Die Formel 1 fährt an diesem Wochenende erstmals auf dem Madring. Die Strecke rund um das Messegelände der spanischen Hauptstadt hat trotz anfänglicher Zweifel unter den Piloten schnell ihre Fans gefunden. Hoher Grip, eine Steilkurve und eine trotz des Stadtkurs-Anspruchs flüssige Streckenführung, all das mögen Rennfahrer. Qualifying-Runden machen auf solchen Mutstrecken besonders viel Spaß.
Wie viel Spaß? Das erklärten die F1-Fahrer schon nach den Trainings am Freitag ausführlich. Im verlinkten Artikel könnt ihr die Aussagen im Detail nachlesen.
Doch nach dem Qualifying hört das Lob auf. Denn letztendlich muss auf der Strecke auch ein Rennen gefahren werden und dieses verspricht eine Prozession zu werden. Die Befürchtungen, die seit der Bekanntgabe des Layouts die Runden machten, haben sich zumindest im Rahmenprogramm bestätigt: Überholen ist in Madrid äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Die Formel-1-Fahrer gehen davon aus, dass das in der Königsklasse nicht anders sein wird.
Überholen unmöglich? Max Verstappen kritisiert Streckendesigner
"Es gibt keine Kurven, in denen man überholen kann", meldete Max Verstappen in der Pressekonferenz nach dem Qualifying. "Wir werden uns also darauf verlassen müssen, dass andere Leuten sehr aggressivem Reifenverschleiß haben. Aber selbst dann muss ich immer noch irgendeine Kurve finden, in der ich überholen kann", sieht er für das Rennen trotz der hohen Reifenbelastung durch Graining und thermalen Verschleiß schwarz.
Das Problem an der Strecke ist, dass sie nur über zwei nennenswerte Geraden verfügt: Start-Ziel und das Vollgas-Stück zwischen Kurve 2 und Kurve 5. Doch die Start-Ziel-Gerade ist mit lediglich 589 Metern auf der kürzeren Seite, um sich in eine brauchbare Überholposition zu bringen. Die 837 Meter lange 'Gerade' zwischen Kurve 3 und 5 erscheint anhand ihrer Länge als besser geeignet, sie ist allerdings denkbar ungünstig gelegt mit einem langen Rechtsschwung gegen Ende, gefolgt von einer engen Schikane, in die nur mit Schwierigkeiten zwei Autos passen.
Der Red-Bull-Fahrer nimmt die Streckendesigner in die Verantwortung. "Die Bremszonen. Sie müssen lernen, dass es niemals so sein sollte, dass man gleichzeitig lenken und bremsen muss. Denn dadurch verhindert man jede Art von Überholmanövern", erklärte der vierfache Formel-1-Weltmeister.
An der von ihm angesprochenen Stelle wurde dieses Charakteristikum von der Straßensituation der Stadt übernommen. Der Abschnitt von Kurve 5 liegt zur Gänze noch auf öffentlichen Straßen und die Calle de la Ribera del Sena, welche in die Via Dublin übergeht, verfügt nunmal über diese Biegung. Die anschließende Schikane ist im 'echten Leben' ein Kreisverkehr, der nicht viel Platz bietet und dazu noch als Verlangsamung für die anschließende Unterführung unter der Autobahn Calle de Ariadna dient.
Formel-1-Streckenlayout: Verstappen fordert mehr Fahrer-Input
"Bei zukünftigen Streckenentwürfen könnte der Input von Fahrern viel helfen. Ich weiß, dass sie [die Streckendesigner, d. Red] immer erwidern können: Ja, aber der Platz dort… Aber das ist BS [Bullshit, d. Red]", wurde Verstappen deutlich. Auch wenn er zuvor Turn 5 anspielte, bezieht sich seine Kritik auf das Design der kompletten Strecke. "Es gibt immer einen Weg, um rund um eine Strecke eine Überholmöglichkeit zu finden", ist er überzeugt.

Im Gegensatz zu der genannten Stelle bieten andere Abschnitte mehr Freiheiten für den Streckenverlauf. Schließlich handelt es sich bei Madrid ja um eine Strecke, die nur zum Teil auf öffentlichen Straßen zwischen vorhandener Infrastruktur liegt und damit physischen Beschränkungen ausgesetzt ist. Der komplette Abschnitt zwischen Turn 8 und Turn 18 wurde auf einem brach liegenden Gelände entworfen. Dort nutzten die Streckendesigner den ihnen gebotenen Platz, um der Strecke ihre flüssigen Passagen mit schnellen Kurven zu verleihen - darunter die 'Monumental'-Steilkurve - anstatt weitere Überholstellen einzubauen.
"Ich denke, wenn man besseres Racing haben will, dann gibt es einige Kurven, die verändert werden können", ist Verstappen sicher, der abgesehen von der überholfeindlichen Streckenführung viel Lob für das Event übrig hatte und auch die extrem hohen Gripverhältnisse positiv hervorhob.
Die Strecke nahe des Flughafens Barajas auf dem IFEMA-Messegelände, in dem unter anderem einst die F1-Ausstellung ihr Debüt gefeiert hatte, wurde ursprünglich vom Rennstrecken-Designbüro Dromo entworfen. Fertiggestellt wurde der Kurs allerdings wie der Großteil der F1-Neuzugänge der letzten 30 Jahre vom Architekturbüro Tilke, nachdem es Probleme mit der Arbeit der ursprünglichen Designer gab.
Überholen unmöglich? Auch Kimi Antonelli und Lando Norris kritisieren die Strecke
Mit der Ansicht, dass überholen im morgigen Formel-1-Rennen sehr schwierig werden wird, stimmen alle dazu befragten Fahrerkollegen mit dem Niederländer überein. WM-Leader Kimi Antonelli erzählte in der Pressekonferenz dazu eine kurze Anekdote: "Im Training verbrachte ich zwei Runden hinter einem Williams und versuchte schmerzhaft, an ihm vorbeizukommen."
"Das Einzige, das man versuchen kann, ist Druck auf den Vordermann auszuüben, damit er einen Fehler macht oder ihn in ein bisschen mehr Reifenverschleiß zu treiben und dann mit der Strategie zu spielen", vermutet der Qualifying-Zweite. Im Rennen wird er es wohl auch darauf anlegen müssen, falls er Polesetter Lando Norris nicht am Start knacken kann.
Norris machte auf einen anderen Punkt aufmerksam, welcher der Strecke für das Rennen zusätzlich Action rauben könnte: die Boxengasse. Diese ist die längste im Rennkalender der Formel 1 und obwohl man bei der Ausfahrt praktisch die komplette erste Schikane abschneidet, verliert ein Fahrer dort mit einer Durchfahrt 25 Sekunden. "Das verringert den Wunsch, an die Box zu kommen und unterschiedliche Strategien auszuprobieren", so der McLaren-Pilot.
Er versteht nicht, warum man diesem Aspekt bei der Planung nicht mehr Beachtung geschenkt hatte. "Wenn man so viel Geld in den Bau einer neuen Strecke steckt, dann sollte es wahrscheinlich einer der wichtigsten Faktoren sein, eine kurze Boxengasse zu bauen, damit Leute stoppen können und Positionswechsel kreiert werden", sagt der Polesetter. Auch die allgemeine Batteriearmut der aktuellen Formel 1 hilft der Strecke wenig, da der Kurs nur ein geringes Ausmaß an Batteriemanagement fordert und somit mit künstlichen Überholvorgängen à la Spa oder Monza nicht zu rechnen ist.
Polesetter Lando Norris könnte die Überholschwierigkeit der Strecke natürlich in die Karten spielen. Doch wie kam der amtierende Weltmeister überhaupt zu Startplatz 1? Das könnt ihr im Qualifying-Bericht herausfinden:



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