Es war der erwartete Formel-1-Sieg von Kimi Antonelli in Spa, doch er kam nicht so einfach wie gedacht. Pech mit der Strategie zwingt Antonelli am Ende in ein Duell mit Charles Leclerc um den Sieg. Ferrari sorgt im Rennen auch sonst für Radau: Zwei Kollisionen, ein Beinahe-Desaster beim Boxenstopp, eine Strafe, unter den Opfern? George Russell.

Der Sieger: Antonelli hatte eigentlich das Rennen vom Start weg kontrolliert, war aber früher zum Stopp gekommen als Leclerc. Ferrari profitierte daraufhin massiv von einem überraschenden Virtuellen Safety Car. Trotzdem war Antonelli ultimativ übermächtig. Zehn Runden vor Schluss fing er Leclerc ab und holte sich den Sieg, auch wenn sich Leclerc nie ganz abschütteln ließ.

Das Ergebnis: Max Verstappen holte sich den dritten Podiumsplatz vor Lewis Hamilton, der ein gebrauchtes Rennen erlebte. Am Start drehte er George Russell um, wodurch der Mercedes auf der Stelle aufgeben musste. Hamilton erhielt dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe, dann rammte er bei seinem Boxenstopp auch noch einen Mechaniker.

Trotzdem fing Hamilton noch Oscar Piastri ab. Der McLaren war seinerseits früh im Rennen mit Leclerc kollidiert und schleppte sich auf P5 ins Ziel. Eine perfekte Red-Bull-Strategie spülte Isack Hadjar aus der letzten Startreihe auf P6 vor Lando Norris. P8 ging an Audi und Gabriel Bortoleto, der ebenfalls vom VSC profitierte und so sich vor Arvid Lindblad und Franco Colapinto etablieren konnte.

Die Highlights vom Formel-1-Rennen in Spa-Francorchamps

  • Ferrari-Pace trotz VSC-Glück nicht gegen Antonelli ausreichend
  • George Russell fällt nach Start-Kollision mit Lewis Hamilton aus
  • Hamilton rammt Mechaniker bei Desaster-Strafstopp
  • Audi setzt sich mit VSC-Hilfe im Mittelfeld durch

Formel 1 - WM-Stand 2026: George Russell nach Crash wieder unter Druck

Die WM-Tabelle: Sieg für Antonelli, Ausfall für Russell, damit ist die Lücke zwischen den beiden wieder auf 50 Punkte angewachsen. Und Lewis Hamilton hat sich trotz der mageren Ausbeute in Belgien wieder dazwischengeschoben, mit 45 Zählern Rückstand auf Antonelli. Leclerc setzt sich langsam von den McLarens und den Red Bulls ab, hat nun 23 Punkte Vorsprung auf Norris.

Die Reihenfolge in der Teamwertung bleibt unverändert, auch wenn Ferrari in Spa mehr Punkte holte als Mercedes ist die Lücke zwischen den beiden immer noch mit 358 zu 285 Zählern signifikant. Audi kämpft sich mit dem dritten Punkteergebnis der Saison langsam ran an Williams, ein Zähler fehlt nur mehr.

Vor dem Start: Dunkler Wolken zum Trotz übermittelte der offizielle F1-Wetterdienst vorab nur 10 Prozent Regenwahrscheinlichkeit, aber mit 17 Grad Luft- und 28 Grad Streckentemperatur war es deutlich kühler als an den Vortagen. Die ersten zwölf Fahrer setzten zum Start auf Medium. Lando Norris, nach seiner Motorstrafe nur von P13 losfahrend, wählte als erster Fahrer Hard.

George Russell kollidiert am Start mit Lewis Hamilton

Der Start: Antonelli und Verstappen tauschten erst vor Eau Rouge Plätze, aber als Erster fehlte Verstappen hin zu Les Combes dann Topspeed. Er wurde nicht nur von Antonelli, sondern auch von Leclerc wieder einkassiert und fiel auf Platz drei zurück. Mitten in einem Getümmel in Les Combes lag George Russell, der - als Kulmination seiner Topspeed-Probleme der letzten zwei Rennwochenenden - raus aus Raidillon geradezu bizarr langsam war. Lewis Hamilton stach innen hinein, Russell hielt außen dagegen, es endete mit Rad-an-Rad-Kontakt.

Russell drehte sich ins Kiesbett und blieb stecken. Sein Rennen war vorbei, das Safety Car kam für vier Runden raus. Piastri schlüpfte vorbei an Hamilton auf den vierten Platz, dahinter folgten nun nach weiteren turbulenten Windschatten-Gefechten Liam Lawson, Arvid Lindblad, Franco Colapinto, Gabriel Bortoleto und Lando Norris. Esteban Ocon war in der ersten Runde außerdem mit Oliver Bearman in Fagnes kollidiert und hatte mit Reifenschaden zum Stopp gemusst.

Zwei Ferrari-Kollisionen - nur eine Strafe

Leclerc rammt Piastri: Nur kurz nach dem Restart in Runde 5 ging der Trubel weiter. Piastri duellierte sich erst einmal direkt beim Restart mit Hamilton. Der McLaren behielt die Oberhand und machte sich nun daran, Leclerc zu attackieren. In Runde 8 setzte er sich außen vor Les Combes daneben.

