Schon seit mehreren Rennen wiederholt sich Esteban Ocon wieder und wieder in Interviews. Irgendwas müsse an seinem Formel-1-Auto nicht stimmen. Das Thema beschäftigt Haas vor dem nächsten Grand Prix in Silverstone weiter. Ocons Aussagen finden nur jetzt nicht die Bestätigung vonseiten seines Teamchefs, die man hätte erwarten mögen.

Ocon verkündete am Donnerstag in Silverstone, dass man auf der Suche nach seinen Problemen mit viel zu wenig Grip am Heck erneut Teile durchrotieren würde. "Ein anderer Heckflügel, ein anderer Unterboden. Wir suchen das Problem, seit ein paar Events. Das Team pusht hart, um es zu identifizieren."

Laut Ocon ist es ein signifikanter Unterschied zwischen ihm und Teamkollege Oliver Bearman, was spürbaren Grip auf der Hinterachse angeht. Es schränkt ihn bei Frontflügel-Einstellungen ein, und es belastet vor allem sein Reifenmanagement im Rennen, wenn die Hinterachse zu sehr rutscht "Wenn ich pushen will, richte ich den doppelten Schaden an. In Barcelona brauchte ich einen Zusatz-Stopp. In Österreich nicht, aber es war sehr schwierig, das Auto auf der Strecke zu halten."

Haas-Teamchef Ayao Komatsu sieht kein Ocon-Problem

Das Thema mag Ocon sehr beschäftigen, doch sein Teamchef Ayao Komatsu präsentiert in Silverstone ein paar Stunden später dann doch einen anderen Blickwinkel: "Es ist kein Problem im Sinne eines kaputten Teiles. Uns fehlt einfach Abtrieb im Highspeed-Bereich." Und das habe nichts mit Ocons Auto zu tun. Vielmehr sei das ein generelles Problem. "Als Team haben wir eines."

Komatsu scheut nicht vor dem Eingeständnis, dass Haas aktuell grundsätzlich ein Problem mit der Qualität der Bauteile hat. Das ist schon länger Thema beim Team. Eigentlich identische Teile liefern auf der Strecke nicht die identischen Ergebnisse. Dabei geht es vor allem um die Präzision in der Fertigung und um die Qualitätskontrolle, mit der sich das kleinste F1-Team, das auch sehr viel extern machen lässt, etwas schwertut: "Wir haben nicht die gleichen Fähigkeiten wie andere Teams."

Unter den Folgen leiden laut Komatsu aber beide Fahrer: "Bei Ollie etwa hat das Auto in FP1 in Montreal oder in FP3 in Barcelona überhaupt nicht funktioniert. Esteban hatte ein Problem am Freitag in Spielberg. Aber Samstag war in Ordnung. Der Umfang variiert, es ist kein Hintergrundrauschen, aber wir können den Umfang messen, und es ist nicht so, dass Esteban ein Problem hätte und Ollie nicht."

Sind die Ocon-Probleme nur das schwache Haas-Heck?

Für Komatsu ist daher der Fokus aktuell vor allem auf das Entwickeln von Updates zu setzen, welche das Heck des VF-26 generell stabilisieren. Hier ist man zurückgeblieben, hat vielleicht auch falsche Entscheidungen getroffen. An den letzten Wochenenden zeigte sich nämlich, dass der Haas immer noch richtig stark in langsamen Kurven ist.

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Komatsu verweist auf Q2 in Österreich: "Vor Kurve 6 war Ollie bis auf zwei Zehntel an allen dran. Dann kamen die mittelschnellen Kurven, eine kurze Gerade, und wir verlieren sechs Zehntel. Das Programm ist also klar. Hier fehlt uns Abtrieb. Uns fehlt kein Abtrieb, weil etwas kaputt ist. Wir haben nur in diesem Bereich nicht abgeliefert, und darauf fokussieren wir uns."

Bei den Gründen dafür sieht Komatsu eine Kombination: "Vielleicht sind wir nicht um 180 Grad falsch abgebogen, aber bei der Gewichtung hätten wir einen besseren Kompromiss treffen können. Aber wir wurden auch ausentwickelt - seht euch Racing Bulls an. Ein tolles Update in Montreal, auch ein gutes in Barcelona."

Dass Ocon mit einem losen Heck weniger gut zurechtkommt als Bearman wäre natürlich eine durchaus mögliche Erklärung. Nur scheint sich Ocon nach wie vor gegen so einen simplen Grund zu sperren. Fakt ist: Sein Rückstand in den letzten Rennen war groß, seine Rennpace schwach. Haas wirft mit Tests in alten Autos währenddessen Blicke auf junge Fahrer.