Die deutschsprachige Fraktion hatte am Sonntag in Ungarn einen ganz klaren Sieger, Nick Heidfeld. Der Mönchengladbacher hatte mit seinem dritten Platz nicht nur einen ganzen Automobil-Konzern glücklich gemacht, sondern auch noch all jene versöhnt, die dachten, nach dem Ausfall von Michael Schumacher würde es bei der Pressekonferenz nach dem Rennen ohne Englischkenntnisse schwierig werden.
Aber Quick Nick hatte wie gesagt alle erlöst und war selbst auch sehr gelöst: "Das ist ein phantastischer Tag! Nicht nur für mich, sondern auch für das gesamte Team. Speziell, weil wir bei den letzten beiden Rennen etwas im Tief waren." Mit diesem Schub an Motivation soll es jetzt aber wieder bergauf gehen. Dumm nur, dass dieser Spritzer zusätzliches Selbstvertrauen drei Wochen vorhalten muss. Echte Profis können so etwas aber kompensieren.
Auch Ralf Schumacher hat ein wenig, wovon er in den nächsten drei Wochen zehren kann. Nach einem "turbulenten" Rennen freute er sich darüber "drei Punkte" mitnehmen zu dürfen - das ist mehr, als er sich nach der Anfangsphase des Rennens erträumen durfte. Denn auf nasser Bahn waren die Bridgestone-Pneus ihren französischen Pendants schlichtweg unterlegen. "Es war wie auf Eis", klagte Ralf, der Schwerstarbeit verrichten musste, um seinen TF106B auf der Strecke zu halten.
Völlig unerwartet kam nach dem Rennen auch noch Michael Schumacher zu einem Pünktchen. Da Robert Kubica nachträglich disqualifiziert wurde, rückte Schumacher auf Platz acht nach vorn, obwohl er nicht einmal die Ziellinie überquert hatte. Direkt nach dem Rennen hatte der Ferrari-Pilot deswegen auch noch folgendes gesagt: "Wir sind wieder genau da, wo wir angefangen haben, nur eben mit einem Rennen weniger." Doch jetzt hat er eben doch etwas, was er sich in den nächsten drei Wochen über das Bett hängen kann. Eine WM-Tabelle, wo ihm nur zehn Punkte auf Fernando Alonso fehlen. Und die können ja schnell aufgeholt sein, schließlich sah der Spanier in Ungarn auch nicht die Ziellinie.
Damit sind wir bei jenen beiden Piloten angelangt, die in den kommenden drei Wochen weniger schwelgen, sondern mehr nachdenken werden. Da wäre einerseits Nico Rosberg, der nach 20 Runden vorzeitig in die Sommerpause ging. "Ich versuchte einfach ins Ziel zu kommen und mit etwas Glück ein paar Pünktchen mitzunehmen - man kann ja nie wissen...", beschrieb er seine Strategie. "Dann hatte ich Elektronikprobleme - zunächst beim Hochschalten, dann auch beim Runterschalten. Das war's." So leicht kann es gehen. Die Elektronik versagt und die Urlaubszeit ist beim Teufel.
Oder bei den Bullen, wie auch immer man das sehen will. Christian Klien wird aber schon vor dem Rennen eher an ein Stoffwechselendprodukt der Tiere gedacht haben, als ihn die erste Hiobsbotschaft des Tages erreichte. "Ich musste aus der Boxengasse starten, weil ich ein Problem mit meinem Auto hatte, also musste ich im Rennen richtig Druck machen." Dieser Druck führte dann dazu, dass er seine Sommerferien noch früher beginnen konnte als Nico Rosberg, nämlich bereits nach acht Runden. "Ich überholte ein paar Autos, war aber dann in einer Kurve etwas zu schnell, und das wars, ich war schon im Kies", beschrieb er Ausgang seines Rennens. Bleibt nur zu hoffen, dass ihm im Sommer die Bullenexkremente aus dem Kopf gehen.

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