"Ob das der Didi [Mateschitz, d. Red.] gut findet, wenn ein Red Bull-Team das andere anzeigt? Wichtig ist, dass sie Punkte machen - und die Engländer sollen nicht so zimperlich sein und die Italiener anzeigen!" - Red Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko konnte sich das Lachen nicht verkneifen, als ihm bei seinem Gastauftritt im Studio der ORF-Sendung "Sport am Sonntag" die aufgebrachte Wortmeldung von Dreifachweltmeister und TV-Experte Niki Lauda zugespielt wurde.

Marko erklärte dazu: "Ich muss da einiges korrigieren: Weder Red Bull Racing noch David Coulthard haben eine Anzeige erstattet. Coulthard hat via Funk dem Team gemeldet, er sei vom Gas gegangen, als er die gelbe Flagge gesehen hat und Scott habe ihn überholt. Der Boxenfunk wird jedoch abgehört und aufgrund der vielen Vorfälle ist das erst später herausgekommen - die Stewards haben ganz normal von sich aus ermittelt."

Hätte Red Bull Racing von sich aus eine Beschwerde oder eine Anzeige gegen Scott Speed in die Wege geleitet? Marko schüttelte sein Haupt: "Nein, beide Teams sind Red Bull - und wir sind für den Sport da und machen das nicht am grünen Tisch aus. Andererseits gibt es eben Regeln, Scott Speed hat einen Fehler gemacht." Zudem hat Scott Speed bei der Anhörung durch die Herren Kommissare auch ziemlich rüde argumentiert, was ihm bekanntlich eine saftige Geldstrafe wegen seines "inakzeptablen Betragens" einbrachte. Marko sagte dazu: "Scott ist ein sehr emotionaler Mensch und er war bei der Anhörung nicht sehr diplomatisch - die 5.000 Dollar Strafe sollen zu seiner Erziehung beitragen."

Helmut Marko und Niki Lauda - im Jahre 1972., Foto: Sutton
Helmut Marko und Niki Lauda - im Jahre 1972., Foto: Sutton

Obwohl der Konsulent und Berater von Dietrich Mateschitz nicht in Down Under vor Ort war, konnte Marko aufklären, wie es im Albert Park zu dem spektakulären Unfall seines Schützlings Christian Klien kommen konnte: "Es sind [unter anderem bei dem Startgerangel mit Felipe Massa, d. Red.] Teile des Unterbodens beschädigt worden, im Laufe der Runden danach sind mehr und mehr Teile weggeflogen. Deshalb hatte er nicht mehr den üblichen Anpressdruck - zusammen mit den kalten Reifen hatte das zur Folge, dass die Räder blockiert haben."

Natürlich sei Klien an diesem Crash unschuldig, betonte Marko, der den Hohenemser schon nach dem Auffahrunfall von Sepang mit den Worten "Wer nichts riskiert, wird auch nichts gewinnen" in Schutz nahm. Aber: "Er hatte vielleicht nicht den besten Start, denn der Massa kam von Startplatz 15, der war hinter ihm - und die waren alle zu dritt in der Kurve. Und zu dritt geht es halt nicht." Und: "Wenn man zu den besten zehn in der Startaufstellung gehört, dann ist die Kollisionsgefahr nach dem Start viel geringer. Wir müssen also weiter nach vorne kommen."

Dies soll gemeinsam mit Adrian Newey vonstatten gehen, der laut Marko bereits "bei unserem Kühlproblem mitgeholfen hat und relativ schnell eine Lösung dafür finden konnte". Dazu sollen eine neue Ausbaustufe des Ferrari-V8 gezündet und ein zweiter Windkanal in Betrieb genommen werden. Derzeit seien "Renault und McLaren ganz klar vorne", analysierte Marko. Dahinter würden Honda und Ferrari kommen, danach ein "starkes Mittelfeld mit Toyota, Williams, BMW Sauber und mit uns", fügte er hinzu. Und daher lautete sein knappes Fazit nur: "Wir müssen besser werden!"