33 Jahre, 690 Rennen und mehr als 700 gefahrene Runden - diese beeindruckenden Meilensteine gehören zu einem ganz besonderen Fahrzeug in der Formel 1: dem Safety-Car. Seit 1993 ist das Safety-Car permanenter Bestandteil eines Rennwochenendes, nachdem es bereits in den 70er und 80er Jahren vereinzelte Einsätze gab. Im Jahr 2015 kam das Virtuelle Safety-Car (VSC) als alternative Maßnahme hinzu. Doch was unterscheidet das Safety-Car vom Virtuellen? Und wie entscheidet die Rennleitung, welche Art von Safety-Car wann zum Einsatz kommt? Motorsport-Magazin.com beantwortet die wichtigsten Fragen zum Safety-Car der Formel 1.

1. Was ist der Unterschied zwischen dem Safety-Car und dem Virtuellen Safety-Car?

Obwohl beide Arten des Safety-Cars den Sinn haben, die F1-Piloten nach Unfällen sicher über die Strecke zu leiten, gibt es doch ein paar Unterschiede. Einer dieser Unterschiede ist bereits mit bloßem Auge klar erkennbar: Das Safety-Car ist ein reales Auto und wird von einem Fahrer gelenkt, während das virtuelle Safety-Car, wie es der Name schon sagt, nicht physisch auf die Strecke kommt. Es wird den Piloten lediglich über Signale am Lenkrad und digitale Bildschirme angezeigt. Auch in der Art des Einsatzes gibt es Unterschiede, aber dazu mehr in den weiteren Punkten.

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2. Wann kommt das Safety-Car auf die Strecke?

Laut dem offiziellen FIA-Regelwerk wird das Safety-Car auf Anordnung der Rennleitung auf die Rennstrecke geschickt, um eine Sprintsession oder ein Rennen zu neutralisieren. Notwendig wird das, wenn Personen einer unmittelbaren körperlichen Gefahr auf oder neben der Strecke ausgesetzt sind, die Situation aber stabil genug ist, um keine rote Flagge (Rennunterbrechung) zu erfordern.

3. Wie werden die Teams und Piloten über den Safety-Car-Einsatz informiert?

Sobald die Rennleitung den Einsatz beschließt, wird die offizielle Systemmitteilung "Safety-Car deployed" [übersetzt: "Sicherheitsauto eingesetzt"] an alle Teams übermittelt. Die hochauflösenden LED-Lichtpaneelen entlang der Strecke zeigen die Abkürzung "SC" an und die Marshals schwenken auf ihren Posten rund um die Rennstrecke die gelbe Flagge, bis das Safety-Car wieder in die Box abbiegt.

4. Wann wird der Safety-Car-Einsatz beendet?

Wenn die Strecke bereinigt wurde und/oder die Rennleitung die Strecke für sicher erklärt, bekommen die F1-Teams die Nachricht "Safety-Car in this lap" [übersetzt: "Safety-Car kommt in dieser Runde rein"]. Das Safety-Car schaltet daraufhin die gelben Lichter auf dem Dach aus. Sobald das Safety-Car die Boxengasse erreicht hat, bestimmt der Führende das Tempo und den Restart.

Wenn das Rennen unter Safety-Car zu Ende geht, biegt es trotzdem am Ende der letzten Runde in die Box ab. Die Piloten überfahren die Ziellinie und beenden das Rennen in der Reihenfolge, in der sie hinter dem Safety-Car gefahren sind.

5. Was muss unter Safety-Car beachtet werden?

Sobald die Meldung über den Einsatz des Safety-Cars erfolgt, müssen die Fahrer ihre Geschwindigkeit reduzieren und sich mit maximal zehn Autolängen Abstand in einer Linie hinter dem Safety-Car einreihen.

Das Überholen ist strengstens verboten. Ausnahmen gibt es nur, wenn das Safety-Car die Fahrer explizit dazu auffordert - dies geschieht meist, um überrundete Fahrzeuge vorbeizulassen. Das Überholverbot gilt auf der Rennstrecke, in der Boxeneinfahrt sowie in der Boxengasse selbst. Sollte die Regel missachtet werden, können Strafen verhängt werden. Auch für zu langsames, gefährliches oder unregelmäßiges Fahren können Strafen verhängt werden.

