Die Kritik an den neuen Power Units ist in der Formel-1-Saison 2026 ein konstanter Faktor, und nachdem die legendären Kurse von Silverstone und Spa-Francorchamps die Probleme mit der Elektro-Energie-Armut maximal deutlich gemacht haben, ist der Frust vor der Sommerpause hoch. F1-CEO Stefano Domenicali bleibt trotzdem knallhart auf Linie. Das sind für die Mehrheit der Fans keine Probleme - nein, sie finden das gar nicht interessant.
"Es gab Debatten über das Technische Reglement des Jahres, vor allem von Fahrern und Leuten innerhalb des Ökosystems", will Domenicali die Kritik nach wie vor nicht zu sehr hervorheben. "Aber zusammengefasst kann man sagen, dass die Meisterschaft sehr, sehr faszinierend wird. Es gibt viel Action auf der Strecke. Die Leute lieben es. Sie sind auf das fokussiert, was auf der Strecke passiert."
"Technische Dinge wie Clipping, Chipping oder was auch immer verstehen sie nicht, das ist für die größere Basis zu technisch", sieht Domenicali die Kritik wirklich nur aus der Nische kommen. "Daher ist der Effekt auf der Strecke richtig positiv." Da der Ladestatus der Autos jetzt so stark variieren kann und so viel Leistung vom Elektro-Anteil kommt, führt das schließlich zu viel mehr Positionswechseln und Turbulenzen.
Fan-Frust wegen fehlender Infos? Für Domenicali nicht vorhanden
Eine hierbei seit Saisonbeginn permanent geäußerte Kritik ist, dass von Formel-1-Seite absolut keine Bemühung kommt, die Hintergründe da den Fans zur Verfügung zu stellen. Dinge wie der Batterie-Ladestand oder selbst das Aktivieren des Overtake-Modus existieren nicht einmal im kostenpflichtigen offiziellen Livetiming-Service. Man sieht sie nur dann, wenn die Bildregie sie auf der Halo-Grafik einblendet. Also praktisch nie.
Für langjährige Hardcore-Fans frustrierend. Viele von ihnen fühlen sich dadurch nicht mehr in der Lage, nachzuvollziehen, ob ein Überholmanöver wirklich erkämpft wurde oder bloß durch völlig unterschiedlichen Einsatz der Elektro-Energie zustande kam. Aber wie viele solcher Fans gibt es wirklich? Nicht viele, glaubt Domenicali: "Niemand ist daran interessiert, wie man das Auto fährt."
"Die überwiegende Mehrheit der Leute interessiert es, ob überholt wird oder nicht", urteilt Domenicali. Darüber hatte er sich gerade erst mit dem Star-Wars-Schöpfer George Lucas unterhalten. Lucas ist ein alteingesessener bekennender Motorsport- und Formel-1-Fan und war erst in Ungarn zuletzt wieder zu Gast. "Und er hat mir diesen unglaublichen Einblick gegeben, wie neue Fans Formel 1 schauen."
"Ich denke, das gab uns unglaubliche Klarheit, wie wir die Dinge richtig vereinfachen können, denn die neuen Fans verstehen die Details im Hintergrund nicht, sie sind fasziniert davon, dass hier viel Action passiert", sagt Domenicali. "Sicher gibt es die Notwendigkeit für jene, die so fokussiert auf die richtigen Informationen sind. Aber die überwiegende Mehrheit, glaubt mir, die will sehen, was auf der Strecke passiert. Nicht die Gaspedalstellung, oder den Bremsdruck, und wie man so einen Fahrer überholen kann."
Domenicali verweist dabei auch auf das spektakuläre Ausbremsmanöver von Max Verstappen gegen Lewis Hamilton in Ungarn: "Sowas ist ein Kunstwerk, wenn ich das so sagen darf, und die Leute wollen das einfach sehen und mit der Qualität des Fahrers verbinden." Mehr Daten würden dabei nicht helfen.
Domenicali fühlt sich von Zahlen bestätigt: Formel 1 populärer denn je
Die Formel 1 schickte am Mittwoch nach dem Ungarn-GP zur Sommerpause auch eine Pressemeldung mit diversen Superlativen aus. Darunter Gesamt-Besucherzahlen von 3,7 Millionen, ein Plus von sechs Prozent zum Vorjahr, und Besucherrekorden bei sechs Grands Prix. Auch eine kleine selektive Auswahl an positiven TV-Quoten und diverse Social-Media-Höchstwerte wurden vorgezeigt.
"Die Zahlen wachsen", unterstreicht Domenicali. "Kommerziell waren wir noch nie so stark. Wir gewinnen immer mehr Partner und sind sehr zufrieden mit dem, was wir machen. Der Wert jedes Teams wächst alle sechs Monate. Das ist noch nie passiert. In gar keinem Sport."
Zumindest dass es ohne Detailverständnis nicht geht, das ist Domenicali dann aber doch bereit einzuräumen: "Je mehr wir die Erklärungen für die Fans vereinfachen können, desto eher werden sie davon erfasst und den Sport verfolgen."



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