Der Sieg von Charles Leclerc am Sonntag in Silverstone war nicht nur für den Ferrari-Fahrer, der damit nach 623 Tagen mal wieder ganz oben steht, ein ganz besonderer. Für die Scuderia selbst war es nämlich der 250. Erfolg in der Königsklasse. Das einzige Team, das seit der ersten Saison mit dabei ist, ist damit nach wie vor der Rekordhalter in dieser Kategorie. Doch was waren die wichtigsten und besten Ferrari-Siege? Hier unsere Liste.
1951 Großbritannien-GP: Erster Formel-1-Sieg für Ferrari
Nach einem sieglosen ersten Jahr in der Königsklasse erlöste ein Argentinier Ferrari mit dem ersten Grand-Prix-Erfolg. Dabei handelt es sich aber nicht um den legendären Juan Manuel Fangio, der damals noch für Alfa Romeo fuhr, sondern um seinen weit weniger berühmten Landsmann Jose Froilan Gonzalez. Dieser hatte tags zuvor in Silverstone schon für die erste Pole Position von Ferrari gesorgt und duellierte sich am Rennsamstag, dem 14. Juli, in der ersten Rennhälfte mit Fangio um den Sieg, ehe dieser die Pace des Ferraris nicht mehr mitgehen konnte. Nach 90 Runden überquerte Gonzalez die Ziellinie mit 51 Sekunden Vorsprung. Es war sein erster von nur zwei F1-Siegen – beide mit Ferrari.
1952 Niederlande-GP: Alberto Ascari wird Weltmeister
Es dauerte nach dem ersten Sieg von Ferrari 13 Monate bis zum ersten WM-Titel für Maranello. Diesen sicherte sich Alberto Ascari mit seinem vierten Erfolg in Serie in Zandvoort und führte dabei passenderweise einen Ferrari-Dreifacherfolg an. 1950er-Weltmeister Giuseppe Farina und Luigi Villoresi durften für ihren siegreichen Markenkollegen auf dem Podium Spalier stehen.
Bis heute gilt Ascaris Titelsaison 1952 als eine der dominantesten in der Geschichte des Sports. Doch war das damals überhaupt eine Formel-1-Saison? In diesem Artikel könnt ihr nachlesen, wieso sie das technisch gesehen eigentlich nicht war:
1974 Spanien-GP: Niki Lauda jubelt in Rot
Wir machen einen langen Sprung in der Formel-1-Geschichte von Ferrari. Denn abgesehen von Ascari kamen die ganz großen Namen, die man heute mit der Marke Ferrari identifiziert, erst in den späteren Jahrzehnten zum Team. Niki Lauda ist einer davon. Der Österreicher kam 1974 bei der Scuderia an und drückte ihr sogleich seinen Stempel auf, indem er reihenweise auf Pole Positions fuhr. Nur die Technik seines 312B3 streikte zu oft. Nicht so aber am 28. April in Jarama, als Lauda an der Box die Führung von Ronnie Peterson übernahm und sie bis ins Ziel nicht mehr abgab. Es war der erste von 15 Ferrari-Siegen von Lauda, der mit der Scuderia zwei Titel gewann.

1981 Spanien-GP: Gilles Villeneuve bremst den Zug
Auch ohne jemals einen WM-Titel gewonnen zu haben, ist Gilles Villeneuve einer der legendärsten Ferrari-Fahrer überhaupt. Sein Meisterstück lieferte er in Jarama 1981. Wie so oft in der Laufzeit des Kanadiers saß er auch beim Spanien-GP nicht im schnellsten Auto. Aber nach einem Fehler von Alan Jones übernahm er die Führung und lieferte anschließend eine Verteidigungsschlacht, bei der ihm bis ins Ziel gleich vier Autos im Nacken hingen.
1988 Italien-GP: Gerhard Berger erweist Enzo die letzte Ehre
Am 14. August 1988 wurde die Scuderia von einer Schocknachricht ereilt. Enzo Ferrari war gestorben. Ein Trauertag nicht nur für die Tifosi, sondern für ganz Italien. Der Große Preis von Italien in Monza weniger als einen Monat später stand deshalb ganz im Zeichen des verstorbenen Automobil-Giganten. Und recht viel besser hätte Enzo Ferrari nicht geehrt werden können als mit einem Doppelsieg: Gerhard Berger überquerte nach 51 Runden vor seinem Teamkollegen Michele Alboreto die Ziellinie und bejubelte den ersten und einzigen Ferrari-Sieg aus jener Saison. Zuvor war Alain Prost im dominanten McLaren mit einem Motorschaden ausgeschieden und Ayrton Senna kurz vor Schluss von dem Überrundeten Jo Schlesser abgeschossen worden.
1990 Frankreich-GP: Prost macht die 100 voll
Eben jener Alain Prost sorgte weniger als zwei Jahre später für ein bedeutendes Jubiläum im Hause der Scuderia, indem er den 100. Ferrari-Sieg in der Formel 1 feierte. Und dieser war ein echter Thriller, denn Prost musste nach seinem Boxenstopp eine Aufholjagd zu den beiden Leyton-House-Fahrern Mauricio Gugelmin und Ivan Capelli hinlegen, die ohne Reifenwechsel durchfuhren. Erst vier Runden vor dem Ende des Grands Prix ging er an Capelli vorbei und bescherte Ferrari den Hunderter.

