Nach einem enttäuschenden Trainingstag bei der Formel 1 in Brasilien hatte Nico Hülkenberg wohl kaum mit so einem Samstag gerechnet. Am Freitag hatte der Audi-Fahrer, nachdem er FP1 für Rookie Freddie Slater aussitzen musste, aufgrund von technischen Problemen keine einzige Runde fahren können, doch im verregneten Qualifying behinderte ihn das nicht im Mindesten.

Hülkenberg stellte seinen Audi im Endklassement auf die sechste Position und das nicht nur aufgrund des Timings in den letzten Minuten. Schon über die gesamte Dauer der Qualifikation hatte der Emmericher zuvor auf der rutschigen Strecke regelmäßig mit schnellen Rundenzeiten die Spitze aufgemischt. Der Q3-Einzug war somit nur die logische Konsequenz und die Qualifying-Position ebenso. Audi-Renndirektor Allan McNish zeigte sich begeistert von der Leistung seines Fahrers: "Nico hat eine weitere fantastische Vorstellung geliefert, ein weiteres Mal seine Pace im Nassen demonstriert und gezeigt, warum er der Regenmeister ist."

Nico Hülkenberg sorgt für besten Audi-Startplatz in der Formel 1

"Die Bedingungen waren schwierig. Es war nicht einfach, aber ich bin glücklich, dass wir so gut durchkamen, und ich hatte ab der ersten Runde ein gutes Gefühl im Auto", bilanzierte Hülkenberg seinen Auftritt auf dem Autodromo Jose Carlos Pace am Samstagnachmittag. Dass mit George Russell und Charles Leclerc gleich zwei Fahrer vor ihm eine Motorstrafe für das Formel-1-Rennen ausgefasst haben, befördert ihn sogar in die zweite Startreihe. Auf Rang 4, um genau zu sein. Dort startet neben ihm mit Liam Lawson ein weiterer Mittelfeld-Überraschungsmann. Hier findet ihr die gesamte Startaufstellung für das Formel-1-Rennen in Brasilien:

"Ich bin hier natürlich schon oft gefahren, also kenne ich Sao Paulo sehr gut", meinte Hülkenberg zu seinem Trainings-Rückstand vom Freitag. "Ich wusste, wenn ich ein gutes Gefühl und viel Vertrauen ins Auto habe, kostet es mich nicht sehr viel, hier gestern nicht gefahren zu sein. Zum Glück war das heute der Fall", freute sich der Brasilien-Polesetter von 2010 - damals waren die Bedingungen ebenfalls feucht.

Für Audi ist es in seiner Premierensaison in der Formel 1 ebenfalls ein Rekordwert. Noch nie stand die deutsche Automobilmarke, die nach dem Ende der letzten Saison Sauber abgelöst hat, in der Königsklasse in einer Startaufstellung für einen Grand Prix so weit vorne. Gabriel Bortoleto hielt bisher die beste Audi-Startplatzierung mit einem achten Platz beim Belgien-GP. Auch ohne die Unterstützung durch Motorstrafen hätte Hülkenberg also für einen neuen Bestwert gesorgt.

Für das Rennen will sich Hülkenberg nicht zu viel vorab ausmalen. Dass für den Rennsonntag je nach Wetteranbieter ähnlich unbeständige Bedingungen vorhergesagt werden wie für den Samstag, lässt Hülkenberg deshalb kalt: "Ich habe vor langer Zeit damit aufgehört, mir gewisse Wetterbedingungen zu wünschen. Ich nehme sie einfach so, wie sie kommen."

Bei trockenen Bedingungen wird es Hülkenberg wohl schwerfallen, die hinter ihm qualifizierten Topteam-Fahrer auch hinter sich zu halten. Aber die Aussichten auf wichtige Punkte im Mittelfeldkampf sind gut. Diese könnte Audi auch gut gebrauchen, denn man liegt vier Rennen vor Saisonende vier Zähler hinter Haas im Kampf um Konstrukteurs-Rang 7.

Gabriel Bortoleto mit nächstem Heimspiel-Crash

Hülkenbergs Teamkollege Gabriel Bortoleto hatte im Training keine technischen Probleme. Trotzdem wurde das Qualifying für ihn zu einer ausgewachsenen Katastrophe. Der Brasilianer rutschte in Q1 bei den wohl schwierigsten Bedingungen des Tages in Kurve 12 aus und schlug in die Streckenbegrenzung ein. Nur leicht, wie er glaubte, aber eben hart genug, um dabei seinen Heckflügel zu Bruch gehen zu lassen. "Sie haben versucht, ihn zu wechseln, aber es gelang nicht rechtzeitig", vermeldete der 22-Jährige.

So setzte es für Bortoleto die Höchststrafe: P22 im Qualifying vor Heimpublikum, was nach einer Reihe von Power-Unit-Rückversetzungen P19 in der Startaufstellung bedeutet. "Ich habe heute Mist gebaut", nahm er sich deutlich selbst in die Kritik. Nachdem er bereits 2025 in seiner Debütsaison in Sao Paulo zwei Unfälle zu verzeichnen hatte, stört ihn das umso mehr: "Im Moment ist mein Gefühl scheiße. Was soll ich sonst sagen? Letztes Jahr hatte ich einen Unfall, dieses Jahr konnte ich das Qualifying nicht sinnvoll fahren, weil ich es verbockt habe. Mein Heimrennen war offenkundig noch nicht sehr gut zu mir."

Was für Bortoleto erschwerend hinzukommt, ist, dass er zuvor am gesamten Formel-1-Wochenende pfeilschnell ausgesehen und seinen Audi in sämtlichen Trainings unter die ersten Zehn gefahren hatte. Von P19 werden Punkte unter normalen Bedingungen aber ein schwieriges Unterfangen. Wobei, was sind schon 'normale Bedingungen' beim Rennen in Sao Paulo, das für sein launisches Wetter bekannt ist?