6. Wann wird das Virtuelle Safety-Car ausgerufen?

Laut offiziellem FIA-Regelwerk wird das VSC genutzt, um eine Trainingssession, Sprint-Session oder ein Rennen zu neutralisieren, wenn "auf einem Streckenabschnitt doppelt gelbe Flaggen benötigt werden und Teilnehmer oder Offizielle in Gefahr sein könnten, die Umstände jedoch nicht so gravierend sind, dass der Einsatz des Safety-Cars selbst gerechtfertigt wäre." Dann wird die Nachricht "VSC deployed" [übersetzt: "VSC eingesetzt"] an alle Teams gesendet. Die hochauflösenden LED-Lichtpaneelen entlang der Strecke zeigen die Abkürzung "VSC" an.

7. Was muss unter Virtuellem Safety-Car beachtet werden?

Wie auch unter dem Safety-Car darf kein Auto unnötig langsam, unregelmäßig oder gefährlich bewegt werden. Dies gilt unabhängig vom Aufenthaltsort auf der Rennstrecke. Alle Fahrer müssen ihr Tempo auf ein von der FIA reglementiertes Minimum (die sogenannte Deltazeit) reduzieren. Wer das Delta unterschreitet, kassiert eine Zeitstrafe.

Der große Unterschied zum echten Safety-Car: Die Abstände zwischen den Autos bleiben beim VSC nahezu identisch. Da alle Piloten exakt dasselbe Tempofenster einhalten müssen, kann niemand zum Vordermann aufschließen.

8. Wann wird das Virtuelle Safety-Car beendet?

Die Rennleitung beendet das Virtuelle Safety-Car, sobald die Strecke wieder sicher ist. Die Nachricht "VSC ending" wird den Teams übermittelt - 10 bis 15 Sekunden später schalten die LED-Paneele auf der Strecke auf Grün um, und die Fahrer können die Session wie gewohnt fortführen.

9. Welches Fahrzeug-Modell fährt der Safety-Car-Pilot?

Von 2022 bis 2025 teilten sich zwei verschiedene Marken die Rechte für das Safety-Car der Formel 1. Je nach Grand Prix stand entweder ein Mercedes AMG GT Black Series oder ein Aston Martin Vantage S, mit Bernd Mayländer als Pilot bereit, um im Ernstfall auf der Strecke einzugreifen. Ab 2026 ist Mercedes aber wieder alleiniger Safety-Car-Bereitsteller und feierte beim Grand Prix von Austin 2025 den 500. Safety-Car-Einsatz seit 1996.

10. Woher bekommt der Safety-Car-Pilot seine Informationen?

Bernd Mayländers Einsatzfahrzeug, der Mercedes-AMG GT 63 PRO 4MATIC+, verfügt über hochentwickelte Technik. Das Kommunikationssystem ist im Heck verbaut, die Funkantenne für das Radio sitzt auf der Kofferraumklappe.

In der Fahrerkabine sind mehrere Bildschirme verbaut, die ihm Rundenzeiten, die GPS-Positionen der Fahrer und vieles mehr anzeigen. Sein Co-Pilot Richard Darker ist verantwortlich für den Funk, über den sie mit der Rennleitung und dem Renndirektor direkt verbunden sind.

11. Welche strategischen Konsequenzen hat das Safety-Car für einen Sprint und Grand Prix?

"Billiger Boxenstopp": Unter SC schrumpft das "Pit Delta". Ein Reifenwechsel kostet einen Fahrer netto nur etwa die Hälfte der normalen Zeit (10 bis 13 Sekunden). Die genaue Zeit ist abhängig von der Rennstrecke.

Feld-Kompression: Die Abstände im Feld werden durch das SC eliminiert, da sich das gesamte Feld hinter dem Safety-Car sammeln muss. Undercut- und Overcut-Pläne haben keine Wirkung mehr und auch der Führende verliert seinen Vorsprung.

Sprit- und Energiemanagement: Alle Fahrer reduzieren unter SC die Geschwindigkeit, wodurch Benzin gespart wird und sich die Batterie wieder aufladen kann. Das ist vor allem in der derzeitigen Hybrid-Ära wichtig.

12. Was passiert, wenn das Safety-Car selbst ein Problem hat?

In diesem Fall steht ein weiteres Safety-Car bereit, um das restliche Wochenende auszuhelfen. Es kommt zwar nicht oft vor, dass ein Safety-Car ausgetauscht werden muss, doch unmöglich ist es nicht, wie Bernd Mayländer in Monza 2024 zeigte.