Nach einer kleinen Dürreperiode - keine Pole seit Spa, kein Sieg seit Madrid - startet Kimi Antonelli heute bei der Formel 1 in Austin endlich wieder ganz vorn in der Startaufstellung. Am Wochenende seines ersten WM-Matchballs hat er im Qualifying ein Schreckgespenst bezwungen, aber das wird heute wiederkehren. Erst recht mit einer ungewöhnlich großen Zahl an Sieganwärtern im Rennen.

Zuerst einmal das mathematische Pflichtprogramm: Antonelli kann heute Weltmeister werden, aber nicht im Alleingang. Gewinnt er, so darf Lewis Hamilton (Startplatz fünf) maximal Fünfter werden, und George Russell (Startplatz sechs) maximal Neunter. Dann wären die beiden mathematisch eliminiert, Antonelli wäre jüngster Titelträger der F1-Geschichte. Die Details gibt es hier:

Kimi Antonelli und die alte Track-Limits-Marotte: Heute kritisch

Um überhaupt über eine WM-Party nachdenken zu können, muss Antonelli also erst einmal gewinnen. Die erste und größte Hürde dabei - er selbst? Die meisten Formel-1-Fans werden sehr gut wissen, dass Antonelli seit jeher die schlechte Angewohnheit hat, sich beim Thema Track Limits keinen Puffer zu lassen. In praktisch jedem zweiten Rennen folgt irgendwann ein nervöser Funkspruch aus der Mercedes-Box. Vier Übertretungen in einem Rennen bedeuten schließlich automatisch eine Fünf-Sekunden-Strafe.

Auf keiner Strecke ist das Thema Track Limits nun so kritisch wie in Austin. 207 Vergehen wurden in den zwei Trainings am Freitag verteilt auf die 22 Fahrer gemessen. Die Asphaltflächen überall direkt hinter den Kerbs haben eine Abschreckungswirkung von gleich null, daher spielen alle Fahrer bereitwillig mit dem Feuer. Nach der freitäglichen Farce fügte sich die Rennleitung und pinselte breitere Linien an den neuralgischen Stellen ausgangs der Kurven 12, 15 und 20. Trotzdem gab es in FP3 immer noch 39 Verstöße.

Bis zum Qualifying bekamen sich die meisten tatsächlich aber in den Griff. Nur mehr 7 Verstöße. Und keiner davon war Antonelli: "Es war eine meiner größten Errungenschaften heute, dass ich keine Track Limits überfahren habe! Das hat uns das Leben einfacher gemacht, ich habe mich nicht in eine schwierige Lage gebracht."

Enges Formel-1-Spitzenfeld heute im Rennen von Austin

Ein enges Feld erhöht heute die Track-Limit-Gefahr. Kein Rennen sah 2026 bisweilen im Vorlauf so eng aus wie der USA-GP. Basierend auf Longruns vom Freitag und auf dem Qualifying-Ergebnis sind sich Mercedes, Red Bull und Ferrari mehr oder weniger ebenbürtig. Antonelli mag auf Pole stehen, aber Max Verstappen und ein seine Setup-Probleme zumindest für das Qualifying lösender Isack Hadjar lauern direkt dahinter. Und Charles Leclerc und Lewis Hamilton enttäuschten im Qualifying, vertrauen aber auf bessere Rennpace.

Eine Hetzjagd von ebenbürtigen Autos im Spitzenfeld treibt die Track-Limit-Gefahr. Wer unter Druck ist, der geht näher ans Limit, und dann passiert es schnell. Die fünf Strafsekunden ab dem vierten Verstoß sind nicht so schlimm, wenn die Lücken groß sind. Aber wenn man sich so eine Strafe in einem engen Fight einfängt, kann das einen Platz kosten. Hat man sich gar nicht im Griff, so sollte man außerdem bedenken, dass ab dem vierten Mal jedes weitere Vergehen mit weiteren fünf Sekunden bestraft wird. Der Counter wird nicht zurückgesetzt.

Rätsel um Ferrari & Red Bull: Doppelte Enttäuschung im Qualifying! (10:10 Min.)

Hat Red Bull heute im Rennen einen Strategie-Vorteil?

Andererseits sprechen wir hier von den besten Formel-1-Fahrern. Sie werden sich wohl im Griff haben, oder? Antonelli hat es im Qualifying ja auch geschafft, ein positives Signal. Der zweite, und voraussichtlich noch kritischere Faktor, wird dann die Strategie. Die ist vorab recht unklar. Reifenausrüster Pirelli hat eine Soft-Medium-Einstopp als Optimum simuliert.

Bei der Reifenwahl scheren die Top-Teams untereinander aus. Beide Red Bulls und Charles Leclerc fanden Gefallen an den weicheren Reifen und sind die einzigen, die für das Rennen noch neue Soft in der Garage haben. Verstappen und Hadjar haben sogar je zwei Sätze davon.

Mercedes, McLaren und Lewis Hamilton haben ihre Reifenwahl anders ausgerichtet. Neu sind bei ihnen nur mehr Hard und Medium, alle ihre Soft sind gebraucht. Nun hat es in Austin tatsächlich aber Tradition, den Wert der härteren Reifen zu überschätzen. Ausgerechnet Mercedes und McLaren machten diesen Fehler in der jüngeren Vergangenheit. Die Strecke belastet die Hinterreifen zwar recht stark, was aber nicht unbedingt den harten Reifen bevorteilen muss.

HardHardMediumMediumSoftSoft
neualtneualtneualt
ANTONELLI101104
VERSTAPPEN101023
HADJAR101023
LECLERC101014
HAMILTON102004
RUSSELL101104
PIASTRI101104
NORRIS102004

Das geht einher mit einem generellen Trend 2026, Abstand vom harten Reifen zu nehmen. Red Bulls großer Soft-Fokus mit zwei neuen Sätzen pro Fahrer rückt auf der anderen Seite aber auch eine Zweistopp-Option ins Bild. Ein Strategie-Split, um einen nach dem Start potenziell führenden Antonelli von zwei taktischen Seiten anzugreifen, wäre möglich - auf dem Papier ist die Zweistopp nur minimal langsamer, und auch ein Undercut mit weichen Reifen hat Potenzial.

Nur die Frage nach dem Überholen stellt sich bei zwei Stopps. Das ist hier nicht so einfach wie es mit den zwei langen Geraden scheint, weil die Reifen ständig am Überhitzen sind. Als Hintermann rutscht man in verwirbelter Luft daher besonders stark herum. Wer mit Reifenvorteil also aufholt, der hat oft nur eine Chance zur Attacke. Sitzt die nicht, fährt man sich meist fest und kommt nicht mehr vorbei.

Die ganze Startaufstellung für das Rennen heute in Austin gibt es hier: