Für das Formel-1-Rennen in Singapur hatten viele Aston Martin auf der Rechnung im Kampf um Punkte. Auch das Team sich selbst. Teamvertreter Mike Krack gab sich zuversichtlich, Fernando Alonso sprach sogar von der letzten großen Chance in dieser Saison. Die Logik dahinter ist ziemlich einfach: Der Straßenkurs in Singapur ist keine Powerstrecke, der große Nachteil durch den brustschwachen Honda-Motor wiegt also nicht so schwer.
Doch die Realität sah beim letzten Grand-Prix-Wochenende anders aus. Von Punkten waren beide Aston-Fahrer weit entfernt und auch im Sprint-Qualifying und im Qualifying war man abgesehen von den beiden Cadillacs auf Fehler der Konkurrenz (und der Rennleitung) angewiesen. Ein maßgeblicher Grund dafür ist wiederum die Power Unit, die sich für die Fahrer unnatürlich anfühlte. Hondas Trackside-Manager Shintaro Orihara erklärte vor dem Beginn des Amerika-Tripleheaders in Austin, was es damit auf sich hat.
Honda-Turboloch sorgt für inkonstante Fahrt
"Wir hatten Probleme, das Turboloch zu managen, aufgrund des einzigartigen Streckenlayouts und aufgrund der Energie-Situation", verriet Orihara. Honda hatte beim Abschluss der Europasaison in Madrid mit dem zweiten ADUO-Update am Auto von Lance Stroll einen neuen Turbolader eingeführt, den ab Baku auch Fernando Alonso im Einsatz hatte. Neben der Fahrbarkeit des Aggregats war es dabei eines der erklärten Ziele gewesen, das Turboloch zu vermindern.
Gelungen ist dies offenbar nicht zur Gänze. Der neue Turbolader verhielt sich vor allen Dingen nicht konstant. "Die Fahrer hatten ein instabiles Beschleunigungsgefühl. In einigen Runden bekamen sie eine gute Beschleunigung, in anderen eine schlechte Beschleunigung von der Power Unit. Das macht es unkomfortabel für den Fahrer", so der Honda-Vertreter.
Bei einer genaueren Untersuchung in Hondas Motorenwerk in Sakura wurden keine großen technischen Probleme mit dem Antrieb festgestellt. Das Problem ist vielmehr das Powermanagement an sich. Mit den schnellen Übergängen von der Ladephase der MGU-K im Teillastbereich in die Beschleunigungsphase kommt die Honda-Power-Unit nicht gut zurecht. Bei einer Stop-and-Go-Streckencharakteristik wie in Singapur tritt dieses Problem besonders zutage. "Wenn wir plötzlich in der Kurve die Ladekraft verlieren, dann wirkt sich das direkt auf das Fahrgefühl aus", betonte Orihara.
Honda-Motor inkonstant: Das Problem ist nicht neu
Warum das Problem mit dem neuen Turbolader, der laut Honda nur eine kleine Optimierung der alten Komponente ist, auftritt, ist unklar. Laut Informationen von Motorsport-Magazin.com ist der ADUO2-Turbo etwa nicht größer als sein Vorgänger. Die Fahrbarkeit der Power Unit ist beim Honda-Werksteam von Aston Martin schon seit längerem ein Thema, wobei die Fahrer vor allem einen inkonstanten Einsatz der Motorbremse anprangerten.
Schon in Monaco klagten Stroll und Alonso darüber, dass die Motorbremse nur inkonstant ihren Dienst verrichtete - genauso wie Singapur ist auch das eine energiereiche Strecke mit vielen langsamen Ecken. Das groß angelegte Motor-Update in Zandvoort konnte dieses Problem nicht lösen. Dieses konzentrierte sich in erster Linie auf Änderungen am Verbrennungsmotor.
"Die Fahrbarkeit ist etwas, von dem man sich in den Simulationen kein klares Bild machen kann", verteidigte Krack die Probleme des exklusiven Motorlieferanten seines Teams. Für den USA-GP in Austin kündigte Honda bereits Gegenmaßnahmen an. Der Circuit of the Americas ist mit seinen zahlreichen schnellen Kurven und mehreren Geraden ohnehin eine Strecke, die kaum etwas mit Singapur gemein hat und wesentlich mehr Energiespar-Management erfordert.
In der Motorsportabteilung von Honda wurde Anfang Oktober ein zentraler Umbau verkündet. CEO Koji Watanabe geht mit Jahresende ab. Wer seine Nachfolge antritt, könnt ihr hier nachlesen:



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