Dass sein eher enttäuschender fünfter Platz im Qualifying in Montreal etwas damit zu tun gehabt haben könnte, dass er an diesem Wochenende mit seinen Gedanken eher ein bisschen bei runden Bällen als bei runden Reifen ist, dieses Gerücht wollte Michael Schumacher dann aber doch aus der Welt geschafft haben.
Natürlich hatte er am Samstag Mittag im Ferrari-Motorhome das deutsche 2:0 gegen Schweden gesehen, "und es hat mich sehr gefreut. Ich war im Briefing etwas unkonzentriert", gab er zu, um dann aber doch zu betonen: "Was aber hoffentlich keine Rückschlüsse auf mein Resultat im Qualifying zulässt! Ich habe die Daumen gedrückt und mich tierisch gefreut - nicht nur für die Deutschen, sondern auch für Lukas, der zwei tolle Möglichkeiten genutzt hat. Schade für Michael Ballack, der viele Möglichkeiten hatte, aber leider kein Tor machen konnte. Unser Turnier dauert aber hoffentlich noch ein wenig..."
Auf dass dann nächsten Freitag in Indy angesichts des Viertelfinales gegen Argentinien wohl das freie Training nur noch eine absolute Nebenrolle spielt. Bereits in Montreal konnte man den Eindruck gewinnen, dass selbst die absoluten Profis der Formel-1-Welt, ob Fahrer, Techniker oder Teamchefs, einen Teil ihrer immer selbst so gern beschworenen Professionalität und Konzentration auf den eigenen Job davon rollen ließen, sobald auf einem im Blickfeld befindlichen Bildschirm ein Ball in Richtung Tor zu rollen begann.

Zumindest taten die Deutschen dem Formel-1-Feld den Gefallen, ihr Achtelfinale in der regulären Spielzeit zu entscheiden. Gerade die Engländer im Fahrerlager - immer noch in der Mehrheit - hatten nämlich nur eine große Sorge: "Wenn das Spiel England gegen Ecuador am Sonntag in die Verlängerung geht, dann geht das voll in den Grand Prix hinein - was für eine Katastrophe!"
Dass die Argentinier am Samstag Abend schon länger brauchten als erwartet, war da noch harmlos, sorgte höchstens dafür, dass das normalerweise schon gegen halb fünf Uhr nachmittags Ortszeit fast wie ausgestorben da liegende Fahrerlager auf der Ile de Notre Dame im St. Lorenz-Strom noch deutlich bevölkerter war. So waren die einzigen Leidtragenden dieser Verlängerung höchstens die Montrealer Geschäftsleute - weil der Formel-1-Tross nicht ganz so früh wie sonst zum Shoppen und Kreditkarten-Zücken in die Stadt kam...
Ganz schlimm freilich auch, wenn der Fußball die sonst immer so beschworene Team-Harmonie gefährden könnte: Portugal gegen die Niederlande nach dem Rennen - da konnten die Midland-Fahrer Tiago Monteiro und Christijan Albers ihren Kampf von der Strecke gleich vor den Bildschirm verlagern. Mit dem RTL-Kommentatoren-Duo Christian Danner und Heiko Wasser als illustren Unterstützern jeweils einer Seite: Die haben nämlich eine Wette um ein Abendessen laufen - Danner pro Portugal, Wasser für die Holländer...
Dem Renault-internen Problem Spanien gegen Frankreich kann Fernando Alonso dagegen sicher aus dem Weg gehen. Schließlich braucht er sich am Dienstag, wenn dieses Achtelfinale steigt, nicht gerade in der Nähe seiner französischen Techniker und Mechaniker aufhalten. Und dass die ihm dann nächstes Wochenende in Indy ein schlechteres Auto hinstellen, sollte Frankreich gegen die Iberer gescheitert sein, ist ja auch nicht anzunehmen... Und Michael Schumacher und Felipe Massa könnten sich frühestens am 9. Juli in die Haare geraten - bei einem Finale Deutschland gegen Brasilien. Aber an dem Sonntag ist ja zum Glück kein Rennen...

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