Bei Red Bull sind sie inzwischen raus, in der Formel 1 nicht mehr aktiv tätig - doch der lange im Hintergrund schwelende Konflikt zwischen Ex-Teamchef Christian Horner und Ex-Berater Dr. Helmut Marko kocht durch die Veröffentlichung von Horners neuem Buch gerade wieder hoch. Im Buch und auf seiner PR-Tournee betreibt Horner eine - für Marko empörende - bitterböse Abrechnung mit seinem Ex-Kollegen.

Marko und Horner waren ewig die Giganten an der Spitze von Red Bull Racing gewesen. Horner als Teamchef, Marko als Chefberater und Bindeglied zwischen dem Team und dem Konzernchef Dietrich Mateschitz. Horner bestreitet auch in seinem Buch nicht, dass er es zu einem großen Teil Markos Fürsprache gegenüber Mateschitz verdankte, dass er im jungen Alter von 31 Jahren als Red-Bull-Teamchef verpflichtet wurde.

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Dass die Beziehung der beiden nach dem Tod von Mateschitz Ende 2022 zu zerfallen begann, ist allerdings auch kein Geheimnis. Horner scheut vor diesem Konflikt nicht zurück. "Vielleicht das alte Sprichwort von wegen 'der Schüler wächst dem Lehrer über den Kopf'", meint er im Podcast 'Up to Speed', einem seiner zahlreichen Auftritte Mitte Oktober im Rahmen seiner PR-Tournee zum Bewerben seines Buches.

Bruch von Horner & Marko nach Tod von Dietrich Mateschitz

"Ich hatte immer Respekt vor dem, was er getan hat, aber manchmal hat er es unglaublich schwer gemacht", so Horner. "Nachdem Dietrich verstorben ist, gab es die Rolle, die er ausgefüllt hatte, nicht mehr. Dann hast du Leute, die sich einfach festklammern. Das Geschäft aber schreitet voran."

Allzu ins Detail gehen kann Horner nicht, Teile seiner jüngeren Red-Bull-Vergangenheit liegen noch unter Vertraulichkeitsvereinbarungen. Aber ausreichend Spielraum zum Austeilen gegen Marko findet er. Marko habe sich bemüht, dass Entscheidungen weiter auf der österreichischen Seite des Konzerns getroffen werden sollten. Horner betrieb seinerseits eine Konsolidierung der Macht unter dem Dach von Red Bull Racing, dem er als CEO vorstand - unabhängig vom Konzern.

In diese Struktur wurde in den letzten Jahren auch das zweite Konzernteam der Racing Bulls teilweise eingegliedert. Die Marketing-Verantwortlichkeit für die komplette F1-Infrastruktur des Konzerns lief nun bei Horner zusammen. Er selbst stellt das als nur logische Konsolidierung der verfügbaren Ressourcen dar: "Und das hat eine zu große Machtverschiebung in Richtung England bedeutet."

Horner über Marko: Betrieb meinen Red-Bull-Rausschmiss, während ich trauere

Horner beschwert sich an dieser Stelle wiederholt über Markos Umgang mit den Medien, seinen dass er bereitwillig zu viele Informationen in Interviews herausgab, ein "zunehmend unzuverlässiger Verbündeter" wurde: "Nach Dietrichs Tod hattest du dann plötzlich einen Typen ohne Portfolio, und im Bemühen, relevant zu bleiben, wurde Wissen zur Währung." Für Horner ist klar, wie die Sache ausging: Marko setzte sich intern bei den Anteilseignern durch.

Als enttäuschend beschreibt Horner, wie er dann 2025 nach dem Silverstone-Wochenende gefeuert wurde. Nur wenige Tage davor hätte er bei sich zu Hause die am Rande des Großbritannien-GPs übliche Party für Fahrer und Teamführung abgehalten. Auch Marko war da, sah aber keine Notwendigkeit, ihn vorzuwarnen. "Wäre es andersrum, hätte ich gesagt, schau, die Dinge werden schwierig, da kommt Gegenwind", so Horner im 'High Performance Podcast'.

Für Horner wäre das erst recht fair gewesen, da seine ehemalige Partnerin kurz davor an Krebs verstorben war, wie er gegenüber der Bild-Zeitung darlegt: "Es hat mich getroffen, dass er so an meinem Rausschmiss gearbeitet hat, während meine Ex-Partnerin und Mutter meiner Tochter kurz zuvor verstorben war. Er hat nicht einmal sein Beileid ausgesprochen." Nach dem Rennwochenende wurde er für die Kündigung zu einem Meeting mit Marko, dem im Konzern zuständigen CEO Oliver Mintzlaff und dem Personalchef nach London zitiert: "Helmut sagte, es fühle sich mehr wie Christian Horner Racing als Red Bull Racing an."

Marko mit klarer Antwort auf Horner-Anschuldigungen

Seitdem hatte er gelegentlich Kontakt mit Mintzlaff und mit den Anteilseignern Mark Mateschitz und Chalerm Yoovidhya. Etwa in dieser Saison nach Malaysia, wo Red Bull erstmals mit dem selbstgebauten Motor gewann. Ein Projekt, das noch unter der Führung von Horner und Marko auf Kurs gebracht worden war. Nur mit Marko will Horner nicht mehr gesprochen haben, seit er sein Büro in Milton Keynes räumte: "Helmut und ich haben kein Verhältnis mehr."

Die ganze Geschichte für Horners Zielobjekt wüst überzogen. "Das Buch ist eine Summe von Unwahrheiten, auf die ich nicht näher eingehen will", fasst sich Marko gegenüber der Bild-Zeitung maximal kurz. Abgesehen von der Kündigungs-Episode tritt Horner schließlich auch bereitwillig andere Themen breit, etwa die problematischen Fahrer-Entscheidungen für das zweite Cockpit neben Max Verstappen und im Junior-Team, die er komplett auf Marko ablädt.

"Ich hatte nie Verantwortung im Nachwuchsprogramm", so Horner. "Ich erinnere mich, als George Russell [vor seiner F1-Karriere] bezahlt hat, um in unserem Simulator zu testen, wie auch Lando Norris, Oscar Piastri, ihre Väter haben Schecks ausgestellt, um unseren Simulator zu nutzen, und unser Mann, der sie begleitet hat, kam danach zu mir und meinte: Christian, diese Kids sind besser als die Junioren, die wir gerade haben. Ich sprach dann mit Helmut darüber. Schau dir doch mal diese Jungs an ... 'Wankers'. [Markos Einschätzung der Fahrer, übersetzt 'Idioten'.]"

Russell landete stattdessen in der Mercedes-Förderung, Norris bei McLaren, Piastri bei Alpine, heute sind alle eingesessene F1-Fahrer in Top-Cockpits. Wobei zumindest im Fall Norris dokumentiert ist, dass Marko 2016 Interesse hatte, ihn in den Red-Bull-Kader zu holen. Dass der Deal nie zustande kam, lag teils auch an Norris' Management, das sich letztendlich für McLaren entschied.