George Russell hat am Samstag ein abermals ereignisreiches Formel-1-Rennen in Baku gewonnen. Nach einer müden ersten Hälfte sorgten zwei Restarts für jede Menge Action beim Aserbaidschan-GP. Russell hatte zuvor dominiert und hielt in der Schlussphase dann auch dem Druck von Max Verstappen stand. Für den Mercedes-Fahrer war es der dritte Saisonsieg sowie der achte seiner F1-Karriere. Als Dritter fuhr Isack Hadjar beim Comeback aufs Podium. Für WM-Leader Kimi Antonelli endete seine Aufholjagd nach einem desaströsen Qualifying auf Platz fünf. Alle Reaktionen zur Formel 1 heute in Baku gibt es im Live-Ticker

Die erste Rennhälfte gestaltete sich weitestgehend ereignislos. An der Spitze hatte George Russell das Geschehen im Griff, während dahinter die beiden Red Bulls hinter Oscar Piastri festhingen. Einzig der ungeduldige Isack Hadjar sorgte mit seinen Funksprüchen ans Team für Unterhaltung. Er fühlte sich schneller als Verstappen und wollte vorbei, doch das Team wollte die Reihenfolge seiner Autos nicht ändern.

In Runde 30 sorgte ein Unfall von Alex Albon für einen Plot-Twist. Zunächst nutzte das gesamte Feld die daraus resultierende Safety-Car-Phase für den Pflicht-Boxenstopp. Danach stellte der Restart das Rennen noch mehr auf den Kopf. In Kurve eins sorgten Franco Colapinto und Arvid Lindblad für Chaos, indem sie jeweils ihren Teamkollegen aus dem Rennen nahmen. Dabei ebenfalls ausgeschaltet wurde Lando Norris und das Safety Car musste erneut ausrücken.

Nach dem zweiten und letzten Restart in Runde 39 machten Russell und Verstappen den Sieg unter sich aus. Der Red Bull-Fahrer hielt sich hartnäckig im Overtake, kam jedoch nicht in Schlagdistanz. In der vorletzten Runde crashte Bottas auch noch seinen Cadillac in Turn 15, was für eine lokale gelbe Flagge sorgte. Max Verstappen belagerte George Russell bis zum Zielstrich erfolglos. Nach 51 Runden feierte der Mercedes-Fahrer den ersten Start-Ziel-Sieg seiner Formel-1-Karriere mit 0,196 Sekunden Vorsprung. Isack Hadjar fuhr bei seinem Comeback nach der Verletzungspause als Dritter zu seinem dritten Podium in der Königsklasse.

Charles Leclerc wurde Vierter, dahinter landete Kimi Antonelli nach seiner Aufholjagd von P16 auf Platz 5. Die Top-10 komplettierten Lewis Hamilton, Arvid Lindblad, Esteban Ocon, Oliver Bearman und Carlos Sainz. Audi verpasste mit Nico Hülkenberg auf Platz elf knapp die Punkte. An einem abermals turbulenten Renntag in Baku sahen nur 15 der 22 gestarteten Fahrer die Zielflagge.

Die Highlights vom Formel-1-Rennen in Baku

  • Dritter Saisonsieg für George Russell
  • Kimi Antonelli fährt von P16 auf P5
  • Isack Hadjar stresst Red Bull wegen Max Verstappen
  • Franco Colapinto und Arvid Lindblad schießen ihre Teamkollegen ab
  • Williams nach Montreal wieder in den Punkten
  • Erstmals in 2026 doppelte Punkte für Haas
  • McLaren-Fahrer büßen für Fahrfehler
  • Alex Albon sorgt mit Crash für Safety Car

Formel 1, WM-Stand 2026: George Russell holt gegenüber Kimi Antonelli auf

Der WM-Stand: Nach Siegen steht es in dieser Saison immer noch 8:3 für Kimi Antonelli, karriereübergreifend stehen er und George Russell jetzt beide bei acht Formel-1-Erfolgen. Mit seinem dritten Saisonsieg im 15. Rennen des Jahres hat Russell gegenüber dem Italiener von 81 auf 66 verkürzt. Lewis Hamilton ist weiterhin Dritter, dahinter sind Lando Norris und Charles Leclerc knapp am siebenfachen Champion dran. Max Verstappen fehlen auf P6 allerdings noch 36 Zähler auf Hamilton.

