Red Bull hat den stärksten Formel-1-Motor. Das haben nicht nur die beiden jüngsten Siege von Max Verstappen bewiesen. Auch die ADUO-Beobachtungen der FIA zeigen, dass Red Bull über den besten Verbrennungsmotor verfügt. Deshalb durften die anderen Teams an ihren Power Units arbeiten. Der daraus resultierende sportliche Nachteil ist letztlich auch ein großes Kompliment. Der allererste Antrieb aus Red Bulls eigener Schmiede ist ein voller Erfolg – beispiellos in der modernen Königsklasse des Motorsports. Wie ist der österreichisch-britischen Mannschaft dieser Erfolg gelungen?

Red Bull feiert den ersten Sieg des DM01
Red Bull feierte die ersten Siege des DM01 ausgiebig, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

Christian Danner weiß zumindest, welcher Faktor zum Erfolg beigetragen hat: "Der Standort ist natürlich ein enormer Vorteil." Nur gut 50 Autominuten vom Red-Bull-Werk in Milton Keynes entfernt befindet sich die erfolgreichste Motorenschmiede der Formel 1: Mercedes-AMG High Performance Powertrains (HPP). "Die Power Units, die dort gebaut werden, haben in der Vergangenheit gezeigt, dass das Ingenieursniveau wahnsinnig hoch ist", erklärt der Experte.

Danner ist sich deshalb sicher, dass Red Bull seine eigene Motorschmiede nicht zufällig unweit von Brixworth errichtet und dafür viel Geld investiert hat: "Es gab den einen oder anderen, der die Firma Mercedes verlassen wollte, aus welchen Gründen auch immer. Der war dann ganz glücklich, dass er bei Red Bull ums Eck das Gleiche nur in Grün tun konnte." Die hochmodernen Anlagen, mit deren Bau erst 2022 begonnen wurde, seien ein weiteres Argument gewesen, um hoch qualifiziertes Personal von Mercedes abzuwerben.

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Die fünf erfolgreichsten Formel-1-Motorenhersteller nach Siegen

PlatzMotorenherstellerAnzahl Siege
1Mercedes252
2Ferrari251
3Ford176
4Renault169
5Honda89

Danner: Know-how ist Gold! Deswegen straucheln Honda und Audi

Der prominenteste Abgeworbene ist Ben Hodgkinson. Der Brite arbeitete mehr als 20 Jahre für Mercedes und war Leiter der Maschinenbauabteilung. Als 2020 aber Hywel Thomas nach Andy Cowell Managing Director von HPP wurde, sah sich Hodgkinson anderweitig um – und wechselte 2022 nach Milton Keynes.

Fast noch wichtiger war jedoch, dass zahlreiche Ingenieure aus der mittleren Führungsebene Hodgkinson zu Red Bull Powertrains folgten. "Motoren kann man nicht bauen, indem nur einer oben steht und sagt: 'So machen wir das jetzt'", weiß Danner. "Das ist Teamgeschichte und das geht runter zu den Produktionsleuten, die wirklich mit dem Schraubenschlüssel die Motoren zusammenbauen. Die Abläufe, die Kontrollen, da muss man schon ganz genau Bescheid wissen."

Wie schwierig es ist, ohne erfahrenes Personal und das damit verbundene Fachwissen auszukommen, zeigt sich derzeit bei Honda. Der ehemalige Red-Bull-Lieferant hat 2021 nach seinem angekündigten F1-Aus das Erfolgsteam aufgelöst. Als man sich dann doch für ein Comeback mit Aston Martin entschied, waren die Schlüsselfiguren mit anderen Projekten beschäftigt. Mittlerweile sind alle wichtigen Personen wieder an Bord, aber das fehlende Know-how hat das Team weit zurückgeworfen.

Audi befindet sich in einer ähnlichen Situation. Die Ingolstädter sind zwar mit VW als Mutterkonzern mit reichlich Top-Personal ausgestattet, mussten ihre Motorfabrik in Neuburg an der Donau aber auch aus dem Nichts aufbauen. Dass sie eine solide, wenn auch nicht die leistungsfähigste Power Unit haben, kann daher als großer Erfolg gelten.

Ferrari, Audi und Honda auf Irrweg: Darum haben Red Bull und Mercedes einen Vorteil

Für Danner haben Audi, Honda und auch Ferrari einen großen Fehler begangen: Sie haben den falschen Schwerpunkt gesetzt. "Der gute alte Verbrennungsmotor ist immer noch das Herzstück eines Formel-1-Autos", so der Experte. "Auch wenn er runtergeschraubt ist und nur noch lächerlich wenig Leistung hat, ist er immer noch das entscheidende Element."

Mit der Einführung des Reglements für 2026 verlor der Verbrennungsmotor seine bisherige Vormachtstellung. Während das Kräfteverhältnis zwischen Verbrennungs- und Elektromotor im Vorjahr noch bei etwa 80 zu 20 lag, sind die beiden Antriebsarten in dieser Saison nahezu gleichwertig. Dennoch ist Danner überzeugt: Der Verbrenner ist das, worauf es ankommt. "Der muss den ganzen Rest, den ganzen Batteriekram, am Leben halten."

"Das führte dazu, dass der Verbrennungsmotor von manchen in der Grundkonzeption unterschätzt wurde", erklärt der F1-Experte. Ferrari, Audi und Honda fehlt es im direkten Vergleich mit den anderen beiden Herstellern auf der Geraden massiv an Leistung. Mercedes und Red Bull ließen sich vom gestiegenen Elektroanteil bei der Entwicklung hingegen nicht in die Irre treiben. "Das ist der Grund, warum sie einen Vorteil haben", so Danner. "Bei Honda hätte man gerne, es ging aber nicht besser. Bei Audi dauert es halt ein bisschen, bis die in die Strümpfe kommen. Da ist noch ordentlich Luft nach oben."

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