Dass der Audi Nuvolari auf der technischen Plattform des Lamborghini Temerario basiert, schürte die Spekulationen zusätzlich an - trotz anhaltender Krisenzeiten im Volkswagen-Konzern. "Die Marken im VW-Konzern können im Motorsport alles machen, solange sie damit Geld verdienen", sagte ein Szenekenner zuletzt gegenüber Motorsport-Magazin.com und konnte sich ein künftiges GT-Kundensport-Engagement von Audi durchaus vorstellen.

Audi hat sich nach der Nuvolari-Vorstellung bisher nicht öffentlich zu einer möglichen Zukunft im Kundensport geäußert. Im November 2025, kurz vor dem Formel-1-Einstieg, sagte Audi-CEO Gernot Döllner: "Vielleicht müssen wir in der Zukunft noch einmal darüber nachdenken, was wir im Kundensportbereich machen. Im Moment führen wir darüber aber nicht einmal eine Diskussion. Wir fühlen uns in der aktuellen Situation sehr stabil."