Der Formel E steht an diesem Wochenende selbst für die allzeit sehr enge Meisterschaft eine besonders spannende Titelentscheidung bevor. Ganze neun Piloten haben rechnerisch noch die Chance auf die begehrte Weltmeisterschaft – so viele wie seit dem irren Finale 2021 nicht mehr, bei dem sogar ganze 18 Fahrer sich vor dem finalen Rennwochenende noch Chancen ausrechnen konnten.
Von der Pole Position geht dabei Jake Dennis im Andretti-Porsche ins Wochenende. Der Weltmeister von 2023 hat dabei mit 146 Punkten zwei Zähler Vorsprung auf Mitch Evans im Jaguar. Porsche-Werksfahrer Pascal Wehrlein befindet sich trotz einer Nullnummer beim letzten Rennwochenende in Tokio mit nur fünf Punkten Rückstand auf Dennis ebenso noch voll im Titelkampf.
Enger Titelkampf in der Formel E: Wer krönt sich zum Weltmeister?
Das ist nicht nur insofern eine besondere Ausgangsposition, als dass Dennis und Wehrlein sich in der Vergangenheit immer mal wieder nicht ganz so grün waren, sondern auch, da Andretti an diesem Wochenende zum letzten Mal als ein Porsche-Kundenteam antritt. Ab der im Dezember beginnenden Gen4-Ära geht das US-amerikanische Team fortan als Nissan-Kunde an den Start.
Sollten Dennis oder Wehrlein am Ende das Rennen machen, würden sie sich zum ersten Doppel-Weltmeister der Formel-E-Geschichte küren (Jean-Eric Vergne wurde zwar 2018 und 2019 Champion, die Formel E erhielt aber erst 2021 den Status einer Weltmeisterschaft; d. Red.). Selbiges gilt für Oliver Rowland (Nissan), der als amtierender Weltmeister sogar als erster Fahrer den WM-Titel verteidigen könnte. Rowland belegt aktuell P4 mit 14 Zählern Rückstand auf Dennis.

Mitch Evans vor Jaguar-Abschied: Klappt es noch mit dem langersehnten Titel?
Für Evans wiederum wäre der Titel das Ende einer ganz besonderen Reise mit Jaguar, die der Neuseeländer nach diesem Rennen verlässt – Gerüchten zufolge Richtung Neueinsteiger Opel. Seit zehn Jahren fährt Evans für den britischen Autohersteller und verpasste dabei immer wieder haarscharf den Titel, 2022 und 2024 wurde er Vizeweltmeister. Mit der ersehnten Weltmeisterschaft klappte es aber teilweise aus Pech, teilweise aus eigenen Fehlern nicht. Reicht es nun doch noch zum Abschied?
Evans sicherte sich zumindest im ersten Training mit einer Zeit von 1:08.175 Minuten den ersten Platz. Damit hatte der 32-Jährige 0,183 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Nyck de Vries, der sich als Neunter mit 52 Zählern Rückstand auf Dennis gerade so noch rechnerische Titelchancen machen kann. Wehrlein belegte P3 vor Taylor Barnard (DS Penske) und Dennis. Antonio Felix da Costa (Jaguar, P6 in der WM, 33 Punkte hinter Dennis), Edoardo Mortara (Mahindra, P5 in der WM, 30 Punkte hinter Dennis) und Nico Müller (Porsche, P8 in der WM, 44 Punkte hinter Dennis) belegten die Positionen sechs bis acht.
Die Top-10 wurden von Sebastien Buemi im Envision-Jaguar und Nick Cassidy (Citroen-DS, P7 in der WM, 42 Punkte hinter Dennis) abgeschlossen. Buemi bestreitet an diesem Wochenende das letzte Formel-E-Rennen seiner Karriere. Der Champion von 2016 hatte sein Karriereende in dieser Woche bekanntgegeben. Zusätzlich werden an diesem Wochenende auch zahlreiche weitere Abschiede gefeiert. Auch Buemis langjähriger Rivale Lucas Di Grassi (Lola Yamaha Abt) hängt mit 42 Jahren die Schuhe an den Nagel. Anders als Buemi, der weiter in der Langstrecken-WM WEC für Toyota an den Start gehen wird, plant Di Grassi keine Renneinsätze im nächsten Jahr.
Zahlreiche Abschiede: Abt vor letztem Formel-E-Rennen
Auch für einige Teams ist es der finale Auftritt in der Formel E. Das deutsche Team Abt Sportsline verabschiedet sich nach dem Comeback in die Elektrorennserie 2023 diesmal endgültig. Partner Lola Yamaha, die im vergangenen Jahr die Rennlizenz von den Äbten übernommen hatten, führen das Team in Zukunft in Eigenregie weiter. Für Hersteller DS Automobiles, der aktuell als Partner vom US-amerikanischen Penske-Team fungiert, ist ebenfalls Schluss. Der französische Autobauer macht ab der nächsten Saison für Stellantis-Konzernschwester Opel Platz, die mit einem eigenen Werksteam an den Start gehen. Wie es mit Penske weitergeht, ist trotz zahlreicher Gerüchte nach wie vor unklar.
Während sportlich Porsche sich den Hersteller-Titel derweil bereits sichern konnte, geht es auch in der Team-Weltmeisterschaft noch eng zu. Dort hat das Jaguar-Werksteam aktuell die Nase vorne mit 14 Punkten Vorsprung auf Porsche. Andretti liegt bereits 46 Zähler zurück an dritter Stelle, nur einen Punkt vor Mahindra, das sich ebenfalls noch rechnerische Chancen auf den ersten WM-Titel des indischen Autobauers ausrechnen kann.
Das erste von zwei Rennen an diesem Wochenende startet am morgigen Samstag um 16:00 Uhr deutscher Zeit. Das Qualifying findet um 11:40 Uhr statt. Zuvor steht um 09:30 Uhr eine weitere Trainings-Sitzung an.


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