"Schumi, hör auf!", rät Ex-Teamkollege Johnny Herbert über die Bild-Zeitung - und die werten LeserInnen tun sich ganz schön schwer mit der Entscheidung, ob Michael Schumacher am Ende dieses Jahres seinen Rücktritt erklären soll, zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Mehrheit der Online-Leserschaft für eine solche Entscheidung. Dazu kommen internationale Pressestimmen, die von Alterserscheinungen beim Siebenfachweltmeister berichten. Die Schumacher/Ferrari-Welt ist nach diesem Australien-GP schwer erschüttert worden - denn auch in ihr zählen immer nur die Leistungen vom letzten Wochenende.
Und die waren in Down Under recht armselig - Ferrari hinkte nicht nur der Konkurrenz hinterher, sowohl Felipe Massa als auch Michael Schumacher sahen keine Zielflagge, sondern verschrotteten stattdessen ihre 248 F1-Boliden. Immer noch leidet die Scuderia an ihrem Problem, die Reifen nicht auf die nötige Betriebstemperatur zu bekommen. "Wir hatten das schon im letzten Jahr und ein paar mal auch in dieser Saison - immer war das Hauptproblem, die Reifen auf Temperatur zu bringen", erklärt Ferrari-Rennleiter Jean Todt.
Dass es an den Bridgestone-Reifen liegt, schließt Todt aus: "Wir haben eine Mischung eingesetzt, die auch unsere Bridgestone-Mitbewerber zum Einsatz brachten - und sie konnten die Reifen definitiv besser auf Temperatur bringen. Es lag also an uns."
Zudem hat man sich in Melbourne auch in punkto Wetter grob verschätzt. "Wir sind am Freitag nur mit einer Spezifikation gefahren, weil wir uns dachten, dass wir am Samstag eine bessere Reifenwahl treffen können, wenn die Strecke nicht mehr so grün ist", gesteht der Franzose. Da es in der Nacht auf Samstag regnete und somit sämtlicher Gummiabrieb beim Teufel war, ging die Rechnung nicht auf. "Wir haben nicht so niedrige Temperaturen erwartet und wir hatten definitiv nicht genügend Informationen, um einen guten Reifenvergleich vorzunehmen", gibt Todt offen zu.

Das Rennen mit seinen vier Safety Car-Phasen verschlimmerte nur das Problem der Scuderia, weil die Reifentemperaturen beim Langsamfahren natürlich in den Keller fallen. Daher ist es auch nicht wirklich sensationell, dass Tonio Liuzzi mit seinem Toro Rosso den Ex-Weltmeister überholen konnte: "Das lag ausschließlich an den Reifen. In jenen Phasen, in denen die Reifen Betriebstemperatur vorwiesen, war Michael um rund zwei Sekunden schneller als die Toro Rosso."
Die Pace ist da...
Auf diesen Umstand, dass Ferrari mit ausreichend temperierten Pneus sehr wohl vorne mitfahren kann, baut auch Michael Schumacher - auf seiner Website schreibt er: "Gottseidank kann man sich in der Formel 1 auf Zahlen stützen - und die zeigen eindeutig, dass wir – wenn die Reifen Betriebstemperatur hatten – in der absoluten Spitze dabei waren." Er fügt hinzu: "Das ist das, was uns allen Hoffnung macht: Dass die Pace da ist. Nun müssen wir sie im Rennen umsetzen."
Aus diesen Gründen sieht Schumacher auch keine Wiederholung des Krisenjahres 2005 auf die Scuderia zukommen: "Das ist diesmal etwas ganz anderes, diesmal sind wir viel konkurrenzfähiger und stehen mit unserem gesamten Paket viel besser da, als sich das momentan darstellt. Nur konnten wir das über das Wochenende hinweg eben nicht beweisen."
Diesen Beweis möchte man beim Heimspiel in drei Wochen in Imola nachreichen: "Für Imola haben wir Verbesserungen am Auto zur Verfügung, aerodynamisch und im Motorenbereich, und daher hoffen wir, dort besser abzuschneiden. Wir werden uns in den nächsten drei Wochen äußerst intensiv darauf vorbereiten."

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