Böswillig könnte man sagen, dass der neue FW28, mit dem Williams zu altem Ruhm zurückkehren möchte, ein zusammen gewürfelter dunkelblauer Karbonhaufen ist: Von Bridgestone kommen neue Reifen, von Cosworth der neue V8-Motor, von Williams das neue Chassis und die neue Lackierung und direkt aus der GP2 der neue Fahrer Nico Rosberg.
Doch wer genauer hinsieht, erkennt unter der neuen Lackierung einige Feinheiten, die sich Technikchef Sam Michael und seine Truppe haben einfallen lassen. So setzt der FW28, wie schon dessen Vorgänger in den letzten beiden Saisonrennen 2005, auf einen geschwungenen Frontflügel.
Bei der Vorderradaufhängung einigten sich der neue Chefdesigner Jörg Zander und Chefaerodynamiker Loic Bigois auf eine Zero-Keel-Lösung, wie sie auch McLaren im letzten Jahr einsetzte. Ausgetüftelt wurde diese erstmals in zwei vollkommen funktionstüchtigen Windkanälen. Ob die Kalibrierungsprobleme des neuen Kanals behoben wurden, werden wir aber erst beim Streckendebüt des FW28 am Dienstag und im Laufe der Saison erfahren.
"Der FW28 ist ganz anders als die bisherigen Williams Designs", betont Sam Michael. "Das liegt vor allem an unseren neuen Zielen im Bezug auf die aerodynamische Effizienz, aber auch an den mechanischen Änderungen, die nötig waren um die Bridgestone-Reifen und den Cosworth V8 einzupassen."

"Es war wirklich interessant dieses Auto zu designen und ich glaube, dass dies auch während seiner Weiterentwicklung der Fall sein wird."
Die Ziele für den FW28 sind jedenfalls hoch gesetzt. Entwicklungschef Patrick Head erwartet sich, dass der FW28 "Rennen gewinnen" wird. Und auch Michael sagt offensiv: "Der FW28 trägt eine große Last auf seinen Schultern, da er Williams an der Spitze zurückmelden soll. Es gibt in der F1 viele gute Teams und der Weg sie zu bezwingen ist ganz einfach: Man muss ein schnelleres Auto als sie bauen."
Aber nicht nur das Auto spielt 2006 eine gewichtige Rolle. Auch den neuen Achtzylinder-Triebwerken kommt eine große Bedeutung zu. "In Folge der dramatischen Änderung des Motorenreglements, erwartet uns 2006 ein extrem spannendes Jahr." Cosworth-CEO Tim Routsis geht die Saison mit einem "vorsichtigen Optimismus" an.
"Unsere Partnerschaft mit Williams wächst immer besser zusammen und unsere große Motivation hat bereits sehr ermutigende Ergebnisse hervorgebracht." Der neue CA2006 V8 wurde im November erstmals in einem FW27C Interimsauto getestet und hat seitdem über 7.000 Kilometer zurückgelegt. Die bisherigen Testdaten lassen dabei "eine konkurrenzfähige Saison" erwarten.
Das wäre sowohl dem Williams Team als auch den Cosworth-Leuten zu wünschen. Denn nach Jahren im Mittelmaß möchten beide sich wieder zu alten Erfolgen aufschwingen. "Wir haben beide in diesem Jahr etwas zu beweisen", betont Motorenmann Alex Hitzinger, "und dann sind wir am Besten."



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