"Antonelli ist ein Raubvogel, der jede noch so kleine Chance eiskalt nutzt", titelte die italienische Tuttosport nach Kimi Antonellis Aufholjagd auf dem Hungaroring. Doch seine Marotte, die Streckenbegrenzungen bis aufs Äußerste auszureizen, könnte ihn im WM-Kampf noch Kopf und Kragen kosten. Nachdem er im Rennen wieder einmal von seinem Renningenieur Peter Bonnington vor den Track Limits gewarnt worden war, fand Papa Marco Antonelli deutliche Worte: "Er meinte zu mir: Wenn ich sehe, dass du noch einmal ohne Grund über die Streckenbegrenzung fährst, drehe ich dir den Hals um wie einem Huhn. Das waren exakt seine Worte", verriet der 19-Jährige schmunzelnd.

Die Einhaltung der Streckenlimits wird sowohl aus Gründen der Fairness im Wettbewerb als auch der Sicherheit von den Stewards als wichtig erachtet und entsprechend rigoros bestraft. Im Sportlichen Reglement heißt es in Artikel 33.3: "Die Fahrer müssen sich jederzeit nach Kräften bemühen, die Strecke zu nutzen, und dürfen sie nicht ohne triftigen Grund verlassen. Ein Fahrer gilt als von der Strecke abgekommen, wenn kein Teil seines Fahrzeugs mehr Kontakt zur Strecke hat. Zur Klarstellung: Die weißen Linien, die die Streckenbegrenzung markieren, gelten als Teil der Strecke, die Kerbs hingegen nicht."

F1-Saison 2026: Drei Fünf-Sekunden-Strafen in elf Rennen

An den bisherigen elf Rennwochenenden kassierte Antonelli bereits drei Fünf-Sekunden-Strafen für das Überschreiten der Track Limits. Das Prozedere ist streng geregelt: Nach dem ersten und zweiten Verstoß (Strike) gibt es eine offizielle Verwarnung. Nach dem dritten Strike folgt gemäß Artikel 54.3 des Reglements die Schwarz-Weiß-Flagge – und ab dem vierten Verstoß setzt es eine Zeitstrafe.

Immer wieder muss Bonnington seinen Schützling vor den Track Limits warnen: "Zwei Stricks für Track Limits, Kimi. Fahr sauber!" Kimi Antonelli ist sich bewusst, dass er daran arbeiten muss. "Die zwei Male in Spa-Francorchamps, wo ich die Track Limits überschritten habe, waren wirklich dumm. Da dachte ich mir nur: Was zur Hölle mache ich da eigentlich? Das war ähnlich wie in Barcelona und Miami", räumte der Mercedes-Youngster selbstkritisch ein.

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Punktverluste durch vermeidbare Fehler

Im Sprint von Miami bekam er schon in Runde 12 die Schwarz-Weiß-Flagge gezeigt. Nach dem Sprint kassierte er die Strafe, weil er die Strecke ein viertes Mal verlassen hatte. Dadurch fiel er von Platz vier auf Position sechs zurück - und George Russell rückte auf. "Er verlor dadurch einfach so drei Punkte an seinen größten Titelrivalen. Die Track Limits zu überschreiten ist - auch wenn ich es nur ungern sage - einfach ein blöder Fehler", kritisierte Jenson Button den Italiener. In Barcelona hatte die Strafe keinerlei Auswirkung, da der Mercedes-Pilot vier Runden vor Schluss mit einem Defekt am Streckenrand abstellen musste.

Mildernde Umstände gab es für Antonelli lediglich in Großbritannien: In Silverstone havarierte er mit einem beschädigten W17 – in Runde 41 brach in Copse vorne links sein Wheel Shield und das Karbonteil verfing sich in der Vorderrad-Aufhängung. Trotzdem weiß der WM-Leader: "Ich muss daran arbeiten. Im Rennen könnte ich die Verwarnungs-Joker vielleicht mal wirklich brauchen, wenn ich hart fighten muss. Aber wenn ich mein Kontingent schon grundlos aufbrauche, bringe ich mich nur selbst in Teufels Küche."

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