Hat sich die Formel 1 in Malaysia blamiert? "Na ja, peinlich war es auf jeden Fall", sagt F1-Experte Christian Danner im Rückblick auf die erste Formationsrunde der neuen 2026er-Motoren im Regen, die mit einem Software-Fehler, reihenweise Autos ohne Vortrieb und einer Software-Reparaturzwangspause endete. Hier gilt es jedoch ein paar Dinge zu trennen.

Dass zuerst einmal aber mehrere Autos auf der Formationsrunde ausrollen, beweist für Danner in der neuesten Ausgabe des 'AvD Motorsport Magazins' nur, was er in diesem Jahr bereits mehrmals anmerkte: "Dabei bleibe ich auch. Das Motorreglement, also diese Power Units, das ist Schwachsinn."

Peinliche F1-Farce in Sepang? Danner klar: Das darf nicht passieren! (31:10 Min.)

Die komplexe Software, die es braucht, um diese Power Units auch zu betreiben, macht schließlich seit Saisonbeginn auch Probleme: "Da ist der Kontrollverlust des Fahrers einfach zu viel. Zwischen dem Gaspedal, das der Fahrer bedient, und dem Motor steckt ein Gremlin. Und dieser Gremlin entscheidet manchmal Sachen, die der Fahrer gar nicht haben will."

Malaysia jüngster Fall bei nicht enden wollenden F1-Problemen

Unzählige Beispiele gab es vor Malaysia. Unvergessen das Spa-Wochenende, wo die dort so stark limitierten Möglichkeiten zum Aufladen der Batterie aufzeigten, dass die Power-Unit-Algorithmen aus Gründen, die zu dem Zeitpunkt nicht einmal die Werksteams erfassen konnten, sich von Fahrer zu Fahrer unterschiedliche Deployment-Strategien anlernen konnten. Unschuldig bekamen manche Fahrer scheinbar beliebig plötzlich schlechtere Energie-Profile und verloren zwei Zehntel auf den Teamkollegen.

Dann gab es kuriose andere Fälle, wie der von Valtteri Bottas in Baku, der meinte, er habe seine Power Unit mit einem Verbremser so verwirrt, dass sie eine halbe Runde später sogar seinen Unfall mit einem überraschenden Ladeverhalten ausgelöst habe. So ist die Start-Farce von Malaysia als konkretes Problem zwar neu, aber im größeren Ganzen fügt sie sich nahtlos in ein negatives Gesamtbild ein.

Wie schwerwiegend ist die Lage nun? "Man betrat anfangs des Jahres unbekanntes Land, da war noch niemand, deswegen ist es ganz grundsätzlich ziemlich gut, wie weit die dieses Monster bereits gezähmt haben", muss Danner festhalten. Malaysia war aber bei den ganzen Problemen wohl ein Tiefpunkt. "Dass das jetzt halt auch in die Hosen ging, ist sehr, sehr unangenehm. Es ist peinlich."

FIA-Ingenieure in Malaysia mit beeindruckender Rettungsaktion

Danner sieht hier aber auch Bedarf, die Verantwortungen klarzustellen: "Solche Fehler sind ja im Zusammenhang entstanden zwischen der FIA und den Motorherstellern. Es ist nicht so, dass da nur die böse FIA den Kochlöffel schwingt und sagt: Ihr Bösen, ihr dürft das nicht. Sondern da sitzen alle in einem Boot."

So ist bekanntlich das Steuergerät in der Formel 1 ein Einheitsteil, aber die Software wurde bei engem Austausch zwischen FIA und den Teams entwickelt. Für eine Situation wie in Malaysia die Verantwortung auf nur eine Seite abzuladen, das wäre nicht gerechtfertigt. Passend dazu nutzt Danner an dieser Stelle auch die Gelegenheit, den FIA-Ingenieuren für ihr Handeln in Malaysia Lob auszusprechen.

"Das ist ein wahnsinnig komplexer Vorgang gewesen", erinnert Danner an die Mammutaufgabe, die am Sonntag plötzlich aus dem Nichts über die F1-Ingenieurstruppe der FIA unter ihrem Chef Nikolas Tombazis hereingebrochen war. "Dass die ganze Truppe um den Herrn Tombazis, die das macht, in der Lage war, bei einem solchen Stress eine neue Programmierung festzulegen beziehungsweise bestimmte Sachen aus dem Programm zu streichen und so weiter, da muss ich sagen Chapeau, Hut ab!"

Innerhalb einer Dreiviertelstunde schafften es Tombazis' Ingenieure, eine Behelfslösung auf die Beine zu stellen, an die Teams zu verteilen, und einen Start ohne Probleme zu ermöglichen: "Da zeigt sich wieder, dass auch die bei der FIA Racing People sind. Unter Druck und unter Stress gibt es nur eines: Ruhig bleiben, Kopf runter, Job erledigen. Das übersieht man, wenn man sich da hinstellt und sagt, das ist alles Quatsch."

F1 läuft die Zeit davon: Motor-Bugs müssen "in den Gully"

"Fehler passieren aufgrund eines grundsätzlich nicht guten Reglements, aber dass man das dann dort vor Ort so geregelt hat und so gelöst hat, da muss ich sagen, Hut ab", so Danner. Dass es aber so kommen konnte, muss ein Weckruf für alle Beteiligten sein: "Ich kann mir gut vorstellen, dass es da noch ein paar versteckte Bugs, ein paar Kleinigkeiten gibt."

Das hatte sogar Tombazis selbst am Sonntagabend auch eingestanden. Die permanenten Probleme mit den Motoren veranlassen Danner nach diesem jüngsten Fall zu einer Mahnung: "Dieser blöde Gremlin, den müssen wir endlich umbringen, der muss in den Gully, der muss weg. Das ist meine Meinung, und entschuldige, dass ich da so ein bisschen farbig werde."