Mercedes, Red Bull, Ferrari, Honda und Audi - fünf Motorenhersteller beliefern in der aktuellen Saison die insgesamt elf Formel 1-Teams. Geht es nach dem Weltverband, könnte sich dieses Machtgefüge in der Zukunft jedoch ändern. In einer Medienrunde abseits des Großen Preises von Großbritannien in Silverstone teilte FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem die Idee mit, einen völlig unabhängigen Motorenlieferanten in der Königsklasse zu etablieren.
Übersicht 2026: Motorenhersteller und ihre Kundenteams
- Mercedes-Motor: Mercedes, McLaren, Alpine, Williams
- Red-Bull-Ford-Powertrains-Motor: Red Bull Racing, Racing Bulls
- Ferrari-Motor: Ferrari, Haas, Cadillac
- Honda-Motor: Aston Martin
- Audi-Motor: Audi
Um den politischen und sportlichen Einfluss der großen Automobilhersteller auf ihre Kundenteams zu minimieren, sieht Ben Sulayems Konzept vor, dass Mercedes, Ferrari und Co. künftig nur noch ein Team ausstatten dürfen. Die verbleibenden Kundenteams sollen stattdessen einen kostengünstigeren, standardisierten Motor eines von der FIA ausgewählten, unabhängigen Lieferanten beziehen.
Keine Kontrolle mehr über B-Teams
"Dann gäbe es keine Kontrolle eines A-Teams über ein B-Team, das seine Motoren von ihm bezieht. Wenn das wirtschaftlich darstellbar ist, könnte es einen einheitlichen Motor für die übrigen B-Teams geben. Dann könnte niemand mehr Druck ausüben und sagen: Stimmt so ab, wie wir es wollen, sonst bekommt ihr keinen guten Motor", wird Ben Sulayem von Reuters zitiert.
Neu ist dieses Konzept in der Formel 1 keineswegs. Stichwort: Cosworth. Der legendäre Cosworth-DFV-Motor war über Jahrzehnte hinweg die Lebensversicherung für unzählige Privatteams und kam bei rund 45 verschiedenen Rennställen zum Einsatz. Bei insgesamt 257 Grand-Prix-Starts gingen stolze 12 Fahrertitel, 10 Konstrukteurstitel, 155 Siege, 131 Pole Positions und 138 schnellste Rennrunden auf das Konto des Aggregats. Das bislang letzte Mal stand ein von Cosworth bestückter F1-Bolide beim Großen Preis von Brasilien im Jahr 2013 in der Startaufstellung.

V8-Motoren und Tankstopps: Sieht so die F1-Zukunft aus?
Ben Sulayem ist bekanntlich ein erklärter Verfechter des klassischen V8-Saugmotors und will diesen spätestens mit dem nächsten turnusbedingten Reglementwechsel zur Saison 2031 zurück in die Königsklasse bringen. Da die reinen Saugmotoren jedoch bauartbedingt deutlich mehr Kraftstoff verbrauchen als die aktuellen, hocheffizienten V6-Turbo-Hybridmotoren, könnte im selben Atemzug auch das Nachtanken ein Comeback feiern.
Mehr Verbrennerleistung, größere Tanks, neue Chassis: Die Formel 1 sucht für 2027 nach Lösungen. Doch eine bestimmte Lösung ist für Christian Danner ein No-Go. Mehr dazu in diesem Artikel:
In ihrer Geschichte wechselte die Königsklasse immer wieder zwischen dem Verbot und dem Einsatz von Tankstopps hin und her. Im Jahr 2010 verbot die FIA das Nachtanken aufgrund von Sicherheitsbedenken das bislang letzte Mal. Doch Ben Sulayem ist überzeugt: "Wenn man es logistisch richtig anstellt, ist das heutzutage kein Sicherheitsproblem mehr. Deshalb prüfen wir diese Möglichkeit ganz genau. Es ist aber noch nichts beschlossen."
Als Kompromiss stünde für den FIA-Präsidenten auch eine Kombination aus einem V8-Aggregat, einem elektrischen Anteil von etwas mehr als zehn Prozent sowie dem verbindlichen Einsatz von zu 100 Prozent nachhaltigem Kraftstoff (E-Fuels) im Raum. "Wir sind für alle Optionen offen", bekräftigte Ben Sulayem.



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