In der IndyCar steht Pato O'Ward seit mittlerweile über sechs Jahren bei McLaren unter Vertrag und wird auch in der kommenden Saison in Papayafarben nach Siegen jagen. Formel-1-Fans ist der Mexikaner mit irischen Wurzeln aber besser als Ersatzfahrer für die F1-Mannschaft aus Woking bekannt. Eine Rolle, die er seit 2022 bekleidet, und in der er regelmäßig Einsätze in FP1-Sessions und bei Testfahrten absolvierte.

Damit wird aber nach dem Ende dieser Saison Schluss sein. Denn wie O'Ward im Podcast seines IndyCar-Kollegen Conor Daly erklärte, wird er auf eigenen Wunsch hin diese Rolle nicht mehr länger ausüben. "Ich habe höflich gefragt, von allen meinen Verpflichtungen in der Formel 1 gefeuert zu werden", berichtete er von einem Gespräch mit McLaren-CEO Zak Brown.

Pato O'Ward: Gibt nichts, das mich als Reserve in der Formel 1 reizt

"Es gibt wirklich nichts, das mich reizt, als Reserve in der Formel 1 zu bleiben", gab er sich unmissverständlich und nannte mehrere Gründe. Einer davon ist, dass ihm die aktuelle Fahrzeug-Generation der Königsklasse nicht gefällt. "Wenn ich mir anschaue, wie die aktuellen Rennautos sind, dann begeistert es mich nicht unbedingt, eines zu fahren", so O'Ward. Die Boliden der 2026er-Generation, in denen etwa 47 Prozent der Leistung über den Elektro-Motor generiert wird, erfordern viel Energie-Management und sind seit Monaten Zielscheiben für Kritik von vielen aktuellen Formel-1-Fahrern.

"Ich bin dankbar für alle Erfahrungen und alle Dinge, die ich in der Formel-1-Welt lernen konnte, und dafür, dass ich diese Rennautos fahren durfte - vor allem in den letzten Jahren. Es war eine unglaubliche Erfahrung, zu sehen, zu was sie in der Lage sind", resümierte O'Ward seine Zeit als McLaren-Testfahrer.

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McLaren-Fahrer hat F1-Traum abgeschlossen: "Nur weil der Teller aus Gold ist…"

Ein weiteres Argument, das ihn zu seinem Rückzug bewogen hat, ist der Mangel an Freizeit. "Ich hatte in den letzten fünf Jahren keine Off-Season, und ich will auch mein Leben außerhalb des Rennsports genießen, denn dieser lastet mich wirklich voll aus und hat mich in den letzten fünf Jahren voll ausgelastet", berichtet er. Zudem sei er in der IndyCar-Serie glücklich. "Ich muss nicht noch berühmter sein, ich brauche nicht noch mehr Geld. Ich bin jetzt schon in einer Position, in der ich nie dachte, dass ich je sein würde."

Mit seinem Kindheitstraum Formel 1 hat er abgeschlossen und damit auch mit der Hoffnung, jemals doch noch zu einem Cockpit dort zu kommen. "Auch wenn ich kein Vollzeit-Fahrer war, habe ich gesehen, wie die Welt dort ist. Und ich denke ehrlich, dass das nichts für mich ist. Es ist kein Ort, an dem es mir so gefallen hat, wie bei den IndyCars", so O'Ward, der pointiert zuspitzte: "Nur weil der Teller aus Gold ist, heißt es nicht, dass das Essen gesünder ist."

Pato O'Ward und die Formel 1: Hatte er je eine Chance?

Eine realistische Chance auf ein Vollzeit-Cockpit in der Formel 1 bot sich O'Ward in den letzten Jahren keine, da bei McLaren beide Stammfahrerpositionen besetzt waren und sind und er auch bei der Konkurrenz nie wirklich im Gespräch war. Außerdem hatte er nicht immer die erforderliche Anzahl von 40 Superlizenz-Punkten auf seinem Konto, um überhaupt für einen F1-Führerschein in Frage zu kommen.

Pato O'Ward kam nicht nur mit McLaren in den Formel-1-Kosmos. Zu einem früheren Zeitpunkt in seiner Karriere hatte Red Bull Interesse an ihm gezeigt und ihn kurz nach seinem IndyCar-Debüt 2019 in das Nachwuchsprogramm aufgenommen. Anschließend ging er an einem F2-Wochenende und an drei Rennen der japanischen Super Formula an den Start, ehe der Deal nach nur etwa einem halben Jahr ein schnelles Ende fand und O'Ward stattdessen seinen ersten IndyCar-Vertrag bei McLaren unterschrieb.

Die Aussagen von O'Ward kommen nur wenige Tage nach seinem ersten Saisonsieg in Mid-Ohio, nachdem ihm zuvor in diesem Jahr eine Podiumsplatzierung verwehrt geblieben war. Aktuell befindet sich der McLaren-Pilot in der Meisterschaft auf der fünften Position, der Rückstand zu Tabellenführer Alex Palou ist mit 94 Punkten aber schon mehr als beträchtlich (maximal gibt es pro Wochenende 54 Zähler), weshalb es unwahrscheinlich erscheint, dass der aktuelle Vize-Champion noch ins Titelrennen eingreifen kann.

O'Ward teilt sich den Ersatz- und Testfahrerjob in diesem Jahr mit Leonardo Fornaroli. Der amtierende Formel-2-Champion kam zuletzt in Barcelona beim ersten Training zum Einsatz und durfte auch schon eine Reihe von TPC-Tests fahren, und das nicht nur bei McLaren. Im Juni nahm er bei einem derartigen Test in einem Haas Platz.