In der Bremszone zog Leclerc leicht nach links, es kam zum Kontakt, Piastri verlor Teile, eine Runde später seinen vierten Platz an Hamilton, und dann immer mehr Pace. Die zwei Kollisionen landeten beide vor den Stewards. Nur Hamilton kassierte dabei aber eine Fünf-Sekunden-Strafe. Leclerc kam mit einem Freispruch daovn.

Virtuelles Safety Car schenkt Charles Leclerc die Führung

Ferrari mit Glück in VSC-Serie: Verstappen trat in Runde 17 die Boxenstopps der Spitze los. Kurz darauf folgte ein kurzes Virtuelles Safety Car für Trümmer, aber es war so kurz, dass es niemandem etwas brachte. Antonelli sicherte sich in Runde 18 also unter Grün gegen einen potenziellen Verstappen-Undercut ab.

Ferrari aber blieb draußen. Dafür erhielt man in Runde 21 ein unglaubliches Geschenk. Ein erneutes VSC, mit nicht eindeutig erkennbarem Grund, und diesmal dauerte es länger. Gerade lange genug. Leclerc, Hamilton und Piastri stoppten bei halbiertem Zeitverlust. Leclerc kam zwei Sekunden vor Antonelli in Führung zurück auf die Strecke. Antonelli verlor nach dem Neustart eine weitere Sekunde hinter Lando Norris, der immer noch auf seinem Startreifen weitergefahren war.

Hamilton rammt Mechaniker beim Boxenstopp: Hamilton musste bei seinem Stopp seine 5-Sekunden-Strafe absitzen. Irgendwas lief dann im Prozedere komplett schief. Der Mechaniker vorn schien eine erbetene Frontflügel-Änderung vergessen zu haben, sich verspätet noch einmal vorzulehnen, aber Hamilton hatte bereits die Freigabe bekommen und nahm den Mechaniker mit dem rechten Vorderreifen mit. Zum Glück schien nichts Schlimmes passiert zu sein, aber es wird nach dem Rennen eine Ermittlung wegen eines Unsafe Releases folgen.

Charles Leclerc gegen Kimi Antonelli zu langsam

Antonelli kämpft sich an Leclerc vorbei: Leclercs drei Sekunden Puffer waren für Antonelli alles andere als eine unlösbare Aufgabe. Nachdem er endlich Norris passiert hatte, brauchte er acht Runden, um zum Ferrari aufzuschließen. In Runde 34 setzte er hin zu Les Combes zum Angriff an und ging vorbei. Leclerc mühte sich fünf Runden lang ab, im Overtake-Modus hinter Antonelli zu bleiben, aber in Runde 39 schüttelte der Mercedes ihn endgültig ab. Das Rennen um den Sieg war entschieden.

Verstappen rettet Podium vor Hamilton & Piastri: Der Red Bull hatte im zweiten Stint auf dem Hard-Reifen keine nennenswerte Pace mehr. Max Verstappen beschwerte sich auch generell über fehlenden Grip. Platz drei konnte er trotzdem ins Ziel retten, denn die Problem-Piloten Piastri und Hamilton verbrachten hinter ihm mehrere Runden mit einem Duell.

Piastri hatte erst dank des VSC-Stopps zu Verstappen aufgeschlossen, musste dann aber wieder abreißen lassen. So kam Hamilton zurück ins Rennen um den vierten Rang. In Runde 40 schaffte er es endlich vorbei. Piastri schaffte es im Finish als einziger Fahrer der Spitze nicht mehr, Zeiten unter 1:50 zu fahren, wodurch er gegen die mit alternativen Strategien fahrenden Isack Hadjar und Lando Norris in Bedrängnis kam.

Hadjar, wegen Motorstrafe vom vorletzten Platz losgefahren, hatte zu Rennbeginn unter Safety Car gestoppt und das Rennen dann mit zwei Hard-Stints beendet. Piastri konnte er nicht einholen, Norris aber gerade so noch abwehren, obwohl der McLaren nach seinem langen ersten Hard-Stint einen Medium-Schlussspurt mit der schnellsten Rennrunde hingelegt hatte.

Audi zockt Racing Bulls & Alpine dank VSC ab: Auch im Mittelfeld gab es einen großen Profiteur des langen VSCs, nämlich Gabriel Bortoleto. Audi stoppte beide Fahrer, Bortoleto konnte sich danach bis ins Ziel gegenüber Arvid Lindblad behaupten. Der letzte Punkt wurde in einem großen Vierkampf ausgefochten. Franco Colapinto setzte sich letztendlich gegen Pierre Gasly, Liam Lawson und Nico Hülkenberg durch. Diese vier kamen innerhalb von zweieinhalb Sekunden ins Ziel. Keine Rolle spielten wie zu erwarten Haas, Williams, Cadillac und Aston Martin. Sergio Perez und Lance Stroll musste einmal mehr mit Defekten aufgeben.