1996 Spanien-GP: Schumacher sagt mit Regenshow "Buongiorno"
Michael Schumachers erster Sieg mit Ferrari war gleich eines seiner ganz großen Meisterwerke. Im Regen von Barcelona konnten die Williams ihre Überlegenheit nicht ausspielen. Stattdessen war Schumacher in einer eigenen Liga unterwegs. Obwohl er am Start einige Plätze aufgrund eines Kupplungsproblems verloren hatte, holte sich Schumacher schon in der 13. Runde die Führung und umrundete die Strecke phasenweise bis zu drei Sekunden schneller als der Rest des Feldes. Eine Ferrari-Legende war geboren.

2000 Deutschland-GP: Die größte Ferrari-Aufholjagd ever?
Rubens Barrichellos erster Formel-1-Sieg kommt in seiner historischen Bedeutung natürlich kaum an die Premieren-Erfolge von Leuten wie Schumacher, Lauda oder später auch Sebastian Vettel und Lewis Hamilton heran. Doch der erste Sieg des Brasilianers überragte auf einer anderen Ebene die Siege der großen Champions. Regenschauer und ein Startunfall von Michael Schumacher machten für Barrichello den Weg frei zu einer Aufholjagd von Startplatz 18 zum Sieg. Von so weit hinten hat sowohl bis dahin als auch seitdem noch nie ein Ferrari ein Rennen gewonnen.
2000 Japan-GP: Michael Schumachers erster WM-Titel
Bis Michael Schumacher seine erste WM für Ferrari einfahren konnte, vergingen nach Barcelona noch über vier Jahre. 2000 war dann alles vorbereitet, um den ersten Fahrertitel seit 21 Jahren nach Maranello zu holen. In Japan hatte Schumi seinen ersten von zwei Matchbällen. Einziges Problem: Titelrivale Mika Häkkinen auf der Pole Position und mit der Rennführung. Doch ein erfolgreicher Overcut beim zweiten Boxenstopp brachte Schumacher vorbei an dem Finnen und sorgte damit für die Entscheidung: Ferrari hatte wieder einen Weltmeister.
2004 Frankreich-GP: Vier Stopps für den Sieg
Von den 200 Ferrari-Siegen in der Formel 1 gehen alleine 72 auf die Kappe von Michael Schumacher. Einen der wohl legendärsten Erfolge in Rot feierte er dabei 2004 in Frankreich, als er nach der Startphase hinter Fernando Alonso lag, doch sein Team dann eine meisterhafte 4-Stopp-Strategie aus dem Hut zauberte, die sich aufgrund der geringeren Spritmenge und der relativ kurzen Boxengasse auf der Strecke von Magny-Cours gegen Alonsos 3-Stopper durchsetzte.
2007 Brasilien-GP: Weltmeister wie aus dem Nichts
Den bislang letzten Titel in der Fahrer-Weltmeisterschaft von Ferrari datiert auf das Jahr 2007 und er kam einem Wunder gleich. Denn vor den letzten beiden Saisonrennen war Kimi Räikkönen in der Meisterschaft noch 17 Punkte hinten gewesen – bei maximal 20 zu holenden Zählern. Doch Fehler der McLaren-Streithähne - allen voran von Lewis Hamilton - führten dazu, dass ein Doppelsieg der Scuderia mit Räikkönen vor Felipe Massa in Sao Paulo dem Ferrari-Rot einen weltmeisterlichen Glanz versetzte.

2015 Malaysia-GP: Vettel-Traumstart in Rennen 2
Vor Lewis Hamilton war Sebastian Vettel der letzte Formel-1-Superstar, der als hochdekorierter Fahrer den Sprung nach Maranello wagte. Nach fünf Jahren endete die Partnerschaft zwar ohne WM-Titel, aber der Beginn war fulminant. Bereits bei seinem zweiten Rennen in Rot feierte Vettel gegen die überlegenen Mercedes seinen ersten Sieg für Ferrari. Die Grundlage dafür schaffte man, indem Ferrari bei Vettel in einer frühen Safety-Car-Phase auf einen Stopp verzichtete, während Hamilton und Nico Rosberg stoppten. Die goldrichtige Entscheidung, denn anschließend verteidigte der vierfache Weltmeister seine Spitzenposition bis ins Ziel.
Natürlich sind damit nicht alle bedeutenden Ferrari-Siege abgedeckt. Bei 250 Grand-Prix-Erfolgen muss man nur leider an gewissen Ecken Streichungen vornehmen, wenn dieser Artikel nicht zu einem Buch ausarten soll. Erwähnt werden muss deshalb auch Michael Schumachers berühmter Sieg in der Boxengasse 1998 in Silverstone. Von Emotionalität kaum zu überbieten waren hingegen Charles Leclercs beide ersten Siege 2019 in Belgien und in Monza, sowie seine Erlösung 2024 in Monaco. Auch Lewis Hamiltons erster Ferrari-Erfolg in Barcelona hat sich schon jetzt einen Eintrag in die Geschichtsbücher der Formel 1 reserviert.



diese Formel 1 Nachricht