In der Konstrukteursweltmeisterschaft holte Mercedes mit 35 Punkten in Baku die beste Ausbeute, Red Bull kommt mit dem Doppelpodium auf 33. In der Gesamtwertung stehen die Silberpfeile mit 538 Punkten souverän an der Spitze, Ferrari liegt als Zweiter schon 160 Punkte zurück. Größere Auswirkungen hatte Baku auf den Kampf um Platz fünf zwischen Racing Bulls und Alpine. Durch die Aktion von Colapinto verloren die Franzosen die Chance auf ein doppeltes Punkteresultat, Lindblad hingegen holte für die Racing Bulls acht Zähler. Damit liegt sein Team jetzt 15 vor Alpine.

Das Wetter: Am Samstag herrschten für das Rennen ähnliche Bedingungen wie im Qualifying. Zum Start um 15:00 Uhr Ortszeit zeigte das Thermometer 26 Grad Celsius an, der Asphalt stand bei 46 Grad. Der Himmel war klar mit vereinzelten Wolken, die Luftfeuchtigkeit lag bei 60 Prozent. Der Wind bereitete den Fahrern heute keine Schwierigkeiten.

Kimi Antonelli kann beim Formel-1-Start in Baku nicht zaubern

Die Startphase: Das Feld setzte für den Start auf Soft (C5) und Medium (C4), niemand fuhr den harten Reifen (C3) von Pirelli. Pole-Setter Russell setzte auf Medium, in den Top-10 wählten auch Norris, Gasly, Verstappen und Colapinto diesen Compound. In der zweiten Hälfte des Klassements kam Antonelli mit Medium von Startplatz 16, auch Audi hatte beide Fahrer auf dieser Reifenmischung.

Russell ließ von der Pole nichts anbrennen und behauptete die Führung beim Run auf Turn 1 gegen Leclerc. Der Ferrari-Fahrer kam auf der schlechten Seite des Grids nicht optimal weg und wurde außen von Piastri überholt. Dahinter kassierte Norris den Red Bull von Hadjar für Platz vier. Verstappen kassierte Gasly und lag damit hinter Hamilton auf P7. Colapinto und Lawson komplettierten die Top-10. Der größte Gewinner des Starts war Nico Hülkenberg, der drei Positionen gutmachte und vor Sainz und Antonelli auf P15 aus der ersten Runde kam.

Red Bull räumt im Verfolgerfeld auf

Der frühe Rennverlauf: An der Spitze hatte Russell schon in Runde zwei einen Vorsprung von anderthalb Sekunden auf Piastri. Im Verfolgerfeld ging Verstappen in Kurve 3 an Hamilton vorbei. Norris verlor auf der Start- und Zielgeraden die vierte Position an Hadjar, in Turn 3 kassierte auch Verstappen den Weltmeister. Red Bull war danach weiter im Vorwärtsgang. In Runde vier holte sich Hadjar den Ferrari von Leclerc und übernahm Platz drei. Einen Umlauf später überholte auch Verstappen den Monegassen.

Vorne war Russell schon um zweieinhalb Sekunden enteilt. Piastri erhielt von seinem Team derweil die Warnung, dass die Red Bulls mit gefährlicher Pace zu ihm aufschließen. Er sollte die Verfolger nicht ins Overtake-Fenster kommen lassen. Der Australier hatte ihnen jedoch nichts entgegenzusetzen. Hadjar brauchte genau zwei Runden, um in den Overtake zu kommen. Verstappen erwies sich in dieser frühen Phase aber wieder einmal als der schnellere Red Bull. Bevor Hadjar die Attacke auf Piastri reiten konnte, wurde er vom Teamkollegen aufgeschnupft. Der Franzose erhielt vom Team zuvor allerdings auch die Info, sich nicht in einen Zweikampf mit Verstappen zu verstricken. Bei unterschiedlichen Strategien (Soft für Hadjar und Medium für Verstappen) sollten die Fahrer nicht unnötig Zeit verschwenden.

