Das Verkürzen der Formel-1-Rennen bleibt wie von vornherein geplant eine temporäre Maßnahme. Die nunmehr offiziell fixierte erste Version des neuen 2027er-Reglements bestätigt das nun eindeutig. Technische Umstände sollten das Comeback der 305-Kilometer-Distanz ab 2028 ermöglichen.

Im September hatten sich die Verantwortlichen von FIA, Formel 1 und Teams auf die Verkürzung der Distanz von 290 Kilometer für 2027 geeinigt. Zusätzlich steht nun fest, dass die FIA vor einem Rennwochenende bei besonders großen Verbrauchssorgen die Sichtungsrunden auf dem Weg in die Startaufstellung limitieren kann. Aktuell dürfen alle hier in einem 10-Minuten-Fenster beliebig oft auf die Strecke und zurück in die Box fahren, ehe sie in die Startaufstellung abbiegen.

2028 wird das alles wieder eliminiert und durch die alten Regelparagrafen ersetzt. Es war von vornherein als Behelfsmaßnahme in einem technisch-sportlichen regulativen Fleckenteppich gedacht, mit dem alle Beteiligten versuchen, die Probleme mit den aktuellen F1-Motoren und ihrer Elektro-Energie-Armut zu lösen.

Die Rennen um 15 Kilometer zu verkürzen ermöglicht es, für 2027 den Benzin-Durchfluss um fünf Prozent zu erhöhen. Das holt mehr Leistung aus dem Verbrennungsmotor und reduziert daher die Probleme mit der Energie-Armut. Mehr Benzin-Durchfluss bedeutet logischerweise nur höheren Verbrauch. Die Tanks der aktuellen Autos sind darauf nicht ausgelegt.

Einige Teams sperrten sich, kurzfristig für 2027 ein neues Chassis zu entwickeln. Die verkürzten Rennen waren ein Kompromiss, um dieses Problem zu überbrücken. Mittelfristig bleibt man aktuell dabei, dass 2028 wieder 305 Kilometer lange Rennen gefahren werden. Denn technisch werden sich die Autos für 2028 umfangreicher ändern, und das sollte die Notwendigkeit dieser regulativen Krücke wieder eliminieren, sofern nicht neue, unvorhergesehene Probleme auftreten.

Komplexe technische und finanzielle Hintergründe um die Renndistanz

Zum einen ist da das Chassis-Problem. Dass Teams aktuelle Chassis für mehr als ein Jahr nutzen wollen, geht auf die Budget-Obergrenze zurück. Ein neues Monocoque entwickeln und durch die Crashtests bringen ist ein gigantischer Finanzposten, der - sofern man das Auto-Konzept nicht komplett ändern will - oft nur wenig Performance-Gewinne im Vergleich mit Aero-Entwicklungen bringt. Also macht es Sinn, Chassis-Neuentwicklungen auf die lange Bank zu schieben und das gesparte Geld andernorts effizienter zu investieren.

Einige Teams hatten bereits ohne Chassis-Neuentwicklungen für 2027 budgetiert, als die Benzin-Diskussion und damit der Bedarf für größere Tanks aufkam. Daher die Behelfslösung mit der Kürzung. Für 2028 aber gibt es inzwischen auch schon ein Entgegenkommen des Reglements. Eine 3 Millionen US-Dollar hohe Lockerung der Kosten-Obergrenze wurde in den letzten Monaten beschlossen.

Diese 3 Millionen sind im Reglement als "2027 und 2028 Power Unit Updates und Integration in Chassis" eingefügt worden. Die Teams dürfen sich selbst aussuchen, wie viel dieser 3 Millionen sie bereits 2026 einsetzen und wie viel 2027. Damit sollte jeder ausreichend Puffer im Budget haben, um sich an irgendeinem Punkt einer Chassis-Neuentwicklung zu widmen. Spätestens 2028 sollten so alle Chassis mit ausreichend großen Tanks haben, um 305-Kilometer-Rennen wieder zu ermöglichen.

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Auf der anderen Seite steht ebenfalls seit Wochen fest, dass die Homologations-Limits bei den Power Units aufgeweicht werden. Das geht auch darauf zurück, dass der Benzin-Durchfluss 2028 erneut erhöht wird. Insgesamt steigt er um 13 Prozent, die Verbrenner-Leistung wächst von 400 auf 450 kW. Während die fünfprozentige Steigerung 2027 noch ohne große Motor-Umbauten zu bewältigen sein könnte, werden alle bis 2028 irgendwann groß an ihren Verbrennern Hand anlegen.

Änderungen am Motor-Reglement der Formel 1 bis 2028

202620272028
Verbrennungsmotor
Max. Leistung400 kW420 kW450 kW
Benzin-Durchfluss erhöht um 5 %13 %
MGU-K
Max. Leistung350 kW300 kW300 kW
Max. Leistung bei Overtake350 kW350 kW350 kW
Max. Aufladen350 kW375 kW400 kW
Split Verbrenner/Elektro53/4758/4260/40

Solche Updates sind innerhalb der nächsten vier Jahre nicht nur, wie manchmal fälschlich angenommen, über den berüchtigten ADUO-Mechanismus erlaubt. Das Technische Reglement bricht die Power Unit auf eine Liste von 84 unterschiedlichen Einzelposten herunter, und definiert dann für jeden dieser Posten, ob er grundsätzlich von jedem mit Beginn einer jeden Saison neu entwickelt und homologiert werden darf oder nicht.

Ursprünglich waren 21 Posten, größtenteils im Zusammenhang mit dem Verbrennungsmotor stehend, auf dieser Liste für 2028 gesperrt gewesen. Mit der Anhebung des Benzin-Durchflusses wurden viele dieser Sperren aufgehoben. So dürfen für 2028 Verbrenner, Turbo und Treibstoff umfangreich neu entwickelt werden. Nur acht Einzelposten sind noch auf der 2028er-Sperrliste verblieben.