Lewis Hamilton ist nach dem Rennen der Formel 1 in Spa überzeugt: "Wir hatten die Pace, um heute zu gewinnen." Doch mit dem Sieg hatte der Rekordweltmeister zu keinem Zeitpunkt etwas zu tun, stattdessen schrammte er von einem Unglück ins nächste. Den Ausgangspunkt dazu setzte er selbst mit seinem unnötigen Abflug im dritten Training, der das Fass ins Rollen brachte. "Dadurch war das Setup nicht richtig und ich qualifizierte mich nicht dort, wo ich sein hätte sollen", so der Brite.
Das brachte ihn indirekt auch in den ersten großen Aufreger des Rennens in Kurve 5, als Hamilton im Zweikampf mit George Russell seinen ehemaligen Teamkollegen aus dem Rennen drehte. Dafür kassierte der Ferrari-Fahrer eine Strafe, die er nicht nachvollziehen kann. "Es war ein Rennunfall. Ich denke ehrlich gesagt nicht, dass es dafür eine Strafe geben sollte", so Hamilton.
Ferrari versteht Hamilton-Strafe nicht
Teamchef Fred Vasseur pflichtet ihm bei. "Es ist sehr hart. In Runde 1 haben wir bisher in dieser Saison keine derartigen Strafen gesehen und wenn man es sich anschaut, dann hatte Russell in der Kurve links genügend Platz", analysierte der Franzose. Die Stewards begründeten die Strafe allerdings damit, dass Hamilton aufgrund von Untersteuern Russell berührt hatte. Keine Absicht und keine grobe Fahrlässigkeit, merkten sie mildernd an, und beließen es deshalb bei fünf Sekunden anstatt der üblichen 10-Sekunden-Strafe.
Russell war mit Hamilton einer Meinung, denn das Unfallopfer sprach ebenfalls von einem Rennunfall, auch wenn er seinen Landsmann nicht vollständig von Schuld freisprach. Durch die Kollision hatte sich Hamilton ohnehin selbst bestraft. "Ich verlor eine massive Menge an Downforce", stellte der 106-fache Grand-Prix-Sieger fest. Eine genaue Zahl konnte er nicht nennen, der Schaden war aber offenkundig: "Links vorne war der vordere Teil des Unterbodens verschwunden."
Seine Meinung zur Strafe fiel nach dem Rennen eher in einem resignierten als in einem verärgerten Tonfall aus, denn für Ärger war nach dem Rennen kein Platz mehr. Dafür passierte im restlichen Rennverlauf noch zu viel. Vor allem der Boxenstopp von Hamilton hätte um ein Haar zu einem handfesten Desaster ausarten können.
Schreckmoment in Spa: Lewis Hamilton fährt Mechaniker an
Denn als Hamilton in Runde 20 nach seinem Reifenwechsel grünes Licht zum Losfahren bekam, wollte ein Mechaniker noch die Frontflügel-Einstellungen ändern und wurde vom losfahrenden Hamilton mit dem rechten Vorderreifen mitgenommen. Offenbar hatte das Ferrari-Crewmitglied nach dem Absitzen der Strafe zu lange gewartet, um seine Anpassungen vorzunehmen.
Hamilton zeigte sich von diesem Vorfall schockiert. Er erkundigte sich umgehend am Funk nach dem Ferrari-Mechaniker und bekam die Information, dass der Mechaniker okay sei. "Oh Gott! Ich bin einfach dankbar, dass sich der Mechaniker nicht verletzt hat", war Hamilton nach dem Rennen erleichtert. Erinnerungen kamen auf an ähnliche Vorfälle, etwa an den Bahrain-GP 2018, als Kimi Räikkönen einen Ferrari-Mechaniker anfuhr und dieser sich das Bein brach.
Das sei auch das erste gewesen, das Hamilton während des Rennens in den Kopf geschossen war. Aktuell läuft noch eine Untersuchung gegen Ferrari aufgrund des Vorfalls. Der Vorwurf lautet: Unsafe Release - also Losfahren in einem unsicheren Zustand. Hamilton geht nicht davon aus, dass er dafür eine sportliche Strafe kassieren wird. "Es lag mehr auf der Seite des Teams. Ich habe nichts [falsch] gemacht. Ich fuhr los, als das Licht grün wurde." Auch Vasseur betonte: "Es war kein Fehler von Lewis."
Die Stewards stimmten der Auffassung von Ferrari und verteilten keine sportliche Strafe, sondern beließen es bei einer Geldstrafe. In diesem Artikel findet ihr alle detaillierten Informationen dazu:
Dass aufgrund des Vorfalls der Frontflügel von Hamilton nicht umgestellt worden war, rächte sich anschließend auch noch sportlich. Denn dadurch befand sich die Balance des nun wieder WM-Zweiten nicht im richtigen Fenster und er büßte massiv Rundenzeit ein. So konnte er nur Oscar Piastri noch abfangen, nicht aber Max Verstappen auf P3, der im zweiten Stint ebenfalls keinen Grip fand.



diese Formel 1 Nachricht