Ende Mai lag Marc Marquez 102 Punkte im Rückstand. Der Traum vom achten MotoGP-Titel schien ausgeträumt, die Aprilias uneinholbar enteilt. Nur 12 Grands Prix und 14 Rennsiege später steht die Titelverteidigung jetzt aber doch kurz bevor. Im Großen Preis von Katar hat Marquez seinen ersten Matchball, kann die MotoGP-Weltmeisterschaft 2026 fixieren. Einziges Problem: Von Vorfreude ist keine Spur.
Vor erstem WM-Matchball in Katar: Marc Marquez wäre lieber woanders
"Ich wäre gerne an einem anderen Ort", machte der 33-Jährige aus Cervera am Donnerstagabend kein Geheimnis aus seinen Gefühlen. Ob der angespannten politischen Lage im Nahen Osten hätte er gerne auf die Reise nach Katar verzichtet und zählte zu den 19 MotoGP-Piloten, die sich laut Jack Miller für eine Absage des Grand Prix in der Wüste ausgesprochen hatten. Zu groß die Sorge um die eigene Sicherheit: "Ich bin deshalb mit dem spätmöglichsten Flug hier angekommen und ich werde auch mit dem frühestmöglichen Flieger wieder abreisen."
Ob es im Fall der Fälle eine ausgelassene Weltmeisterparty wie bei vergangenen Titelgewinnen geben würde, muss also stark bezweifelt werden. Stattdessen droht der MotoGP ein unwürdiges Finale, sollte die WM-Entscheidung tatsächlich schon an diesem Sonntag fallen. Was dazu passieren muss? Das erfahrt ihr in unserem WM-Rechner.
Absichtlich Tempo rausnehmen, um die Weltmeisterschaft beispielsweise erst in zwei Wochen in Portimao (20. - 22. November) zu gewinnen, will Marquez aber auch nicht. "Jetzt sind wir hier. Ich bin bereit für das Rennen und voll fokussiert", lässt er wissen und kündigt an: "Das ist eine Strecke, auf der ich mich letztes Jahr sehr gut gefühlt habe. Ich werde das Wochenende mit der gleichen Einstellung wie in Malaysia angehen. Ich werde versuchen, zu attackieren und 100 Prozent geben."

Mit Blick auf die Resultate aus dem Katar-GP 2025 und dem Malaysia-GP vergangene Woche - Marquez gewann jeweils beide Rennen - sollte die Konkurrenz also gewarnt sein. "Marc ist in solchen Situationen der Beste, er ist den Druck gewöhnt", unterstreicht auch Davide Tardozzi. Der Teammanager von Ducati weiß zwar, dass "es nicht vorbei ist, bis es vorbei ist" und "die Aprilia-Fahrer sehr stark" sein werden, aber "mit Marc Marquez ist nichts unmöglich" - zumal dieser selbst noch betont: "Ich habe schon mehrfach im letzten Rennen noch um den Titel gekämpft. Das war viel härter. Du kannst noch viel mehr Druck spüren als jetzt."
Konkurrenz gibt nicht auf: Wird Marc Marquez schon in Katar Weltmeister?
Trotz leidiger Umstände scheint die WM-Entscheidung schon an diesem Wochenende bei Ducati also fest im Blick - und die Konkurrenz würde sie gerne verhindern. "Es wird hart, aber ich werde mein Bestes geben", kündigt Marco Bezzecchi an und Stallgefährte Jorge Martin meint: "Ich hoffe nicht, dass er den Titel schon dieses Wochenende gewinnt. Er ist zwar der Einzige, der diesen Titel noch gewinnen oder verlieren kann, es liegt nicht mehr in meiner Kontrolle, aber in diesem Sport ist nichts unmöglich und ich will die Weltmeisterschaft schon bis zu den letzten zwei Grands Prix offen halten."
Ob es dazu kommt oder nicht, wird wohl speziell von Martin selbst abhängen. Der aktuelle WM-Zweite hat mit 44 Punkten den geringsten Rückstand aller Herausforderer und kann den Titelkampf schon dann offen halten, wenn er in Katar nur acht Zähler einfährt. Eine vermeintlich einfache Aufgabe, wäre da nicht die gebrochene Speiche aus dem Sprint auf Phillip Island. "Es wird alles darauf ankommen, wie sich Jorge fühlt", prognostiziert daher auch Pedro Acosta, der Marquez als dritter und letzter Fahrer noch stoppen kann. "Marc muss 30 Punkte mehr als Jorge holen. Wenn Jorge nicht fährt, wird das nicht schwer. Wenn er aber fährt, dann schon, denn 30 Punkte sind nicht wenig. Momentan glaube ich, dass die Weltmeisterschaft erst in Portimao entschieden wird."
Es wäre Marquez wohl nicht unrecht, auch wenn er es am Donnerstag nicht wortwörtlich aussprechen wollte. Vielleicht ein gutes Omen: Im Vorjahr hätte Marquez schon in Misano Weltmeister werden können, wollte es aber erst zwei Wochen später in Motegi werden. Damals wurde sein Wunsch erfüllt. Nun vielleicht wieder? Was meint ihr: Krönt sich Marquez schon dieses Wochenende in Katar zum Weltmeister 2026 oder fällt die Entscheidung frühstens in Portimao? Sagt es uns in den Kommentaren!



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