Die Augen waren beinahe so groß wie die offenen Münder, als McLaren-Mercedes im Dezember bekannt gab, dass man Weltmeister Fernando Alonso ab 2007 unter Vertrag genommen hat. Nach dem Verdauen der Sensationsmeldung stellte sich die Frage: Wie erklärt dies Alonso-Manager Flavio Briatore seinem Arbeitgeber Renault, wo er schließlich Teamchef ist? Doch nur wenig später erklärte Alonso, dass der Deal ohne jedes Wissen von Herrn Briatore ausgehandelt wurde. Dieser meldete sich ebenfalls zu Wort und bestätigte die Aussage von Alonso: "Er hat McLaren auf eigene Faust kontaktiert und mit ihnen verhandelt."

Ruhig und ohne jede Verärgerung sprach Briatore darüber, dass sein wertvollstes Schmuckstück eigenhändig hinter seinem Rücken einen neuen Deal ausgehandelt hat. Irgendwie unglaubwürdig - ein Sizilianer, der ausgetrickst wurde, hätte wohl zumindest Ron Dennis zum Teufel gewünscht. Das dürfte sich auch Briatore gedacht haben - weshalb er die nötige Erzürnung spät aber doch nachgeholt hat. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte Briatore: "Die Bekanntgabe von McLaren war respektlos. Das war alles andere als angenehm. Man sollte in der Formel 1 mehr Respekt voreinander zeigen. Ron Dennis hat seit sieben Jahren keinen WM-Titel mehr gewonnen und daher möchte er die guten Nachrichten jetzt selbst erzeugen."

Fast einen Monat später regt sich Briatore plötzlich öffentlich auf - womit er das Gegenteil erwirkt: Man wird ein bisschen stutzig. Hinzu kommen die Gerüchte über einen möglichen Ausstieg von Renault. Niemand anderer hat so viel Einblick hinter die Renault-Kulissen wie es Briatore hat. Sollte Renault tatsächlich Ausstiegspläne hegen, dann wäre Briatore in einer prekären Situation gewesen - der klassische Interessenskonflikt in einer Doppelfunktion. Der Renault-Teamchef will den Weltmeister halten, der Alonso-Manager will seinen Fahrer in das Team mit der besten Zukunft lotsen. Briatore wiederholte jedenfalls seine Aussage, wonach er nichts von dem Deal gewusst habe: "Er hat das auf eigene Faust getan. Er ist jetzt seit fünf Jahren bei Renault und es war klar, dass er nicht sein ganzes Leben bei uns verbringen wird. Wenn du der Stärkste bist, ist es nur logisch, dass man eine neue Herausforderung sucht.".

Aber einfach so an Briatore vorbei? Vor zwanzig Jahren durchaus vorstellbar, doch in der heutigen Formel 1 brauchen die Fahrer nur noch an ihren Job zu denken, das Management erledigt das gesamte Tagesgeschäft. Zudem ist es schwer vorstellbar, dass sich Briatore in seinem Managementvertrag mit Alonso nicht abgesichert hat vor einem Alleingang oder Managerwechsel. Eines ist klar: Briatore wird niemals öffentlich erklären, dass er als Renault-Boss den amtierenden Weltmeister an den Erzkonkurrenten verkauft hat. Damit würde er als illoyal gebrandmarkt werden und niemand mehr würde ihn mangels Vertrauen als Teamchef einstellen wollen. In wie weit Briatore an dem Deal beteiligt war, weiß nur einer respektive eines: Sein Bankkonto.