Porsche wird entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung doch kein zweites Werksteam in der kommenden Formel-E-Saison einsetzen, die am 18. Dezember 2026 in Jeddah, Saudi-Arabien beginnen soll (zum Rennkalender). Dennoch stehen wohl wie bisher sechs Fahrzeuge mit Antriebssträngen aus Weissach in der Startaufstellung.
"Wir machen kein zweites Werksteam", bestätigte Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com, und erklärte: "Es sieht danach aus, dass es ein zweites Kundenteam geben wird." Der im November 2025 öffentlich kommunizierte Schritt, ein zweites Werksteam auf die Beine zu stellen, ist damit offiziell vom Tisch.

Neues Formel-E-Team mit Porsche-Kundenautos
Stattdessen soll ein nagelneues Kundenteam mit zwei Porsche-Formelwagen an die Stelle des zusätzlich geplanten Werksteams treten. Dabei handelt es sich laut einem Bericht des gut informierten Fachportals 'FE Notebook' um ein britisches Unternehmen mit dem Namen 'Fusion Formula E Team', das über Ecken mit Formel-1-Weltmeister Lando Norris verbandelt ist. Der McLaren-Star soll aber nicht direkt in dieses Projekt involviert sein.
Als Teamchef soll der frühere Jaguar- und DS-Penske-Mann Phil Charles fungieren, der aktuell und sehr kurzfristig nach Personal sucht. Porsche will dem neuen Kundenteam bei der Vorbereitung der Autos und mit der üblichen Ingenieurs-Unterstützung unter die Arme greifen. Das ambitionierte Ziel lautet, beim offiziellen Vorsaison-Test der Formel E im spanischen Jarama (16.-20. November 2026) aufzuschlagen.
Fusion wäre neben Cupra Kiro das zweite Kundenteam, das zusätzlich zur Werksmannschaft um den zweifachen Weltmeister Pascal Wehrlein und Nico Müller mit Porsche-Power an den Start geht. Zu den Fahrern des neuen Teams ist noch nichts bekannt. Porsche-Werkspilot Ayhancan Güven gilt als heißer Anwärter - falls die FIA eine Ausnahmegenehmigung erteilt, weil der DTM-Champion von 2025 nicht genügend E-Lizenz-Punkte hat. Laudenbach: "Wir schauen gerade, ob wir gemeinsam mit der FIA einen Weg finden."
Formel E: Starterfeld 2026/2027
| Team (Motor) | Fahrer 1 | Fahrer 2 |
|---|---|---|
| Andretti (Nissan) | Jake Dennis | Felipe Drugovich |
| Citroen (Stellantis) | Jean-Eric Vergne | Nick Cassidy |
| Cupra Kiro (Porsche) | Pepe Marti | Jake Hughes |
| Fortescue (Jaguar) | Taylor Barnard | Dan Ticktum |
| Jaguar (Jaguar) | Antonio Felix da Costa | ? |
| Lola (Yamaha) | ? | ? |
| Mahindra (Mahindra) | Nyck de Vries | Edoardo Mortara |
| Nissan (Nissan) | Oliver Rowland | Zane Maloney |
| Opel (Stellantis) | Mitch Evans | Theo Pourchaire |
| Envision (Jaguar) | Maximilian Günther | Zak O'Sullivan |
| Porsche (Porsche) | Pascal Wehrlein | Nico Müller |
| Fusion (Porsche) | ? | ? |
Warum gibt es nun doch kein zweites Porsche-Werksteam?
Auf die Frage, ob die Abkehr von einem zweiten Werksteam der wirtschaftlich schwierigen Lage des Porsche-Konzerns geschuldet sei, antwortete Laudenbach: "Nein, es war nicht primär eine finanzielle Entscheidung, aber das hat auch eine Rolle gespielt. Grundsätzlich war unsere Priorität, dass wir die sechs Autos am Start haben. Und danach sieht es aus."
Der Sparkurs im Porsche-Konzern dürfte eine bedeutsame Rolle gespielt haben, wie es schon 2025 beim Ausstieg aus der WEC der Fall war. Beim zweiten Formel-E-Werksteam wäre Porsche auf externe Sponsoren angewiesen gewesen, weil es vom damaligen Vorstand angeblich kein zusätzliches Budget gegeben hätte. Das war wohl der Grund, warum Porsche seine Pläne zu einem überraschend frühen Zeitpunkt Ende letzten Jahres kommuniziert hatte.
Ein weiterer Faktor für das Aus des zweiten Werksteams dürfte der damit verbundene, regulatorische Mehraufwand gewesen sein. Die Formel E arbeitet ähnlich wie die Formel 1 unter einer Budget-Obergrenze, die Fehltritte mit hohen Geldstrafen ahndet. "Dass wir bei zwei werksseitigen Fahrzeugen bleiben, vermeidet in erster Linie zusätzlichen Aufwand", sagte Laudenbach.

Porsche und Jaguar bilden Hälfte des Formel-E-Starterfeldes
Die FIA beäugte die Idee eines zweiten Werksteams kritisch, und die Konkurrenz im Fahrerlager der Elektro-Rennserie war wenig überraschend alles andere als begeistert. Allerdings: Jaguar - seit Jahren der große Konkurrent von Porsche - hat sich mit dem neugegründeten Rennstall Fortescue (Nachfolger von DS-Penske und langjähriger Technikpartner von Jaguar) selbst ein verkapptes Werksteam ins Haus geholt.
Der Autobauer aus Großbritannien bringt 2026/27 ebenfalls sechs Autos durch das eigene Werksteam sowie zwei Kundenrennställe an den Start. Damit bilden Jaguar und Porsche die Hälfte des Starterfeldes der 24 Fahrzeuge.
Ungeklärt bleibt die Frage, ob Porsche selbst oder das neue Fusion-Kundenteam die notwendige Startlizenz der Formel E hält, die einen zweistelligen Millionenbetrag wert sein dürfte. Laudenbach äußerte sich kryptisch: "Grundsätzlich ist das sehr eindeutig geregelt in der Formel E. Wenn ich eine Lizenz besitze und sie nicht einsetze, dann fällt sie nach einer Zeit automatisch zurück an die Formel E. Oder ich verkaufe sie an jemanden, der sie benutzen möchte." Auch Porsche wollte sich auf weitere Nachfrage nicht äußern.
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