Antonelli kommt in die Gänge, Russell hat die Ruhe weg

Nach acht Runden führte Russell mit dreieinhalb Sekunden auf Piastri, dahinter folgten Verstappen und Hadjar in Gaps von jeweils einer Sekunde. Leclerc lag zwei Sekunden hinter dem Red-Bull-Duo und hatte Norris hinter sich im Overtake. Im Verfolgerfeld kam Antonelli nicht so richtig durch. Er war nur 14. und lag schon über 20 Sekunden hinter Russell. Auf dem letzten Platz wurde Lance Stroll von Aston Martin angewiesen, sein Auto wegen eines Problems mit dem Wasserdruck abzustellen. Der Kanadier fand einen Notausgang, sodass sein Ausfall keine Auswirkungen auf das Renngeschehen hatte.

Die Offensive von Red Bull blieb hinter Piastri stecken. Verstappen am Funk: "Ich bin mir nicht sicher, ob diese Medium-Reifen wirklich gut sind." Für Antonelli funktionierte der Reifen mittlerweile immer besser. Er überholte in Runde zwölf Alex Albon für P12, nachdem er kurz zuvor schon Esteban Ocon hinter sich gelassen hatte. Beim Teamkollegen war an der Spitze weiterhin alles ruhig. Russell fuhr in Lap 13 eine neue schnellste Rennrunde und lag bereits sechseinhalb Sekunden vor Piastri.

In Runde 16 verlor Norris die sechste Position an Hamilton. Der Brite hatte zuvor in Kurve fünf einen Fehler gemacht und ging dabei weit. Hamilton war auf Start und Ziel daraufhin in Schlagdistanz und ging mit Overtake vorbei. Im Mittelfeld stieß Antonelli mit einem Manöver gegen Oliver Bearman in die Top-10 vor. Mittlerweile lag er aber schon 30 Sekunden hinter Russell. In Runde 20 verlor Hadjar allmählich die Geduld hinter Verstappen, der nicht an Piastri vorbeikam. "Sagt ihm, er soll weiter pushen!", lautete seine Aufforderung an Red Bull. Verstappen mühte sich immer noch mit dem Medium-Reifen ab.

Isack Hadjar stresst Red Bull wegen Max Verstappen

Der weitere Rennverlauf: Aus dem hinteren Mittelfeld bog Carlos Sainz in Runde 21 als erster Fahrer zum regulären Boxenstopp ab. Von Platz 20 stellte zeitgleich auch Fernando Alonso seinen Aston Martin ab, er schaffte es im Gegensatz zu Stroll aber noch zurück an die Box. Mit einer Führung von zehn Sekunden schien für Russell alles unter Kontrolle, in Runde 26 setzte er jedoch einen beunruhigenden Funkspruch ab, nachdem er am Ausgang von Kurve 15 die Mauer touchiert hatte: "Checkt die Reifen. Ich habe auf der rechten Seite die Mauer gestreift. Es fühlt sich nicht ganz richtig an, behaltet ein Auge auf den Drücken." Das Team sah jedoch keine Unregelmäßigkeiten.

Hinter Piastri schaukelte sich das teaminterne Red-Bull-Duell mittlerweile hoch. Hadjar wurde am Funk immer ungeduldiger. "Kann ich jetzt mal angreifen oder was?!", maulte der 21-Jährige. Verstappen fuhr davon unbehelligt weiter vor ihm her, einzig mit der Feststellung: "Mit diesen weichen Reifen kann man ja ein halbes Rennen fahren..." Renningenieur Gianpiero Lambiase verwies auf die wichtige Track-Position und bat um Geduld.

Alex Albon sorgt mit Crash für Safety Car

Für Lando Norris wurde der Sonntag in Runde 30 noch trostloser. In Turn 1 leistete er sich einen massiven Verbremser und ruinierte sich den linken Vorderreifen. Er musste in der Auslaufzone ein kostspieliges Wendemanöver vollziehen und fiel dadurch hinter Pierre Gasly und Kimi Antonelli auf Platz neun zurück. Wenige Sekunden später sorgte Alex Albon für den ersten Plot-Twist des Rennens. Der Thailänder versenkte seinen Williams in der Tecpro-Barriere von Kurve fünf. Er hatte sich verbremst und die Kurve schlichtweg nicht mehr bekommen.

