Obwohl in Silverstone die Sonne vom Himmel lachte, bot der Große Preis von Großbritannien für Nico Hülkenberg wenig Grund zum Strahlen. In Runde 36 schlug bei ihm wieder einmal der Defektteufel zu: Ein Getriebeschaden am Audi R26 sorgte für Hülkenbergs bereits vierten DNF in der laufenden Formel 1-Saison.

Für Formel-1-Experte Christian Danner ist Audis bisherige Saisonbilanz eine Mischung aus "es läuft besser, als man gedacht hat" und "jetzt ist schon wieder etwas kaputtgegangen". Im AvD Motorsport-Magazin findet er klare Worte: "Man muss schon sagen, dass da ein bisschen zu viel kaputtgeht. Sie bleiben ja auch oft schon stehen, bevor es überhaupt richtig losgeht."

Obendrauf kämpfen die Audi-Piloten seit dem Saisonstart mit Problemen beim Start, sodass sie nach dem Erlöschen der Ampeln zumeist direkt in den Rückspiegel schauen müssen, statt Boden nach vorne gutzumachen. Gerüchten zufolge verfügt Audi über den größten Turbokompressor im gesamten Feld, was eine Ursache für die Startprobleme sein könnte. In Japan jedoch fiel Hülkenberg beispielsweise wegen durchdrehender Räder von P13 auf P19 zurück, Gabriel Bortoleto von P9 auf P13.

Bereits abseits des Miami GP hatte Teamchef Mattia Binotto offen zugegeben, dass den Fahrern softwareseitig noch kein "stabiles System" zur Verfügung steht.

Silverstone eine verpasste Gelegenheit

Umso schmerzhafter sind die technischen Defekte, wenn sie bei einem Rennen wie in Silverstone passieren, wo die Mittelfeldteams von den Fehlern und Ausfällen der Top-Teams profitieren können. "Verstappen ist rausgeflogen, Piastri hat einen Unfall gehabt und Kimi Antonelli ist wegen seinem technischen Problem ganz weit hinten gelandet. Das ist natürlich blöd, wenn es da nicht klappt", so Danner.

Wobei sich die Enttäuschung im Fall von Audi diesmal nur auf eine Seite der Garage breitmachte. Denn nach einer Durststrecke von sieben punktelosen Rennen landete Gabriel Bortoleto im britischen Mekka des Motorsports wieder in den Top-10. Damit holte der Brasilianer zum zweiten Mal nach Melbourne wertvolle WM-Zähler, während Hülkenberg weiterhin mit einer Null dasteht. Eine Tatsache, die laut Danner bei Hülkenberg aber nicht dazu führen wird, 'Antidepressiva' zu brauchen.

"Spaß beiseite. Es gibt einfach solche Wochenenden, an denen man nicht richtig in den Tritt kommt. Wo man manchmal von der Abstimmung her die falsche Entscheidung trifft, manchmal ein bisschen zu viel riskiert oder ein bisschen zu hart fährt. Und wenn man dann einen Teamkollegen wie Bortoleto hat, der einem nicht einen Millimeter Freiraum in Sachen Speed und Performance lässt, dann ist man halt auch mal hinten dran", analysierte Danner.

Hülkenberg kann von Bortoleto lernen

Laut Danner ist das für einen Routinier wie Hülkenberg kein Weltuntergang. Trotzdem ist er überzeugt, dass auch ein 257-facher Grand-Prix-Starter immer etwas dazulernen kann. Danner blickt dabei auf seine eigene F1-Karriere zwischen 1985 und 1989 zurück: "Wenn etwas schief ging, dann habe ich nicht geschimpft oder gejammert: Das Auto ist schlecht. Ich habe geguckt, was hat mein Teamkollege gemacht, was hat besser funktioniert und warum hat es besser funktioniert?"

Manchmal lag es laut Danner an technischen Dingen - andere Radaufhängung oder andere Setup-Einstellungen und manchmal an fahrerischen Sachen. "Zum Beispiel, dass sie eine spezifische Kurve ganz anders in Angriff genommen haben. Da kann man als Rennfahrer immer etwas mitnehmen und lernen", so der Deutsche.

Danners Formel-1-Teamkollegen

  • Osella (1986): Piercarlo Ghinzani
  • Arrows (1986): Thierry Boutsen
  • Zakspeed (1987): Martin Brundle
  • Rial (1989): Volker Weidler und Pierre-Henri Raphanel
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An diesem Wochenende tauscht Danner das Mikrofon gegen den Rennoverall. Beim legendären Festival of Speed in Goodwood nimmt er im Benetton-BMW B186 aus dem Jahr 1986 Platz - jenem geschichtsträchtigen Wagen, mit dem Gerhard Berger einst in Mexiko seinen allerersten Grand Prix gewann. "Das Auto ist nun fast 40 Jahre alt, aber es geht ab wie die Hölle. Das Ding wiegt gerade einmal 500 Kilogramm und leistet über 850 PS", gerät Danner ins Schwärmen.

Der Mexiko GP am 12. Oktober 1986 ging vor allem wegen einer brillanten Reifenstrategie von Berger in die F1-Geschichte ein. Während die gesamte Konkurrenz auf den weichen Reifen mit brutalem Verschleiß und Blasenbildung zu kämpfen hatte, fuhr Berger den gesamten Grand Prix sensationell auf ein und demselben Reifensatz durch. Der clevere Trick dahinter, der in der heutigen Formel 1 reglementarisch streng verboten ist: Berger setzte auf der linken Seite auf härtere Reifen als rechts und siegte damals mit über 25 Sekunden Vorsprung auf Alain Prost (McLaren).