Eigentlich ist es immer Max Verstappen, der in den Freitagstrainings kein gutes Haar am RB22 lässt. Doch am ersten Formel-1-Tag in Austin war es tatsächlich Isack Hadjar, der sich am Funk über seinen Dienstwagen ausließ, während Verstappen weitgehend ruhig blieb. Das hat auch einen guten Grund.

Über 200 Runden gestrichen! Austin-Sieger erst Stunden nach dem Rennen? (10:03 Min.)

Es lag nicht daran, dass Verstappen erneut ein Funkproblem hatte, wie zuletzt in Singapur. Die Erklärung ist einfach: Verstappen war zufrieden: "Es war überhaupt kein schlechter Tag, sondern ein positiver Start ins Wochenende." Der vierfache Austin-Sieger weiß, dass es auf dem Circuit of the Americas auf das perfekte Setup ankommt. Die richtige Balance zwischen den fließenden Highspeed-Passagen und langsamen Kurven im letzten Sektor zu finden, ist eine delikate Angelegenheit.

"Die Bodenwellen machen das Ganze noch schwieriger", erklärt Verstappen, der sich bereits im Vorfeld des USA-GP über die wellige Strecke beschwerte. "Deshalb versuchst du schnell, den Rhythmus zu finden. Daran haben wir in FP1 und FP2 gearbeitet", so der Niederländer, der in beiden Sessions vorne dabei war. Im ersten Training hätte er die Bestzeit aufgestellt, hätte er in Kurve 19 nicht die Streckenbegrenzung überschritten. Zum Thema Bodenwellen meldeten sich nach dem Training noch mehrere F1-Fahrer zu Wort. Das ließt du in diesem Artikel:

Hadjar wütet am Funk: RB22 ist "zum Kotzen"

Im FP2 fehlten ihm auf Platz drei nur 0,189 Sekunden auf Charles Leclercs Bestzeit. "Es gibt immer noch ein bisschen Arbeit, ein bisschen Fine-Tuning", so Verstappen, für den der Freitag in Austin wie am Schnürchen verlief. Die einzige metaphorische Bodenwelle war ein Problem mit der Servolenkung in der ersten Session, das sich aber durch einen schnellen Tausch erledigt hatte.

Auf der anderen Garagenseite braucht es deutlich mehr als Fine-Tuning. Isack Hadjar fehlte im FP2 fast eine ganze Sekunde auf Verstappens schnellste Zeit. "Es war ein Desaster. Ich hatte so ein schlechtes Gefühl, dass ich tatsächlich etwas überrascht bin", fasste der junge Franzose am Freitagabend gegenüber Motorsport-Magazin.com zusammen. Während der Session ließ er seiner Frustration am Funk freien Lauf: "Es ist zum Kotzen. Alles ist entsetzlich."

Dabei sprach er vor allem von seinem Stint auf den Soft-Reifen. "Ich habe die meiste Zeit in Sektor eins gutgemacht", beschreibt Hadjar den Unterschied zu seinen Runden auf dem mittleren Reifen. "Aber von Sektor eins bis zum Schluss war ich eine Sekunde langsamer als auf dem Medium. Es war unfahrbar." Besonders der Abbau bei den Vorderreifen war enorm. "Ich weiß nicht, warum ich nach einer Runde schon so viel Verschleiß hatte", ist er ratlos.

Warum war Hadjar meilenweit hinter Verstappen? Technikdirektor erklärt

"Das müssen wir uns ansehen. Das ist nicht normal", ist Hadjar sicher. Besonders der erste Sektor mit seinen Highspeed-Kurven hat die Reifen zerstört, bevor sie überhaupt die Hälfte der 5,513 Kilometer langen Strecke in Austin zurückgelegt hatten. Dass sein Problem gelöst werden kann, bezweifelt Hadjar nicht, denn: "Die andere Seite bekommt es hin."

Damit ist klar sein Teamkollege gemeint. Der beklagte sich nämlich nicht über Ähnliches. "Wir fahren gleich schnell, aber bei mir explodieren die Reifentemperaturen", vergleicht Hadjar. "Da müssen wir etwas ändern." Was das ist, weiß er genau. Der Unterschied kommt nämlich nicht von irgendwo.

"Es ist die allgemeine Setup-Richtung", erklärt Red Bulls Technikdirektor Pierre Wache. Zwischen den beiden Trainings entwickelten sich die Abstimmungen von Hadjar und Verstappen weiter, aber nicht in dieselbe Richtung. Der Weg des vierfachen Weltmeisters stellte sich als richtig heraus. "Sie sind nicht weit auseinander", so Wache. "Aber wenn du auf dieser Art von Layout deine Reifen schon nach dem ersten Sektor überhitzt, bist du mehr oder weniger erledigt für die restliche Runde."

Hadjars Problem kann also mit Setup-Anpassungen aus der Welt geschafft werden – die allgemeinen Einschränkungen des RB22 in Kombination mit dem COTA aber nicht. "Wie wir erwartet haben, hüpft das Auto viel", meint Wache. Unebenheiten waren noch nie die Stärke des Red-Bull-Boliden. Verstappen verglich den RB22 schon oft mit einem wildgewordenen Känguru. Auf der welligen Strecke fällt dieses Problem besonders ins Gewicht.

Doch nicht nur das stellt Red Bull vor eine Herausforderung: Auch im letzten Sektor zählt Red Bull nicht zu den Stärksten. "Wir müssen uns auf unsere Performance in den langsamen Kurven konzentrieren. Das sind Schlüsselstellen für uns", weiß der Technikdirektor. Wie viel das Team in diesem Bereich über Nacht nachbessern kann, ohne Abstriche im sehr starken ersten Sektor in Kauf nehmen zu müssen, bleibt abzuwarten.

Die Leistung war da für Audi in den Trainings zum USA-GP der Formel 1. Aber die erste Motorstrafe trübt den Austin-Ausblick. Nico Hülkenberg als Einzelkämpfer?