In der kommenden Formel-1-Saison wird Haas ohne Esteban Ocon an den Start gehen. Nachdem der Franzose sein nahendes Aus durch die Blume schon am letzten Wochenende in Baku angekündigt hatte, bestätigte Haas am Mittwoch offiziell die Trennung. Noch gibt er sich deshalb aber nicht geschlagen und geht weiterhin davon aus, dass er 2027 im Grid stehen könnte - obwohl die Optionen aktuell sehr dürftig sind.
Dürftig ist dabei eine kleine Untertreibung. Denn mit der Fahrerbestätigung bei Aston Martin am Dienstag sind in der Theorie keine Plätze mehr offen. Die Racing Bulls besetzen mit Sicherheit ihre Positionen Red-Bull-intern und alle anderen haben Verträge in der Tasche. Doch Ocon sieht seine Ausgangslage anders: "Ich arbeite immer noch daran, eine Lösung für nächstes Jahr zu finden."
Esteban Ocon setzt alles auf die Formel 1: "Schaue mich nirgendwo anders um"
Und diese Lösung lautet nicht IndyCar, WEC oder sonst eine Serie. Gerüchte um ein angebliches Langstrecken-Cockpit bei Toyota entbehren jeglicher Grundlage und auch Ocon selbst spricht unmissverständlich davon, dass für ihn nur die Königsklasse in Frage kommt: "Mein Fokus liegt auf der Formel 1. Das ist klar, dort gehöre ich hin und dort will ich sein. Ich werde mich nirgendwo anders umschauen."
Der F1-Routinier, der noch vor Saisonende die 200-GP-Marke überschreiten wird, hat allen Widrigkeiten zum Trotz nach wie vor ein Stammcockpit im Blick. "In der Formel 1 kann alles passieren und ich will nächstes Jahr auf dem Grid stehen", so Ocon. Laufende Gespräche gäben ihm ein positives Gefühl, behauptet der einmalige Grand-Prix-Sieger: "Es gibt noch Hoffnung und Hoffnung motiviert mich auf der Strecke. Das motiviert mich, solche Resultate wie in den letzten paar Rennen zu erreichen, und das hält mich am Laufen."
"Ich musste für einen Verbleib in der Formel 1 immer superhart kämpfen. Es war nie eine Selbstverständlichkeit", sagte der aus einfachen Verhältnissen stammende Ocon weiter. Eigentlich bleibt ihm nur eine Mini-Hoffnung in Form des Valtteri-Bottas-Cockpits. Der Finne verfügt über einen Vertrag für 2027, hält aber nicht mit den Leistungen von Sergio Perez mit, weshalb im Sommer Gerüchte um einen vorzeitigen Rauswurf aufkeimten - eventuell für Ocon?

Wie gering diese Chancen sind, zeigte eine Aussage von Cadillac-CEO Dan Towriss im August, als dieser sagte: "Wir haben zwei erfahrene Piloten, mit denen wir sehr zufrieden sind und die das Team vorantreiben. […] Derzeit sind keine Änderungen für die nächste Saison geplant." Das ist etwa eineinhalb Monate her und schon damals zeichnete sich ab, dass Ocon auf dem Fahrermarkt für nächstes Jahr verfügbar sein würde.
Erinnerungen an Racing-Point-Aus: "Ich will 2019 nicht nochmal erleben"
An ein Ersatzcockpit will Ocon aktuell auch noch nicht denken. Er weiß aus Erfahrung, wie belastend es sein kann, als etablierter F1-Pilot ein Jahr als Zaungast im Paddock zu verbringen. 2019 flog er für Lance Stroll bei Racing Point raus, nachdem dessen Vater das ehemalige Force-India-Team zur Saisonmitte 2018 gekauft hatte. Ein vermeintlicher Renault-Deal zerschlug sich, da die Franzosen stattdessen Daniel Ricciardo anheuerten.
Für 2027 ist Ocon einem etwaigen Reserveposten dennoch nicht komplett abgeneigt. Jedenfalls, wenn es mit einem Stammcockpit nichts wird. "Darüber können wir in sechs Monaten reden. Es ist noch nicht 2019 und ich will 2019 nicht nochmal erleben. Wenn ich muss, dann werde ich es tun", so Ocon, der sich stattdessen an die wohl letzten Strohhalme klammert: "Man weiß nie, was in der Formel 1 passiert. Schreibt mich noch nicht ab."
An sich selbst zweifelt der WM-Sechzehnte nicht, der davon überzeugt ist, dass sein Aus nichts mit seinen Leistungen zu tun hat. "Ich kenne die Gründe und es liegt nicht an der Performance", teilte er mit. 2026 hatte er sich mit inkonstanten Bauteilen an seinem Boliden abgeplagt, welche auch das Team selbst bestätigte.
Erst seit Ungarn habe man dieses Problem langsam in den Griff bekommen. In dieser Zeit liegt er im Qualifying-Duell gegen Oliver Bearman mit 3:2 vorne und führte mit dem achten Platz in Baku auch das erste Punkte-Ergebnis des US-Rennstalls an. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Ocon schon seit dem Vorjahr mit dem Youngster nicht Schritt halten konnte und ihm das bereits zu Saisonbeginn von Teamchef Ayao Komatsu angekreidet wurde.
Dennoch ist sich der einstige Mercedes-Junior in Bezug auf ein potenzielles F1-Aus sicher: "Ich verdiene das nicht." Unter seinen Fahrerkollegen bedauert vor allem Aston-Martin-Pilot Lance Stroll, dass Ocon sein Cockpit eingebüßt hat. Der Milliardärs-Sohn, der gut mit Ocon befreundet ist, meinte: "Formel 1 ist nicht immer fair und manchmal sind solche Situationen einfach scheiße und ich denke, in so einer Situation befindet er sich im Moment. […] Er ist ein großartiger Fahrer und er hat das nicht nur in der Formel 1 bewiesen, sondern auch in seiner gesamten Nachwuchskarriere. Ich wünsche ihm deshalb nur das Beste."



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