War das schön. Die ersten Flügel an den noch recht klobigen F1-"Raketen". Das erste Monocoque. Der Sechsrad-Tyrrell. Der Staubsauger-Brabham. Dann die Wing-Cars. Der legendäre Lotus 79, dessen Nachfolger völlig ohne Flügel auskommen hätte sollen, weil sein Unterboden ohnehin ein einziger Flügel war. Oder der optisch unvergessene Arrows A2. Die Turbos. Das doppelte Chassis von Colin Chapman. Die flache Brabham-Flunder. Dann die Elektronik. Das Mapping. Und so weiter...

Doch seien wir uns ehrlich: In den letzten zehn Jahren konnten nur noch enge F1-Freunde die neuen Boliden von ihren Vorgängermodellen unterscheiden. Das Reglement der Neuzeit ist derart engmaschig, dass nur noch die winzigen Flügelchen, welche die Autos verzieren, ihre Form ändern - dies dafür häufig. Doch im Grunde sehen die F1-Autos schon seit langer Zeit gleich aus. Sie haben längst keine eigenständigen Gesichter mehr. Das letzte seiner Art war wohl der Hammerhai-Williams - und der erwies sich als Flop.

Das Reglement öffnen? Toyota-Technikdirektor Mike Gascoyne schüttelte bei den Spanien-Tests den Kopf. "Die Autos sind ohnehin viel zu schnell. Wir müssen sie einbremsen, sie müssen zu den Strecken passen. Es macht keinen Sinn, über das optimale F1-Fahrzeug nachzudenken oder sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wie ein solcher Bolide bei einem offenen Regelwerk aussehen würde." Wir sind also allem Anschein nach am Zenit angelangt.

Der Staubsauger-Brabham - im Jahre 1978., Foto: Sutton
Der Staubsauger-Brabham - im Jahre 1978., Foto: Sutton

Und weil das Entwickeln des Kleinflügelwerks Milliarden verschlingt, möchte man nun diese Kosten radikal senken. Was FIA-Präsident Max Mosley für die Motoren plant - ein Einfrieren des Entwicklungsstands über einen Zeitraum von drei Jahren - möchte Renault-Teamchef Flavio Briatore auch bei den Fahrzeugen einführen. Briatore schlägt vor, auch die Entwicklung der Chassis nach einer Homologierung über drei Jahre einzufrieren.

Ein Indiz dafür, dass Renault anscheinend wirklich über einen Rückzug aus der Formel 1 nachdenkt respektive einfach nicht mehr gewillt ist, Milliarden in das Entwickeln von Kleinst-Teilen zu stecken, welche die breite Masse nicht einmal registriert. Das ist das wahre Übel der Formel 1. Für die breite Masse sehen die Ferraris und die Toyotas schon seit Jahren gleich aus, sie kümmert sich nicht um Miniflaps, Horizontalfinnen, Kamine oder Winglets.

Es stellt sich die Frage: Haben wir nun den Zenit erreicht? Sind die F1-Autos quasi fertig entwickelt? Oder gäbe es, mit fantasievollen Köpfen am Tisch, eine Möglichkeit, der Formel 1 wieder eine Vielfältigkeit zurückzugeben, ohne dass dabei irreal gefährliche 450 km/h-Monster entstehen, welche einfach den Rahmen sprengen, welche die Piloten nicht verkraften würden? Darüber könnte man vielleicht noch kurz nachdenken, bevor man zur Einheitsformel übergeht.