Gejammert wurde viel am Funk von Max Verstappen, doch unter dem Strich kam für ihn und für Red Bull in Monza ein gutes Wochenende raus, besonders was die Leistung des Autos im Rennen anging. Ist das ein Signal eines Aufschwungs? Formel-1-Experte Christian Danner winkt ab. Es gibt eine Reihe an Gründen, warum Monza nichts für die nächsten Wochen aussagen muss.

"Ich glaube, dass der Motor in Monza echt gut war, und natürlich ist Verstappen immer sagenhaft gut, und da werden wir noch ein paar andere Strecken sehen", will Danner auf der einen Seite die gute Leistung nicht völlig entwerten. Nur gibt es sehr spezifische Gründe, warum es am Sonntag in Monza so gut gelaufen war.

Monza-Aufschwung nur Fassade? Danner: Red Bull ist noch weit weg! (02:23 Min.)

"Ich sehe das Auto noch nicht in einer Position, dass man da konstant einfach immer aufs Podium fahren kann", hat Danner also gleich einmal seine Zweifel. "Ich glaube, da ist der McLaren näher dran, und sogar der Ferrari. Ich glaube, Red Bull ist dann noch ein bisschen weiter weg."

Monza eine Red-Bull-Strecke? Technische Hintergründe zum Verstappen-Podium

Dass die Ergebnisse des RB22 von Strecke zu Strecke stark variieren, ist nämlich kein Zufall. Das ganze Jahr ist technisch eine zähe Angelegenheit. Zu Saisonbeginn war man übergewichtig gewesen, hatte Probleme mit der Lenkung und der Vorderachse, und mit den beiden großen Update-Paketen von Miami und Österreich wurden die schlimmsten Probleme diesbezüglich beseitigt.

Damit lässt sich nun nach 13 Rennen ein erstes Fazit treffen, was der RB22 in seiner aufgeräumten Konfiguration gut kann - und was er gar nicht kann. Gut ist er auf der Bremse, besonders wenn es einfache, gerade Bremszonen hinein in enge Kurven sind. Das unterstrich Verstappen in Monza mit Ausbremsmanövern und nach dem Rennen mit Worten: "Das hat mir das Vertrauen zum Attackieren gegeben."

In Kanada wurde Verstappen so Dritter. Nach dem letzten großen Update konnte er in Österreich und in Monza je zweimal sogar zeitweise mit Mercedes kämpfen und einen zweiten und einen dritten Platz holen. Doch leider für ihn gibt es auch andere Streckentypen. Welche, die langgezogene, mittelschnelle und schnelle Kurven in Kombinationen haben.

Das ist das prinzipielle Problem des Autos. Je vielfältiger und je länger die Kurven auf einer Strecke, desto schwieriger wird es, das Auto abzustimmen. In Silverstone fehlten im Qualifying sechs Zehntel. In Ungarn fünf. In Zandvoort fünf. Sobald der RB22 über einen längeren Zeitraum mit mittlerem oder schnellem Tempo die Richtung wechseln muss, kippt an einem Punkt im Kurvenverlauf die Balance. Das scheint per Setup fast unmöglich zu kurieren.

Halten Auto und Red-Bull-Updates wirklich?

Es sind nicht die einzigen Probleme. Am Monza-Wochenende sprach Verstappen wiederholt von mysteriösen, plötzlich und unberechenbar auftretenden mechanischen Schäden im Bereich des Hecks, welche die Stabilität und Fahrqualität untergraben. Dabei handelt es sich nicht um den Ärger mit dem Heckflügel, den Red Bull im Sommer hatte. Hier geht es offenbar um ein auf Montage oder Fertigung zurückzuführendes Problem, vielleicht im Bereich der Aufhängung, welches das Team noch nicht ausreichend einengen konnte.

Tatsächlich wurde zwischen Qualifying - wo so ein Problem laut Verstappen in Monza wieder auftrat - und Rennen nicht von den erlaubten Reparatur-Regeln unter Parc ferme Gebrauch gemacht, Verstappen ging mit dem Problem ins Rennen und meldete es dort auch entsprechend permanent. Womöglich handelt es sich nur um Kleinigkeiten, für die der als besonders sensibel bekannte Verstappen extra anfällig ist. Laut ihm gibt es ähnliche Probleme jedenfalls seit Saisonbeginn.

Und dann bleibt die Frage nach der Qualität der Updates. Der angesprochene Heckflügel demonstrierte sehr öffentlich, dass Red Bull immer noch Probleme hat, sofort perfekt funktionierende Teile an die Strecke zu liefern. In Monza hatte das Team einen neuen Frontflügel und modifizierten Unterboden-Kiel dabei und erlebte einen schwierigen Freitag, was Technikchef Pierre Wache vage beurteilte: "Ein bisschen wie in Zandvoort, wir müssen verstehen, warum das so ist. Wir haben ein paar Dinge evaluiert, jetzt müssen wir für morgen Entscheidungen treffen."

Der neue und der alte Red-Bull-Frontflügel im Vergleich
Die neueste Frontflügel-Entwicklung bei Red Bull, Foto: giorgiopioladesign.com

"Was normalerweise eine Katastrophe ist", meint F1-Experte Christian Danner mit Blick auf seine jahrelange Erfahrung mit Teams und Update-Sorgen. "Das heißt, die hatten Updates, und die haben offensichtlich nicht funktioniert, und jetzt bauen sie sukzessive wieder zurück, das kennen wir bei Red Bull, das ist schon öfters passiert."

"So kommst du nicht nach vorn", warnt Danner. Am Ende verlor das Team in Monza auch wertvolle Test-Zeit, weil im 1. Training Ayumu Iwasa statt Verstappen im Auto saß. Verstappen verbrachte einen großen Teil von FP2 erneut mit Vergleichstests am Frontflügel, anstatt bereits eine fixe Entscheidung treffen zu können. Ultimativ fuhr er den Rest des Wochenendes zumindest mit dem neuen Flügel. Liam Lawson mit dem alten.

Wird die neue Strecke in Madrid dem Red Bull liegen? Ein Gemisch aus sehr vielen Kurven, angewinkelten Bremszonen und ein paar mittelschnellen Kombinationen würde eher dagegensprechen. Mehr zum "Madring" gibt es hier: