Esteban Ocon wurde nach 2024 zu Haas geholt, um eine konstante Referenz für Oliver Bearman zu liefern – etwas, das man seinem Vorgänger Kevin Magnussen nicht zugetraut hatte. In seinen zwei Jahren konnte Ocon bisher diese Konstanz nicht liefern, was 2026 allerdings auch an einer mysteriösen Inkonstanz der Wagen-Performance liegt.

Unabhängig davon hat sich jedoch klar herauskristallisiert, dass Ocon mit Bearman nicht Schritt halten kann. Alle sportlichen Leistungsdaten der letzten eineinhalb Jahre sprechen für den Briten und lassen das Cockpit von Ocon schon seit Längerem wackeln. Jetzt scheint die Entscheidung gefallen zu sein, und zwar gegen den einstigen Mercedes-Hoffnungsträger.

Esteban Ocon: Bin im Moment 'Free Agent'

In seiner Medienrunde vor dem Aserbaidschan-GP deutete die Tonalität, die Ocon an den Tag legte, klar auf Abschied hin, auch wenn er die konkrete Frage danach, ob Haas noch eine Option sei, mit einem nichtssagenden "mal sehen" quittierte. Mehr kann er dazu wohl auch nicht sagen, solange eine offizielle Bekanntgabe noch aussteht.

Zuvor beschrieb er sich im US-amerikanischen Sportjargon als 'Free Agent', also als vertragsloser Fahrer. "Ich bin im Moment mit Sicherheit ein Free Agent für nächstes Jahr", so Ocon wörtlich. "Es befinden sich Dinge in der Diskussion, die außerhalb meiner Kontrolle liegen und gewisse Themen, die außerhalb meiner Kontrolle liegen", erklärte er weiter.

'Außer meiner Kontrolle' klingt nicht danach, als ob er noch daran glaubt, durch seine Leistungen bei Haas in den verbleibenden acht oder neun Rennen der F1-Saison das Ruder noch herumreißen zu können. Das passt zu einer Meldung des britischen Motorsport-Mediums PlanetF1, wonach Ocon vor diesem Wochenende darüber informiert worden sei, dass seine Zeit bei der Mannschaft aus Kannapolis abgelaufen ist.

Rafael Camara vor Formel-1-Aufstieg bei Haas?

In der vergangenen Woche führte das US-Team in Jerez den letzten einer Reihe von TPC-Tests durch, die unter anderem als direkter Vergleich zwischen mehreren Anwärtern herhielten. Zuvor hatte man schon im August in Portimao getestet und im Juni ebenfalls in Jerez.

Dabei soll sich nach Informationen von Motorsport-Magazin.com Rafael Camara bei dem Test in Portugal hervorgetan haben, wo er im direkten Vergleich schneller war als Hirakawa und F2-Champion Fornaroli – nur Stammfahrer Bearman konnte er nicht besiegen. Hirakawa und dessen Toyota-Kollege Sho Tsuboi waren in der letzten Woche auch in Jerez im Einsatz und dienten dort als Referenz für Haas-Reserve Jack Doohan, der aber nicht zu überzeugen wusste.

Rafael Camara gilt deshalb als Favorit auf das Cockpit. Laut Gerüchten sollen die Würfel bei Haas schon zu seinen Gunsten gefallen sein. Damit würden 2027 gleich zwei Junioren der Scuderia für den Ferrari-Kundenrennstall am Lenkrad drehen. Laut Teamchef Ayao Komatsu sind die kommerziellen Interessen bei der Fahrerwahl nur zweitrangig für den Fall, dass zwei Piloten auf einem Level performen. Priorität hatte der Speed eines Fahrers. Zumindest nach dem Portimao-Test habe sich so ein Szenario aber nicht abgezeichnet: "Ich denke, wir können nach Performance entscheiden", sagte Komatsu beim Formel-1-GP in Madrid.

War es das mit der Formel-1-Karriere von Esteban Ocon?

Sollte das Aus bei Haas Wirklichkeit werden, stehen die Chancen auf ein Vollzeit-Cockpit für Esteban Ocon in der Formel 1 2027 denkbar schlecht. Denn inzwischen sind schon so gut wie alle Plätze besetzt. Ocon behauptete in Baku aber, dass Gespräche mit anderen Teams laufen würden.

Esteban Ocon (Haas) im Gespräch mit Fernando Alonso (Aston Martin) vor dem Rennen der Formel 1 in Zandvoort (Niederlande)
Ist Fernando Alonso Ocons letzte Hoffnung auf einen Formel-1-Verbleib?, Foto: Imago / PsnewZ

Viele Optionen gibt es jedoch nicht. Bei den Racing Bulls wird standesgemäß Red-Bull-intern besetzt, wobei das kleine Bullenteam mit Liam Lawson, Arvid Lindblad und Nikola Tsolov ohnehin ein Luxusproblem von zu vielen Anwärtern hat. Bei Cadillac wehrt sich Valtteri Bottas seit Monaten gegen Spekulationen, dass sein Cockpit unsicher sei und er über einen fixen Vertrag für 2027 verfüge.

Dann bleibt eigentlich nur noch Aston Martin, wo sich Fernando Alonso weiterhin mit seiner Entscheidung Zeit lässt, ob er als Stammfahrer in der Formel 1 weitermachen wird. Falls der Asturier den Stecker zieht, würde Aston dringend einen Ersatz benötigen. Ob dieser dann den Namen Ocon tragen würde, ist ein anderes Kapitel.