George Russell braucht am Formel-1-Wochenende in Baku einmal mehr eine Antwort auf Kimi Antonelli. In Madrid baute das Mercedes-Wunderkind seinen Vorsprung im Titelrennen einmal mehr aus, Russell holte als Fünfter sein drittschlechtestes Resultat in dieser Saison. Der Brite baut sich vor dem 15. Rennen im F1-Kalender 2026 einmal mehr mit Zweckoptimismus auf. Die Weltmeisterschaft ist weit entfernt, doch er will sich mit der anhaltenden Erfolglosigkeit nicht abfinden.
"Natürlich ist da ein großer Rückstand. Aber im Moment spielt das eigentlich gar keine Rolle. Die Performance hat ganz klar oberste Priorität", sagt Russell mit Blick auf den WM-Stand. Nach 15 von 23 Rennen steht er bei 211 WM-Punkten und damit 81 hinter Tabellenführer Antonelli. In den letzten zwei Rennen in Monza und Madrid holte der Italiener 22 Punkte mehr als Russell, doch der gibt sich seit der Rückkehr aus der Sommerpause stets kämpferisch optimistisch.
"Ich bin definitiv zufriedener. In den vergangenen Rennen, selbst in Madrid, haben wir am Sonntag Anzeichen einer starken Pace gezeigt. Nur leider konnte dort niemand überholen, was schade ist. Ich hätte es mit dieser Pace auf jeder Rennstrecke zurück aufs Podium schaffen können - abgesehen von Monaco. Aber das Layout in Madrid machte es etwas schwierig", erklärt der 28-Jährige. "Aber ich habe den Eindruck, dass wir sehr gute Fortschritte machen und ich bin zuversichtlich, dass ich wieder um Siege kämpfen kann."
Formel-1-Fahrstilfrage für George Russell keine unlösbare Aufgabe
Dass Kimi Antonelli bei Mercedes dieses Jahr bisher nicht nur den absoluten Zahlen nach den Ton angibt, räumt Russell unumwunden ein. Die Fahrstilfrage beschäftigt ihn auch nach einer halben Saison mit dem 2026 eingeführten Formel-1-Reglement immer noch. "Ich denke, sein Fahrstil ist dem vom vergangenen Jahr sehr ähnlich. Und so, wie sich die Dinge in diesem Jahr entwickelt haben, scheint das einfach der perfekte Fahrstil für diese Autos zu sein", so Russell. "Wenn man auf das vergangene Jahr schaut, erkennt man gewisse Tendenzen. Zum Beispiel Brasilien: Kimi hatte dort ein sehr starkes Rennen und Lando hat gewonnen. Das sind zwei Fahrer, die auf Strecken mit wenig Grip immer sehr stark sind – und gleichzeitig zwei Fahrer, die in dieser Saison wohl zu den stärksten überhaupt gehören."
Vor dem Hintergrund dieser Indizien steht für ihn jedoch außer Frage, dass auch ihm der Turnaround in der Formel 1 gelingen kann. "Ich habe überhaupt keine Zweifel daran, dass wir das schaffen können. Wir fahren beide schon sehr lange Rennen. Wir gehören zu den wenigen Fahrern, die in F4, F3 und F2 gewonnen haben – und das waren alles unterschiedliche Rennwagen von unterschiedlichen Herstellern, mit unterschiedlichen Reifen und auf unterschiedlichen Strecken", sagt er in der Pressekonferenz über sich und den neben ihm sitzenden Oscar Piastri, der bei McLaren teamintern in diesem Jahr ebenfalls klar das Nachsehen hat.
"Deshalb habe ich keinerlei Zweifel an meinen Fähigkeiten. Ich bin sicher, dass Oscar genauso wenig an seinen zweifelt. Aber im Moment fahren wir eben gegen die Besten der Welt. Es braucht einfach ein bisschen Zeit, aber ich habe keinen Zweifel daran, dass wir es schaffen können. Ich denke auch, dass jedes Formel-1-Auto, das ich bisher gefahren bin, auf gewisse Weise anders war. [...] Die Dinge verändern sich also ständig, selbst von Jahr zu Jahr innerhalb desselben Reglements. Und im nächsten Jahr wird sich wieder einiges ändern. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir Fortschritte machen werden."
George Russell will sich für die Formel-1-Saison 2027 in Position bringen
Vom WM-Titel 2026 hat sich Russell in Anbetracht seiner Schwierigkeiten in der ersten Saisonhälfte gedanklich längst verabschiedet. "Ich befinde mich in dieser Position in der WM, weil meine Performance nicht gut genug war. Das ist eigentlich schon seit einiger Zeit so: Der Druck entsteht dadurch, dass ich meine Leistung verbessern will, und nicht dadurch, dass ich denke, ich müsse um die Meisterschaft kämpfen. Denn um überhaupt um eine Meisterschaft kämpfen zu können, muss die Performance stimmen", stellt er klar.
Aus diesem Grund konzentriert er seinen Ehrgeiz jetzt darauf, Antonelli nicht das Feld zu überlassen: "Ich denke, es ist sehr wichtig, einige Probleme zu lösen. Ich bin mit den Fortschritten seit der Sommerpause zufrieden. Die Rennpace, die zuvor eine Schwäche war, ist deutlich besser geworden, und seit der Pause waren wir in jedem Rennen gut dabei. Ich fühle mich inzwischen deutlich wohler und habe das Gefühl, dass ich um starke Ergebnisse kämpfen kann", so der siebenfache Grand-Prix-Sieger.
Die Hoffnung darauf, dass 2027 wieder alles anders werden kann, hält seine Moral aufrecht. Für das kommende Jahr will er sich mit Einzelerfolgen in der zweiten Saisonhälfte in die richtige Position bringen. "Ich will versuchen, jedes einzelne Rennen zu gewinnen und jedes Mal auf die Pole Position zu fahren. Das ist mein Ziel. Darauf arbeite ich an jedem einzelnen Wochenende hin", sagt er.
Formel 1 2026: Kimi Antonelli vs. George Russell
| Statistik | Kimi Antonelli | George Russell |
|---|---|---|
| WM-Platz | 1. | 2. |
| Punkte | 292 | 211 |
| Siege | 8 | 2 |
| Podien | 12 | 7 |
| Ausfälle | 1 | 2 |
| Renn-Duell | 10 | 4 |
| Sprint-Duell | 1 | 4 |
| Pole Positions | 6 | 4 |
| Qualifying-Duell | 8 | 6 |
| SQ-Duell | 2 | 3 |
| Ø Qualifying-Gap* | - | +0,089 Sekunden |
*Kumulierte Statistik aus Qualifyings für Sprints und Grands Prix
"Wenn wir jetzt wieder bei null angefangen hätten, wäre die Situation vielleicht eine andere. Aber jetzt müssen wir einfach sehen, wie sich die Dinge bis zum Saisonende entwickeln. Im nächsten Jahr wird es ziemlich ähnlich sein. Beim Chassis ändert sich nicht viel, bei den Power Units ebenfalls nicht. Vielleicht werden die Reifen etwas anders, zumindest gibt es Anzeichen. Deshalb ist es wichtig, dass ich weiter auf diesen Fortschritten aufbaue."



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