Die Zukunft von Fernando Alonso in der Formel 1 wird nach dem Rennen in Ungarn eine in der Sommerpause zu klärenden Frage sein. Der 44-Jährige hatte seine Entscheidung für die kommenden Wochen bereits angekündigt. Doch noch lässt er sich nicht in die Karten schauen. Der Vertrag mit Aston Martin ist für ihn mit Blick auf 2027 die fixe Option. Doch sportlich ist das Team am Boden. Das große Update für Budapest wird daran erstmal nichts ändern. An der Magie von Adrian Newey zweifelt der zweimalige Weltmeister aber sowieso nicht eine Sekunde - an der Magie der neuen Formel 1 hingegen schon.

"Ich habe einen Vertrag, also gehe ich schon mal nirgendwo anders hin", stellt Fernando Alonso vor dem elften Rennwochenende der Saison auf dem Hungaroring klar. Im Frühjahr hatten Gerüchte über eine mögliche Rückkehr zu Alpine die Runde gemacht, doch diese hielten sich nicht hartnäckig. Die letzten möglichen Spekulationen um einen Teamwechsel hat Alonso mit diesem Statement endgültig beendet.

Was seine Entscheidung angeht, hatte er schon vor Wochen die Rennen in Budapest und Zandvoort als möglichen Zeitpunkt ins Auge gefasst. Doch an diesem Punkt der Saison angekommen, ist sich der 435-fache Grand-Prix-Teilnehmer weiter nicht darüber im Klaren, ob ihn die Formel 1 2027 noch in einem Maße reizt, seinen Vertrag mit Aston Martin auch über 2026 hinaus als Fahrer in der Königsklasse zu erfüllen.

Fernando Alonso vermisst in der Formel 1 die Freude am Fahren

"Wie ich schon oft gesagt habe, muss ich mir darüber klar werden, was ich nächstes Jahr machen will, und in den Jahren darauf. Ich fühle mich frisch, motiviert und schnell. Aber ich muss auch genießen, was ich hier mache. Und Spa und Silverstone haben zum Fahren keinen Spaß gemacht. Ich denke nicht, dass es so zum Zuschauen oder zum Fahren Spaß macht", erneuert der Altmeister seine Kritik an der aktuellen Formel 1.

Seit seinem Debüt 2001 hat er vier Motorenreglements und unzählige technische und sportliche Reglements miterlebt. "Im Cockpit spüre ich nicht mehr das Adrenalin, das ich früher beim Fahren eines Formel-1-Autos hatte. Das ist etwas, das ich berücksichtigen muss. Es geht dabei nicht um die Wettbewerbsfähigkeit des Teams, sondern es ist einfach ein Problem, wenn mir die Formel 1 nicht mehr diesen Kick gibt, den ich brauche, um weiterzumachen."

In der Vergangenheit empfand er Fahrhilfen wie Traktionskontrolle oder Launch-Control nicht als etwas, das zu stark in das Fahren eingriff. "Die Formel 1 war immer so, dass der Fahrer nicht alles entscheiden konnte. [...] Das Team hat letztendlich immer die Performance ans Auto gebracht", erklärt er. Mit den Autos der Generation 2026 ist dieser Aspekt für seinen Geschmack jedoch zu übergriffig: "Das derzeitige Reglement, das Battery-Deployment, ist etwas, das in Ordnung gebracht und verbessert werden muss. Und ich denke, das wurde für die Zukunft vom Sport, den Teams und allen Beteiligten verstanden."

Aston Martin mit erstem großen Formel-1-Upgrade in Ungarn

Aston Martin muss an diesem Wochenende hingegen erst verstehen, ob das erste Update der Saison den AMR26 vom Rohrkrepierer zu einem achtbaren Formel-1-Auto macht. In Spa lag Fernando Alonso im Qualifying mit seiner Rundenzeit ganze 5,405 Prozent über der Pole Position von Kimi Antonelli. Am Freitag werden beide Autos mit der neuesten Spezifikation in die Trainings gehen. Ersatzteile hat das Team laut Mike Krack für beide Fahrer ausreichend im Gepäck. Große Sprünge erwartet Alonso jedoch nicht.

"In Silverstone war es hart, in Spa war es mit am härtesten. Ich glaube, der Fahrer vor uns hatte 2,1 Sekunden auf uns", so der Spanier, der mit dieser Aussage ziemlich akkurat war. Sergio Perez war mit dem Cadillac im Qualifying vor einer Woche auf P18 exakt 2,031 Sekunden schneller als er. "Es gibt kein Upgrade-Paket auf der Welt, das diese Zeit aufholen wird. Unsere Position wird sich daher wahrscheinlich nicht ändern", prognostiziert er auch mit den neuen Teilen die letzte Startreihe.

Auf dem winkeligen Hungaroring sollte es allerdings auch so besser aussehen, als auf den Power-sensitiven Strecken wie Silverstone und Spa. "Budapest sollte für uns etwas freundlicher sein. Power ist hier nicht so wichtig. Wir updaten das Auto, aber nicht den Motor. Wir werden da also weiter Defizite haben, die wir verbessern müssen. Aber mir geht es mehr darum, herauszufinden, in welche Richtung das Auto sich jetzt entwickelt. Wenn wir auf einem guten Weg sind, steigern wir auch endlich die Performance."

Alonso glaubt an Newey-Faktor: Konkurrenzfähgikeit nur eine Frage der Zeit

Mit Blick auf seine Zukunft kann das Upgrade auf die Schnelle allerdings keine Entscheidungshilfe sein. Auf die kommt es im Moment aber auch nicht an. "In der Hinsicht brauche ich keine Anworten. Ich habe ein sehr klares Bild vom Team und wir beheben all die Probleme", ist sich Alonso sicher. "Es dauert, aber ich habe null Zweifel, dass Adrian [Newey] früher oder später das beste Auto ins Grid stellen wird."

Die neuesten Weiterentwicklungen lassen sich aber erst im restlichen Saisonverlauf zuverlässig bewerten. "Ich würde nur gerne einen ersten Schritt sehen, was unser Verständnis vom Auto nach den ersten paar Rennen damit anbelangt", so Alonso, dessen Vision für die langfristige Zukunft unverändert bleibt. "Ich denke, nächstes Jahr wird viel mehr kommen, und in den Jahren danach."

Danner skeptisch bei Aston Martin Update: Kein Hoppla-Hopp an die Spitze! (03:05 Min.)

Vor diesem Hintergrund ist er nicht nur von Aston Martin restlos überzeugt: "Bei der Power Unit habe ich auch keine Zweifel. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Honda seine Probleme in den Griff bekommt. Sie machen diesen Sport seit über 40 Jahren. Natürlich haben wir schwach begonnen, aber wir sind in diesem Prozess, leiden an den Wochenenden, aber wir arbeiten auch alle zusammen, um die Probleme zu lösen."