Der vierte Aufhängungsschaden an einem Cadillac war es gewesen, in Mexiko führte so ein Schaden erstmals zu einem heftigen Unfall. Valtteri Bottas entkommt mit Prellungen und steht in Brasilien wieder am Start, wie auch das Team - allerdings nach Checks nicht mehr in der gleichen Konfiguration.

Die Ursache des Mexiko-Schadens geht auf ein altbekanntes Problem mit dem Cadillac zurück. Fast das ganze Jahr über hadert das Team mit dem Bremskühlschächten. Diese sind in der Formel 1 bekanntlich sehr komplexe Objekte, die eigentlich drei Funktionen erfüllen. Das Kühlen der Bremseinheiten ist nur eine davon.

Vorderachse, Bremskühlung und Bremsen am Cadillac von Valtteri Bottas
Die Vorderachse und Bremseinheit des Cadillacs in Brasilien, Foto: IMAGO / DeFodi Images

Weiters sind diese Konstrukte aerodynamische Elemente, schließlich stehen sie direkt im Luftstrom. Ihre Form ist wichtig für das Leiten der Luft um den Reifen herum. Und weiters sollten sie so entwickelt werden, dass die Abwärme beim Kontrollieren der Reifentemperatur hilft.

Dieser Drahtseilakt scheint das neu aufgestellte Design-Team von Cadillac im ersten Formel-1-Jahr zu überfordern. Temperatur-Management ist oft auch schwierig abseits der Strecke zu testen, viel erfährt man erst unter Einsatzbedingungen in der Realität. Das führte im Saisonverlauf zu wiederholten Ausfällen wegen Bremsdefekten - aber die Abwärme kann noch andere Konsequenzen haben.

Valtteri Bottas in seinem brennenden Cadillac
Valtteri Bottas mit Bremsdefekt im Ungarn-GP, Foto: IMAGO / Beautiful Sports

Hitze schrottet neue Cadillac-Aufhängung - alte Teile in Brasilien zurück

"Die Hitze von den Bremsen muss irgendwo hin, und momentan geht sie teilweise auf die Querlenker", bestätigt Valtteri Bottas vier Tage nach seinem Crash die internen Schlussfolgerungen. "Wir hatten bestimmte Limits bei den Temperaturen, aber die mussten wir uns erneut anschauen."

"Wir konnten genau feststellen, was tatsächlich gebrochen ist, und warum", meint Bottas. Im Detail waren es die Befestigungen der Querlenker, die nachgaben. Die Konsequenz ist nun für das nächste Rennen in Brasilien ein Rückbau: "Wir mussten bei ein paar Teilen auf eine alte Spezifikation zurückgehen. Und wir mussten bei den Temperatur-Limits runtergehen."

Basierend auf diesen Erkenntnissen haben die Fahrer keine Angst, in Brasilien ins Auto zu steigen. "Wenn wir nicht wüssten, was warum gebrochen ist, dann würde das Vertrauen leiden, aber wir verstehen es und wissen jetzt, was das Limit ist", stellt Bottas fest. Teamkollege Sergio Perez stimmt zu: "Ich habe das Team gefragt, und sie wissen, was Sache ist. Sie sind mit den Limits runter, gehen ganz auf Nummer sicher. Marcin [Budkowski, Teamchef] war sehr besorgt."

Aber warum überhitzte die Bottas-Aufhängung in Mexiko so schlimm?

Zurück bleibt jedoch die Frage, warum das Limit vorab falsch eingeschätzt wurde. "Wir dachten, es sei sicher, aber wir haben es nie über so eine lange Distanz bei so einer Temperatur getestet", räumt Bottas ein. Die rechte, unbeschädigte Seite der Bottas-Vorderachse ist mittlerweile zurück in der Fabrik in Silverstone und wird dort weiter untersucht.

"Sie machen ein paar Stresstests und versuchen genauere Temperatur-Limits zu finden", sagt Bottas. Dabei geht es nicht nur um die Frage, warum das Limit falsch eingeschätzt wurde. Es geht auch um die Frage, wieso es bei Bottas überhaupt so heiß wurde: "Aus irgendeinem Grund wurde mein Auto in Mexiko heißer, also musste ich mehr Management betreiben, mehr Lift-and-Coast, und trotzdem hatte ich den Schaden."

"Natürlich brauchen wir neue Designs für die Zukunft", lautet Bottas' Fazit. Auch Perez - dem davor schon dreimal in einem Rennen die Aufhängung gebrochen war - mahnt: "Das Team muss jetzt endlich viel besser darin werden, diese Dinge zu erkennen. Das Saisonende ist nahe. Das Team ist sich dem vollends bewusst und pusht sehr hart, um Lösungen zu finden."