"Ich erinnere mich nicht, wann wir das letzte Mal Überholmanöver in Mexiko hatten - wahrscheinlich Ende der 70er. Wenn man als Erster und Dritter startet, dann kann man sich gar nicht vorstellen, das Rennen nicht zu gewinnen." Hinter Ferrari-Teamchef Fred Vasseur liegen 72 harte Stunden, - und es werden wohl noch weitere folgen, bis in der Formel 1-Garage seiner Fahrer wieder Ruhe einkehrt.

Charles Leclerc und Lewis Hamilton verzettelten sich am Start des Mexiko GP im Zweikampf untereinander. Das Resultat: Während Leclerc abkürzte und Hamilton weit gehen musste, nutzte Max Verstappen die Gunst der Stunde. "Ich habe einen Sieg verloren, und Ferrari kämpft um den zweiten Platz in der Konstrukteurswertung. Das ist ein Mangel an Respekt gegenüber all den Leuten, die in der Fabrik arbeiten", erklärte ein wütender Hamilton.

"Hamilton ist eine Diva und bleibt eine Diva. Da braucht man gar nicht drüber reden. [...] Und der andere ist einer, der einen gewissen Grundfrust mitträgt. Leclerc ist sauschnell, wahnsinnig erfolgreich und auch im Drumherum ein wahnsinnig toller Typ - aber er hat halt keinen WM-Titel", meinte Danner im AvD Motorsport-Magazin .

Mexiko-Krach: Danner sieht die Schuld bei Ferrari-Führung

Nichtsdestotrotz sieht er die Schuld daran, dass die Situation in Mexiko mal wieder kompliziert wurde, nicht bei den Fahrern, sondern beim Team. "Dass man da nicht entschlossen eingegriffen hat, ist ein Ding, das sich ein bisschen wie ein roter Faden durch die Ferrari-Entscheidungswelt zieht. Immer wenn was Unplanmäßiges kommt und man braucht eine schnelle Entscheidung, dann kommen die ins Trudeln. Und das war da einmal mehr der Fall", meinte Danner.

Hamilton landete auf Platz drei hinter Kimi Antonelli und Max Verstappen – und wo landet Leclerc: Das gesamte MSM-Fahrranking gibt's hier:

Es ist nicht das erste Mal, dass der Scuderia das Fehlen klarer Verhaltensregeln für den teaminternen Zweikampf zum Verhängnis wird. Bereits in Monza kamen sich die Ferrari-Piloten in der Startphase in die Quere und verspielten vor den heimischen Fans ein besseres Teamergebnis. "Beide Fahrer gehören nicht in die Abteilung "nett", sondern in die Abteilung "Rennfahrer". Man kann einen Fahrer nicht attackieren, wenn er sich verteidigt. Man kann aber auch keinen Fahrer dafür bestrafen, dass er attackiert – das ist schließlich der Sinn der Sache. Das sind interne Themen: Geht man innerhalb eines Teams so miteinander um? Ja oder nein? Darüber muss intern klar diskutiert werden", fordert Danner.

Im Gegensatz zu den drei anderen Top-Teams, in denen sich 2026 ein Fahrer gegen seinen Teamkollegen klar durchsetzen konnte, erlebt Ferrari eine extrem ausgeglichene Teamdynamik.

F1-Saison 2026: Teaminterner Vergleich Hamilton vs. Leclerc

StatistikHamiltonHamilton (%)LeclercLeclerc (%)
Siege150,0150,0
Pole Positions1100,000,0
Podien753,8646,2
Erste Startreihe337,5562,5
Rennen angeführt436,4763,6
Höhere Rennplatzierung850,0850,0
Besseres Quali-Ergebnis947,41052,6

Die angespannte Situation lässt bei vielen Tifosi den Wunsch nach alten Schumacher-Tagen aufkommen, in denen es bei der Scuderia eine klare Nummer 1 gab. Für Christian Danner braucht es eine solche Hierarchie gar nicht, wohl aber eine starke Hand in der Teamführung. "Ferrari hat zwei superschnelle Fahrer, aber du musst sie unter Kontrolle haben. [...] Zwischen Hamilton und Nico Rosberg hat es auch mal gekracht, aber hinterher war dann ein harter, aber fairer Wettkampf. Niki Lauda hat das damals toll gemanagt. Er war selbst Rennfahrer mit einem riesigen Ego und gehörte definitiv nicht zur Nett-Abteilung."

Für Danner macht genau diese Brisanz aber auch die Faszination der Formel 1 aus. "Man sieht ganz klar: Die zwei steigern sich und treiben einander zu Höchstleistungen an. Aber dass dieses Gegeneinander auf der Strecke besser gelöst werden muss – dabei bleibe ich: Das ist der Job der Ferrari-Führung."

Leclerc vs. Hamilton - Danner: "Grund-Frust gegen Riesen-Ego" (10:37 Min.)

Kritik an FIA-Strafe: Sind 5 Sekunden zu wenig?

Charles Leclerc wurde für das Abkürzen in Kurve 1 mit einer 5-Sekunden-Strafe belegt. Eigentlich hätte er die Position an Hamilton zurückgeben müssen - da sich Verstappen jedoch dazwischenschob, war dies unmöglich. "Die Strafe war absolut verdient. Ich konnte die Kurve nicht zu Ende fahren, also habe ich abgekürzt. Mein ursprüngliches Ziel war es, Lewis die Position zurückzugeben, aber leider hat sich Max zwischen uns geschoben", räumte Leclerc ein. Jedoch profitierte er im ersten Stint von der freien Fahrt an der Spitze und konnte zeitweise einen Vorsprung von über fünf Sekunden auf Verstappen herausfahren.

Im Paddock entbrannte daraufhin erneut die Diskussion über zu milde Zeitstrafen. "Fünf Sekunden bewirken in der Tat selten etwas. Gerade in der Spitzengruppe ist der Abstand zum Mittelfeld meist so groß, dass eine 5-Sekunden-Strafe kaum ins Gewicht fällt", stimmt auch Danner zu. Von streckenspezifischen Sonderregeln rät der Experte dennoch ab: "Man kann nicht für jede Strecke eigene Gesetze erfinden. Das muss einheitlich geregelt sein – zehn Sekunden wären in solchen Fällen vielleicht angemessener."

Die Formel 1 gastiert diese Woche in Brasilien auf dem Autódromo José Carlos Pace. Wann finden die Trainings statt? Wann läuft das Qualifying? Wann startet der Große Preis von São Paulo? Hier gibt's den Zeitplan.