Alex Albon war eigentlich der Ausgangspunkt, der ein lange lahmes Rennen bei der Formel 1 in Aserbaidschan in der zweiten Hälfte noch zu einer ziemlichen Show werden ließ. Unfreiwillig, versteht sich, denn Albon krachte in der 30. Runde zwischen den Kurven 5 und 6 in die TecPro-Barriere und verursachte damit die erste von zwei Safety-Car-Phasen.

Eigentlich ist Turn 5 keine klassische Unfallstelle. Kurve 1 und Kurve 3 sind anfälliger für Verbremser. Die 'Burg'-Sektion zwischen Kurve 8 und 10 sowie die schnelle Kurve 15 geben dem Außenrad weniger Platz für Fehler. Wieso wurde Albon also ausgerechnet diese so unscheinbare Stelle zum Verhängnis?

Nicht nur Albon schuld? Williams-Fahrer beschuldigt auch den Wind

Der Williams-Pilot erklärte die ungewöhnliche Unfallstelle durch eine Kombination aus verschiedenen Faktoren. Einer davon ist nicht zuletzt er selbst, oder besser gesagt: sein Bremspunkt. "Es war ein bisschen komisch. Aber ich bremste ein kleines bisschen später", begann der Thailänder seine Ausführungen mit einem Schuldeingeständnis.

Dann sei allerdings auch noch das Wetter ins Spiel gekommen: "Ich bekam plötzlich eine starke Windböe ab", erklärte Albon. "Ich dachte, dass ich ein bisschen weit rauskommen würde, aber ich dachte niemals, dass ich in die Wand fahren würde. Das war komisch", sagte er weiter.

Der Wind ist bei der Formel 1 in Baku immer ein Thema. Die Innenstadt liegt in einer exponierten Lage auf einer Halbinsel am Kaspischen Meer und verfügt so zur Küste hin praktisch über keine natürlichen Windbarrieren. Nicht zu Unrecht trägt sie auch den Namen "Stadt der Winde". Die einzigen Windstopper sind die Hochhäuser rund um das Zentrum, die nur je nach Windrichtung Teile der Strecke abschirmen. Das macht den Wind oft schwer kalkulierbar, erst recht, da es über das gesamte Formel-1-Wochenende sehr böig war.

Alex Albon (Williams) nach seinem Unfall beim Formel-1-Rennen in Baku (Aserbaidschan-GP) 2026
Alex Albon verunfallte in Baku in Kurve 5, Foto: Imago / PsnewZ

Hat das Williams-Dreirad wieder zugeschlagen?

Albon will trotz dieses Faktors aber nicht die Schuld von sich weisen. "Ich muss das in dieser Situation auf meine Kappe nehmen", nimmt er vorweg, ehe er einen weiteren Faktor anspricht, der seiner Ansicht nach zu dem Unfall beigetragen hat. "Wir wissen, dass unser Auto gerne das Vorderrad etwas anhebt und das erhöht die Tendenz zum Blockieren der Vorderreifen, wenn es passiert", so Albon.

Ein Problem, das Williams schon länger mit sich herumzieht. Schon 2025 hatte Carlos Sainz diese Unart seines Boliden beim Team gemeldet. Umso bitterer ist es, dass man das 'Dreirad' in die neue Fahrzeuggeneration mitnahm. Das Problem dabei ist, dass das entlastete Innenrad nicht dieselbe Aufstandsfläche erreicht wie die anderen Reifen. Die Folge ist weniger Grip bei der Kurveneinfahrt und eine höhere Tendenz zum Untersteuern. "Wir wissen, wenn wir ein bisschen spät bremsen, dann setzen wir uns diesem Dreiradfahren aus. Mit der Windböe und gleichzeitig dem Bremsen treibt uns das über das Limit", erkannte Albon.

Albon lag beim Unfallzeitpunkt auf der 13. Position und hatte noch intakte - wenn auch relativ geringe - Chancen auf Punkte. Durch den Unfall erledigte sich das natürlich, aber kurioserweise half das dem Team indirekt sogar. Denn mit dem Unfall beim anschließenden Restart bot sich im zusammengerückten Feld in der Schlussphase des Rennens Teamkollege Carlos Sainz plötzlich wie aus dem Nichts die Gelegenheit, noch einen Punkt abzustauben. Diese ergriff der zuletzt strafenlastige Spanier und sammelte damit den ersten Williams-Zähler seit dem Monaco-GP Anfang Juni - immerhin acht Rennen sind inzwischen vergangen.

Die Williams-Punkte waren in Baku nur eine Randnotiz. Der größte Aufreger war der von Franco Colapinto ausgelöste Unfall beim Restart, der Pierre Gasly und Lando Norris aus dem Rennen nahm. Der F1-Weltmeister forderte anschließend sogar eine Sperre. Die wichtigsten Infos zum Rennen findet ihr in unserem Video:

Wilder Restart-Crash in Baku: Norris fordert Sperre für Colapinto! (17:52 Min.)