Der MotoGP-Sprint in Katar lieferte am Samstag viele Gesprächsthemen. Der üble Abflug von Francesco Bagnaia etwa, der eine Rote Flagge zur Folge hatte. Oder die Kollision zwischen Marc Marquez und Marco Bezzecchi natürlich, die im Anschluss die Emotionen hochkochen ließ. Da ging fast schon etwas unter, welch unglaubliche Leistung Jorge Martin im Sprint erbrachte. Mit gebrochener Speiche in der rechten Hand raste er auf das Podium. Eine heroische Performance, zu der es aber auch etwas Glück und fremde Mithilfe brauchte.
Jorge Martin verrät: Zustand der gebrochenen Hand zunächst deutlich schlechter
"Als ich heute aufgewacht bin, hatte ich große Sorgen. Meinem Handgelenk ging es viel schlechter und das Qualifying verkam dann zu einem Desaster. Ich hatte überhaupt keine Kraft", verriet Martin in seiner Medienrunde am Samstagabend zunächst einmal. Die am Freitagabend erhoffte, weitere Verbesserung über Nacht hatte es also nicht gegeben. Stattdessen hatte sich der Zustand seiner gebrochenen Speiche sogar verschlechtert. Daher auch nur Startplatz elf im Qualifying statt der anvisierten zweiten Reihe.
Die knapp dreistündige Pause zwischen Qualifying und Sprint nutzte der Aprilia-Pilot dann aber erfolgreich, um sich zu erholen und die Batterien wieder aufzuladen. "Ich konnte etwas Kraft für das Rennen aufsparen und mit all dem Adrenalin, dem Start und dem Restart habe ich dann sowieso nicht mehr allzu viel an meine Hand gedacht", führte Martin aus und meinte erfreut: "Ich war in der Lage, ziemlich gut Motorrad zu fahren. Natürlich waren das nicht meine 100 Prozent. Ich bin nur bei 50 Prozent, aber die sind eben das, was ich aktuell zur Verfügung habe."
Körperlich fehlte im Sprint also knapp die Hälfte, und diese wurde am Samstag wohl mit einer ordentlichen Portion Glück aufgefangen. Ursprünglich hatte Martin nämlich keinen guten Start hingelegt, war auf Platz elf stecken geblieben und machte keinerlei Anstalten, noch großartig aufholen zu können. Doch dann räumte Fermin Aldeguer Martins ehemaligen WM-Rivalen Francesco Bagnaia unschön ab und sorgte so für eine Rote Flagge.
Unterbrechung im MotoGP-Sprint rettet Jorge Martin
"Das hat mir die Möglichkeit gegeben, meinen Hinterreifen zu wechseln, denn der erste war ein Reinfall", freute sich Martin, nachdem er Bagnaia eine schnelle Genesung gewünscht hatte. Der scheidende Ducati-Werkspilot hat sich zwei Knochen im rechten Fuß gebrochen und droht nun, die restliche Saison verletzt zu verpassen. "Ich habe verstanden, dass der Medium nicht funktioniert hat. Oder dieser Medium im Speziellen, denn allgemein hatte ich eigentlich ein gutes Gefühl mit dem Medium", so Martin weiter. "Ich habe ihn dann ausgetauscht. Der Soft war natürlich ein Risiko, mein Team war nicht überzeugt. Aber ich war zuversichtlich, dass ich gut damit klarkommen würde und er hat mir auf der Bremse dann tatsächlich auch sehr geholfen."

Das Abstoppen des Motorrads war - vom Schmerz abgesehen - zuvor das größte Problem des gebürtigen Madrilenen gewesen. Aufgrund der Speichenfraktur konnte er nicht so hart bremsen, wie er das gerne getan hätte. Der weiche Hinterreifen mit seinem zusätzlichen Grip entpuppte sich dafür aber als absoluter 'Gamechanger'. Martin pflügte nach dem Restart in Windeseile durch das Feld und ging unmittelbar nach der Kollision zwischen Marquez und Bezzecchi sogar für eine Kurve in Führung. Erst zum Ende hin musste er Marquez ziehen und Fabio Di Giannantonio wieder passieren lassen. Hätte er sich vor Letzterem halten können, hätte er die WM-Entscheidung sogar schon sicher nach Portimao (20. - 22.11.) vertagt. So kann Marquez am Sonntag zwar weiterhin Weltmeister werden, aber es braucht nur noch einen einzigen Punkt vom 'Martinator' um das zu verhindern. "Ich habe mein Bestes gegeben. Ich bin zufrieden mit meinem Ergebnis", kommentierte er völlig zurecht.
Wie es sich anfühle, nur 14 Tage nach seinem folgenschweren Sturz auf Phillip Island auf dem Podium zu stehen? "Das ist verrückt", schmunzelte Martin danach befragt. "Aber ich habe zuhause sehr hart dafür gearbeitet, wie verrückt. Wir waren sehr intelligent mit all den Therapien. Sie haben mir sehr geholfen."
Am Sonntag gilt es nun, den bärenstarken Sprint mit einem weiteren Topresultat zu veredeln und den WM-Kampf so möglichst lange offen zu halten. "Das wird ein langes Rennen, aber etwas langer als heute. Das könnte mir helfen, ich bin zuversichtlich. Ich hoffe, dass ich mich über Nacht gut erholen kann und dann ist alles möglich. Ich will da sein, wenn sich eine Möglichkeit auftut", zeigte Martin eine breite Brust. Ob er sich keine Sorgen vor 22 Runden Renndistanz mache? "Doch, ich bin natürlich besorgt, aber ich kann das nicht ändern. 40 Minuten Vollgas und dann kann ich mich erholen. Ohne Schmerz kein Gewinn!"
Was meint ihr: Wie wird Jorge Martin am Sonntag im Katar-GP abschneiden? Gebt uns eure Prognosen in den Kommentaren ab!
Wann, wo und wie ihr den Katar-GP live im TV, Stream oder Ticker verfolgen könnt, verraten wir euch derweil im nachfolgenden Artikel:



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