Es ist noch nicht allzu lange her, da saßen wir mit Christian Klien in der Red Bull-Energy Station am Circuit de Catalunya und das Lächeln des Hohenemsers wurde geradezu spitzbübisch, als er ankündigte, er wolle in diesem Jahr "den Onkel David ein bisschen ärgern". Er habe schon im letzten Jahr gezeigt, dass er den dreizehnfachen Grand Prix-Sieger David Coulthard schlagen kann und wolle in der kommenden Saison versuchen, dies öfter zu tun, erklärte Klien selbstbewusst. Im Vorjahr musste Klien noch den Nachteil einer Fahrerrotation in Kauf nehmen, während Coulthard kontinuierlich im Auto saß.

2006 wird auch Christian Klien ein fixes Ticket in der Tasche haben, er braucht um seinen Rennsitz nicht mehr zu bangen, das Team hat seine Leistungen honoriert - der Hohenemser konnte sich gegen Saisonende noch einmal gewaltig steigern und einen 4. Startplatz sowie Platz 5 im Rennen erobern - das Team vertraut in seine Fähigkeiten. Was jedoch 2007 betrifft, so hat nun Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten seinen beiden Einsatzpiloten quasi die Rute ins Fenster gestellt.

"Wenn wir 2007 unser erstes eigenes Auto haben, von dem wir hoffen, dass es sehr schnell sein wird, kann nicht der Fahrer das schwächste Glied der Kette sein", erklärte Mateschitz. Mit dem "ersten eigenen" Auto meint der 61jährige wohl den ersten Boliden aus der Feder von Stardesigner Adrian Newey, den Mateschitz mit Fug und Recht als seinen größten Fang betrachtet.

David Coulthard "will sich sicher für das erste Newey-Auto von uns für 2007 qualifizieren", sagte der Red Bull-Boss. Und stellt dafür auch die Rahmenbedingung: "David hat jetzt hundert Prozent Verantwortung, als Fahrer seine Leistung zu bringen." Für Klien wiederum gilt: "Er muss Coulthard schlagen." Denn: "Von gleich schnell oder langsamer haben wir dieses Jahr nichts mehr. Man kann nicht einen Ferrari-Motor, einen auf letzten Stand modernisierten Windkanal und einen Newey haben und dazu Fahrer, die eineinhalb gewonnene Sekunden wieder wegnehmen." Starker Tobak - da wird gewaltig Druck aufgebaut. Sollte einer der beiden RBR-Stammpiloten im teaminternen Duell klar unterliegen, müsste sich der Verlierer wohl um einen neuen Arbeitsplatz umsehen. Für Klien bedeutet das: Zwar ist jetzt der Druck der Rotation verschwunden, dafür muss er einen dreizehnfachen GP-Sieger bezwingen.

Das bestätigt Mateschitz indirekt mit den nicht minder harten Worten: "Entweder haben wir unter unseren Junioren neue Sennas oder Schumachers, was der Idealfall wäre, oder - wenn dies nicht zutrifft - müssten wir uns auf dem Fahrermarkt umsehen."