Schwer zu glauben, aber in wenigen Stunden wird die MotoGP mit dem 1. Freien Training am Freitagmittag (12:45 Uhr MEZ, Anm.) tatsächlich in den Großen Preis von Katar starten. Ob der angespannten politischen Lage im Nahen Osten zwar ohne die vier Yamaha-Piloten, dafür aber mit Jorge Martin. Dieser wagt in Losail Comeback-Versuch Nummer zwei, nachdem er den ersten Anlauf vergangene Woche in Malaysia - nur sechs Tage nach seinem Speichenbruch an der rechten Hand auf Phillip Island - noch vorzeitig hatte abbrechen müssen. Weitere sechs Tage später soll jetzt aber alles besser werden.

Bereit für Comeback 2.0: Jorge Martin berichtet von spürbaren Fortschritten

"Ich fühle mich viel besser", lässt Martin, der am Donnerstagabend als einer der letzten MotoGP-Piloten am Losail International Circuit angekommen war, wissen. Erst kurz vor 17 Uhr Ortszeit landete sein Flieger im Wüstenstatt, gegen 19 Uhr Ortszeit trat er vor die Presse. Für den vorgeschriebenen Medizincheck bei MotoGP-Arzt Dr. Angel Charte war es damit schon zu spät, dieser wird am Freitag 30 Minuten vor Beginn des FP1 nachgeholt. Gänzlich sicher ist also noch nicht, dass Martin im Katar-GP tatsächlich wieder auf die Strecke gehen wird. Da er aber schon vergangene Woche in Malaysia das Grüne Licht erhalten hat, ist diesmal auch wieder davon auszugehen. Schließlich berichtet der Spanier von deutlichen Verbesserungen gegenüber der letzten Woche.

Jorge Martin gibt auf! Marc Marquez baut MotoGP-WM-Führung aus (09:41 Min.)

"Montag und Dienstag habe ich noch gezweifelt, ob ich hierher kommen soll oder nicht", so Martin. "Die Verbesserung in den letzten zwei Tagen war aber enorm. Es hat mir sehr geholfen, zuhause zu sein [Martin reiste noch am Malaysia-Samstag zurück nach Spanien, Anm.] und dort mit meinen üblichen Geräten und Maschinen trainieren zu können. Ich habe viele Therapien gemacht und viele Stunden in meine Hand gesteckt."

Das Gefühl sei - verglichen mit jenem vor wenigen Tagen in Sepang - nun deutlich besser. Trotzdem weiß der 'Martinator' natürlich: "Ich bin noch nicht zu 100 Prozent erholt." Vielmehr sei das rechte Handgelenk allenfalls bei "50 Prozent" und somit fernab vom bestmöglichen Performance-Level. Aber der Aprilia-Pilot ist zuversichtlich, dass er diesmal deutlich besser zurecht kommt als zuletzt in Malaysia. Denn: "In den letzten Tagen hatte ich starke Schmerzen im Handgelenk, weil ich keine Mobilitätsübungen gemacht habe. Jetzt haben wir uns aber entschieden, die Schiene zu entfernen. Seither fühle ich mich viel besser und bekomme meine Kraft zurück."

Jorge Martin vor dem Malaysia-GP der MotoGP in Sepang.
Jorge Martin verzichtet in Katar auf die Spezialschiene an der rechten Hand, Foto: IMAGO / Icon Sportswire

Jorge Martin will WM-Entscheidung vertagen, aber MotoGP-Rückzug bleibt möglich

Deutlich bessere Vorzeichen also als vergangene Woche, weshalb Martin auch hofft, in Katar die nötigen acht WM-Punkte sammeln zu können, um die WM-Entscheidung nach Portimao (20. - 22. November) vertagen zu können. "Die Weltmeisterschaft liegt nicht mehr in meiner Kontrolle, nur Marc [Marquez, Anm.] kann sie noch gewinnen oder verlieren", sagt er, "aber ich werde versuchen, so viele Punkte wie möglich einzufahren. In diesem Sport kann alles passieren und das Ziel ist es, die Weltmeisterschaft bis zu den nächsten zwei Grands Prix offen zu halten."

Ob das gelingt, wird aber wohl stark vom Ersteindruck am Freitag abhängen. Denn auch ein Wochenendabbruch wie in Sepang bleibt trotz allem Optimismus ein realistisches Szenario. "Wir werden sehen, ob ich das Wochenende zu Ende bringen kann. Das wäre schon ein großartiger Erfolg", betont Martin und verrät, wie er den Katar-GP angehen will: "Ich werde versuchen, am Freitag diesmal mehr Runden am Stück zu fahren. Dann werden wir sehen, wie sehr sich mein Handgelenk zum Samstag hin verbessert. Aber wir müssen vorsichtig sein, wie viel Belastung wir ausüben. Wir dürfen es am Freitag auch nicht übertreiben, denn sonst könnte ich am Samstag den Preis dafür bezahlen."

Es am Freitag nicht zu übertreiben, gilt übrigens nicht nur mit Blick auf die abgespulte Rundenzahl. "Wenn ich stürze, könnte ich mir den Knochen recht leicht nochmal brechen", warnt der Aprilia-Pilot auch vor einem Abflug. Den gilt es zu vermeiden - auch wegen unschöner Erinnerungen aus dem Vorjahr. 2025 hatte Martin in Katar sein erstes Rennwochenende auf der RS-GP absolviert und sich bei einem Sturz am Sonntag direkt wieder schwer verletzt. "Ehrlich gesagt würde ich jetzt lieber irgendwo anders sein", schmunzelt er diesbezüglich. "Als ich das Paddock betreten habe, hatte ich schon ein flaues Gefühl im Magen. Aber letztlich musst du akzeptieren, was dir im Leben zustößt und weitermachen. Und genau das tue ich jetzt."

Was meint ihr: Wird das Comeback 2.0 von Jorge Martin diesmal von Erfolg gekrönt sein oder muss er auch im Katar-GP nach wenigen Kilometern die Segel streichen? Sagt es uns in den Kommentaren!