Die Rennleitung reagierte mit dem Safety Car. Das Spitzenfeld hatte gerade die Boxengasse passiert. Dahinter nutzten Gasly, Antonelli, Norris, Colapinto, Bearman, Ocon, Lindblad, Bortoleto, Perez, Sainz und Bottas die Neutralisierung sofort für einen Pitstop. Die Spitze hatte gleich darauf in Runde 31 ebenfalls die Möglichkeit. Russell, Piastri, Verstappen, Hadjar, Leclerc, Hamilton zogen mit Reifenwechseln nach, im Mittelfeld bog auch Lawson ab. In der 32. Runde stoppte als letzter im Bunde auch Hülkenberg.

Friendly Fire bei Alpine und Racing Bulls: Colapinto und Lindblad sorgen für Chaos

In Runde 36 wurde das Rennen wieder freigegeben. Die Reihenfolge für den Restart lautete: Russell, Piastri, Verstappen, Hadjar, Leclerc, Hamilton, Gasly, Antonelli, Norris, Colapinto, Bearman, Lawson, Ocon, Lindblad, Hülkenberg, Bortoleto, Perez, Sainz, Bottas. In den Top-10 fuhren Russell, Verstappen, Gasly, Antonelli, Norris und Colapinto auf Soft. Piastri, Hadjar, Leclerc und Hamilton waren auf Medium. Im Mittelfeld hatten nur Bearman, Lawson und Ocon den Medium-Reifen aufgezogen, alle anderen fuhren auf Soft.

Russell wartete bis zum letzten Moment mit dem Restart und behauptete die Führung souverän. Dahinter fackelte Verstappen nicht lange und holte sich P2 von Piastri. Im Mittelfeld kam es dann zu Friendly Fire bei Alpine und Racing Bulls. Franco Colapinto war beim Anbremsen auf Turn 1 viel zu spät dran und crashte Teamkollegen Pierre Gasly weg, dessen Auto dann auch noch Lando Norris mit ins Verderben riss. "Ich kann das nicht glauben. So viele Punkte futsch", klagte Gasly am Funk. Colapinto kroch sofort zu Kreuze: "Sorry ans Team, sorry an alle, sorry an Pierre für all das hier."

Doch nicht nur bei Alpine gab es große Enttäuschung. Unmittelbar dahinter hatte auch Arvid Lindblad ausgerechnet seinen Teamkollegen erwischt. "Mann, ich stehe drauf von meinem Teamkollegen rausgenommen zu werden. Das ist echt ziemlich geil", so Lawson am Funk. Die Rennleitung musste für die Bergung von Gasly und Norris erneut das Safety Car auf den Plan rufen. Colapinto schaffte es noch zurück an die Box, musste dort aber abstellen. Der Argentinier und Lindblad landeten für das Auslösen der Kollisionen wenig überraschend zur Untersuchung bei den Stewards. Lindblad wurde jedoch freigesprochen. Colapinto kassierte eine 10-Sekunden-Strafe, die ihm für Sepang entsprechend eine Gridstrafe einbringt.

Oscar Piastri treibt den letzten Sargnagel in McLarens Rennsamstag

Die Schlussphase: Beim zweiten Restart in Runde 39 reagierte Russell etwas früher, womit er die Führung mühelos vor Verstappen behauptete. Dahinter folgten Piastri, Hadjar, Leclerc, Hamilton, Antonelli, Ocon, Bearman und Lindblad. Für McLaren ging der Samstag einen Umlauf später komplett den Bach herunter. Piastri verbremste sich in Kurve 1 komplett und musste den gleichen U-Turn wie Norris vollführen. Er fiel von der dritten auf die 15. Position zurück. In Runde 43 holte sich Antonelli die fünfte Position von Hamilton.

An der Spitze verbiss sich Verstappen derweil an Russell. Beide waren auf dem Soft-Reifen, Verstappen wurde dann aber von den Offiziellen wegen Missachtung der Rennleiter-Anweisungen notiert. Auf das Renngeschehen hatte das aber keinen Einfluss. George Russell hielt dem Druck von Max Verstappen stand, obwohl in der letzten Runde Valtteri Bottas in Kurve 15 noch für eine gelbe Flagge sorgte. Der Finne setzte seinen Cadillac in die Wand, doch auch das hatte keinen Einfluss auf den Rennausgang. Russell gewann nach 51 Runden knapp vor Verstappen, der beim Run zur Zielflagge im Overtake war und noch einmal alles abrief. Am Ende fehlten ihm zwei Zehntelsekunden auf seinen ersten Saisonsieg.