Kaum hat sich der Kampf um die Spitze in der Formel 1 etwas zusammengeschoben, werden die Giftpfeile und Sticheleien ausgepackt. Bei Ferrari sind ein paar Kommentare von Toto Wolff am Österreich-Wochenende zur Update-Strategie der Scuderia ganz schlecht angekommen. Teamchef Fred Vasseur kann das Thema in Silverstone jetzt schon nicht mehr hören.

Wolff hatte sich in Österreich sehr überrascht von der Zahl der Updates gegeben, die Ferrari gebracht hatte. Unverhältnismäßig groß, unverhältnismäßig viel: "Meiner Meinung nach muss ihnen bald das Geld aus der Kostenobergrenze ausgehen, denn wir können das nicht tun." Mehr von Wolff und die Zahlen aus der offiziellen Update-Liste gibt es hier:

"Ich fand es recht ironisch, dass das von Toto und Mercedes kommt", holt Fred Vasseur am Freitag in der Teamchef-Pressekonferenz von Silverstone gleich aus, als die erste unvermeidliche Frage zum Thema kommt. "Wenn Red Bull oder Mercedes entwickeln sind sie Genies. Wenn wir entwickeln, schummeln wir!"

Vasseur kontert Mercedes: Ferrari hat nicht mehr Teile gebracht

"Ich denke, ihr könnt euch beruhigen, wir haben nicht mehr Teile als Red Bull oder sonst jemand gebracht", meint Vasseur. Die reinen Zahlen aus der offiziellen Update-Liste der FIA geben ihm recht. Red Bull hat Stand Silverstone jetzt 31 veränderte Teile gemeldet und liegt auf dem ersten Rang, Ferrari mit 29 knapp dahinter. In Silverstone hat die Scuderia bloß die hinteren Bremskühlschächte minimal verändert.

Red Bull glänzt, Ferrari verzweifelt! Österreich: Tops & Flops (54:59 Min.)

Warum man sich noch vor der Sommerpause wie Wolff auf diese Update-Zahlen fixiert, versteht Vasseur sowieso nicht. Die Entwicklungsprogramme aller Teams laufen noch, werden bis in den Herbst laufen, und jeder hat seinen eigenen Rhythmus: "Wenn wir etwas zu Beginn bringen können, dann tun wir das. Besser ein paar Zehntel für fünf Rennen als für die letzten zwei."

"Manchmal ist es schwierig, Performance zu finden, manchmal weniger, und manchmal kann man das Gefühl haben, dass wir ein großes Update bringen, aber es sind bloß Modifikationen von ein paar Teilen und sonst nichts", unterstreicht Vasseur. Vollumfänglich ist diese offizielle FIA-Liste schließlich nicht. In ihr müssen die Teams nur Aero-Teile angeben, an denen sichtbare geometrische Veränderungen vorgenommen wurden.

Vasseur sauer: Unterstellt Toto Wolff Ferrari schon vorab den Regelbruch?

Die Spannweite ist groß. Manche Updates sind komplett neu gefertigte Teile. Andere können modular etwa an bestehende Unterböden gebaut werden. Und wenn Designer etwas konzipieren, kann sich das als eine sehr einfach zu entwickelnde Änderung herausstellen, oder sehr viele Aero-Ressourcen verlangen. Die absoluten Update-Zahlen sind interessant, sagen im Detail aber für Außenstehende kaum etwas darüber aus, wie viel Ressourcen und Geld nötig waren.

Außerdem hat Ferrari entsprechend der "Aerodynamic Testing Restrictions" des F1-Reglements mehr Windkanal- und CFD-Ressourcen als Mercedes, da die Limits hier von der WM-Platzierung abhängig sind und nur halbjährlich zurückgesetzt werden. Für das erste Halbjahr 2026 hatte Ferrari hier 85 Prozent der Referenzwerte, Mercedes nur 75 Prozent. Für das zweite Halbjahr wird Mercedes jetzt als WM-Führender 70 Prozent bekommen, Ferrari als Zweiter 75 Prozent.

Wolffs Gerede stößt für Vasseur gefährlich weit in Bereiche der unfairen Unterstellung eines Regelbruchs vor: "Wenn man denkt, dass wir die Kosten-Obergrenze überschreiten ... dann geht es für mich in diese Richtung." Zu tief will er bei seiner Retorte aber nicht sinken, als er gefragt wird, ob er von seinem eigentlich langjährigen persönlichen Freund Wolff enttäuscht ist: "Ich denke, es ist besser zu vermeiden, etwas zu sagen."

Wie ist Performance in der Formel 1 2026 realistisch einzuschätzen?

In der frühen Phase des neuen Aerodynamik-Reglements ist in Vasseurs Augen generell ohnehin das ganze Entwicklungsfeld viel zu volatil, um verlässliche Aussagen zu treffen. Weil die Autos noch so unausgereift sind, ist immer das Potenzial da, dass die Designer während der Entwicklung plötzlich auf eine neue konzeptuelle Goldmine stoßen, bei der es dann sehr schnell vorwärts geht.

Die aktuell fehlende Detailkenntnis bei den neuen Autos löst auch auf der Strecke variable Ergebnisse aus. In Miami kämpfte McLaren mit Mercedes um den Sieg, in Barcelona war es Ferrari, in Spielberg dann plötzlich Red Bull. "Wir sind am Beginn dieser Autos mit viel Raum bei der Performance auch beim Setup und Reifenmanagement, manchmal noch mehr als durch Updates", hebt Vasseur hervor.

"Also bringst du manchmal ein Update, es funktioniert, aber du machst einen Fehler beim Setup und fällst aus dem Fenster raus", meint Vasseur. Das spielt für ihn wohl auch mit eine Rolle, warum Ferrari in Barcelona so stark war, und in Österreich so schwach. "Wir müssen einfach ruhig bleiben."

Genauso irritiert reagiert Vasseur übrigens auf eine angebliche Krise von Charles Leclerc: "Zwei Rennen hinter seinem Teamkollegen ändert nicht das ganze Bild. Charles hat zwei, drei Rennen mit dem Setup gekämpft. Aber letzte Woche stand er in Österreich in der ersten Reihe." Was F1-Experte Christian Danner über Leclerc denkt, gibt es hier: