Timo Glock hat vom DTM-Rennwochenende auf dem Sachsenring zwar nur einen einzigen Punkt, dafür aber immerhin ganz viele 'Likes' mitgenommen: Eine vom Dörr-McLaren-Piloten veröffentlichte Team-Onboard-Aufnahme ging im Nachgang auf Instagram viral! Der kurze Ausschnitt aus dem Cockpit heraus erreichte nach einem Re-Upload innerhalb kurzer Zeit mehr als 393.000 Aufrufe, 24.000 'Likes' und an die 400 Kommentare (Stand: Dienstag 12:15 Uhr).

In der Sequenz zu sehen: Die höchst turbulente Startphase des Samstags-Rennens aus Glocks Perspektive. Die Onboard-Bilder vermittelten einen perfekten Eindruck davon, wie brutal hart die DTM vor allem im hinteren Mittelfeld umkämpft ist. Vom im Rennsport-Jargon beliebten 'Lack-Austausch' zu sprechen, käme hier geradezu einer Verniedlichung gleich...

Das Onboard-Video von Timo Glock (mit Ton anschauen!)

Timo Glocks Mission "hat nicht geklappt"

Oder wie Glock selbst schrieb: "Die Mission lautete, Autos zu vermeiden. Hat nicht geklappt." Der frühere Formel-1-Fahrer hatte das erste Rennen des Wochenendes vom 16. Startplatz aufgenommen. Das irre Treiben in den ersten Kurven nach der fliegenden Startfreigabe hätte Glock kaum besser auf den Punkt bringen können:

Turn 1: Klopf, klopf, klopf von Marco Mapelli
Turn 2: Ich klopfe an Luca Engstlers Tür an, um zu schauen, ob er zuhause ist
Turn 3/4 ohne Anklopfen
Turn 5: Luca Engstler ausweichen, der einen Short Cut probiert (Zwinker-Emoji)
Turn 6: Klopf, klopf an Ben Dörrs Türe, um sicherzustellen, dass er das Sonntagsrennen gewinnt (Lach-Emoji)

Nachträglich bestraft! Kostet dieser Crash Maro Engel den DTM-Titel? (10:51 Min.)

"Jesus" und "Legende" - Reaktionen zu Glocks Onboard-Video

Die Reaktionen einiger Rennfahrer-Kollegen in den Kommentaren fielen ähnlich unterhaltsam aus wie das Video selbst. "Jesus" schrieb etwa der amtierende Indy-500-Sieger und frühere DTM-Pilot Felix Rosenqvist. Kelvin van der Linde kommentierte: "Liebe die Fahrlinie vom Boxengassen-Ausgang nach Turn 1. Legende!" Und DTM-Spitzenreiter Thomas Preining stellte fest: "Bis das Rennen losging, war kein Katzer am Auto. Crazy!"

Dass sich Glock am Ende dieser aufregenden 'Odyssee' in Folge eines leichten Kontaktes mit McLaren-Teamkollege Ben Dörr auch noch auf der Strecke drehte, war am Samstag während der TV-Übertragung kaum zu erkennen. Für Glock endete das Rennen fünf Runden später vorzeitig, er stellte seinen beschädigten McLaren 720 S GT3 Evo an der Dörr-Box ab - sein siebter Ausfall im 14. Saisonrennen.

"Alle Frontsplitter waren zerstört. Es machte für Timo keinen Sinn, weiterzufahren", erklärte Dörr-GT3-Projektleiter Volker Strycek. Wenige Augenblicke vor dem Teamkollegen-Techtelmechtel hatte es hinter den McLarens deutlich schwerer gerummst: Abt-Lamborghini-Pilot Marco Mapelli kam zunächst von der Strecke ab und beförderte im Anschluss den Land-Porsche von Bastian Buus ins Kiesbett. Dabei erwischte Mapelli auch noch seinen eigenen Teamkollegen Luca Engstler.

Das Endergebnis der Karambolage waren fünf Fahrer, die nicht die Ziellinie sahen: Glock, Engstler (Spurstange beschädigt), Mapelli (Dämpfer hinten links gebrochen), Buus (schleichender Plattfuß) und DTM-Rückkehrer Maximilian Paul, dessen GRT-Lamborghini auch etwas abbekommen hatte. Die Sportkommissare machten Mapelli als Verantwortlichen aus und brummten ihm für den Sonntag eine 3-Platz-Gridstrafe auf.

Start zum DTM-Rennen am Sachsenring
Five-Wide am Sachsenring klappt nicht: Hier fliegt Buus ab, Foto: IMAGO/Alexander Trienitz

Ben Dörr fliegt im McLaren zum zweiten DTM-Sieg

Glock beendete das zweite Rennen nach Start von P13 auf dem 15. Platz und nahm einen Zähler mit. Der 44-Jährige stürmte zu Beginn als einer von sechs Fahrern mit Regen-Reifen durchs Feld bis auf die sechste Position nach vorne. Ab der vierten Runde gewannen die Slick-bereiften Kontrahenten jedoch schnell die Oberhand, während Glock und Co. bis zum rettenden ersten Pflicht-Boxenstopp immer weiter zurückfielen.

Bei Teamkollege Dörr hatte der McLaren-Rennstall hingegen auf Slick-Reifen zum Start gesetzt, was sich von Startplatz vier als goldrichtige Entscheidung herausstellen sollte; mehr noch, weil der Rennstart um 10 Minuten verschoben wurde und die Strecke dadurch noch etwas mehr auftrocknete.

Ben Dörr bei der DTM am Sachsenring
Ben Dörr feiert seinen zweiten DTM-Sieg, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

Dörr übernahm zügig die Führung und flog der Konkurrenz im ersten Stint geradezu davon. Zwischenzeitlich betrug sein Vorsprung gigantische 13 Sekunden, während er den ersten Pflicht-Boxenstopp lange hinauszögerte. Der 21-Jährige behielt in der Schlussphase auch nach zwei Safety-Car-Phasen die Nerven und fuhr zu seinem zweiten Saisonsieg nach dem Lausitzring, wo er den Sieg nachträglich von Mapelli geerbt hatte.

"Es ist toll, endlich ein Rennen auf der Strecke zu gewinnen", sagte Dörr. "Das war ein sehr spezieller Moment. Im Rennen hat alles perfekt zusammengespielt. Das Auto war vor allem bei den Mischbedingungen großartig. Die Pace war unglaublich!" Dörr belegt den siebten Gesamtplatz vor dem Saisonfinale in Hockenheim mit 123 Punkten, Teamkollege Glock ist Tabellen-19. mit 30 Zählern.