Neue Regeln, das heißt 2026 auch eine Wachablöse bei den Boxenstopps der Formel 1. Im Kielwasser der zahlreichen technischen Umbrüche, welche auch teilweise Auswirkungen auf die Reifenwechsel haben, hat sich das Spitzenfeld endgültig neu geordnet. Die neue Benchmark heißt Mercedes. Das sich im Vorjahr abzeichnende Ende der Red-Bull-Ära festigt sich.
Diese Red-Bull-Ära hatte davor bekanntlich jahrelang angedauert. Seitdem F1-Sponsor DHL 2015 erstmals den "Fastest Pit Stop Award" vergibt und Reifenwechsel statistisch erfasst, häuften die Bullen einen gigantischen Haufen Trophäen an. Bei 89 Rennen, das sind 36,8 Prozent ab 2015, war ein Red-Bull-Stopp der schnellste. Von 2018 bis 2024 waren sie in der Jahreswertung ungeschlagen.
Die 10 schnellsten Boxenstopps der Formel 1 2026
| Team | Fahrer | Rennen | Zeit | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Racing Bulls | Lindblad | Ungarn | 1,99 |
| 2 | Ferrari | Hamilton | Japan | 2,00 |
| 3 | Racing Bulls | Lindblad | Österreich | 2,03 |
| 4 | Ferrari | Hamilton | Österreich | 2,05 |
| 5 | Racing Bulls | Lindblad | Miami | 2,08 |
| 6 | Mercedes | Antonelli | Ungarn | 2,08 |
| 7 | McLaren | Piastri | Barcelona | 2,13 |
| 8 | Red Bull | Verstappen | Österreich | 2,13 |
| 9 | Ferrari | Leclerc | Japan | 2,13 |
| 10 | Racing Bulls | Lawson | Ungarn | 2,14 |
Aber 0 dieser 89 DHL Fastest Pit Stops stammen aus der Saison 2026. Man ist auf Kurs zur größten Schmach: Noch nie beendete man ein Jahr ohne einen. Red Bull ist nur mehr Durchschnitt. Nur einer der 10 schnellsten Stopps des ersten Halbjahres geht auf ihr Konto. In der DHL-Jahreswertung hat man mit 99 Punkten Rückstand auf Platz vier längst den Anschluss verloren.
Es hatte sich im Vorjahr schon abgezeichnet, als das Team erstmals in der Jahreswertung gegen Ferrari verloren hatte. Letztes Jahr war es noch verfrüht, von einem "Wheatley-Effekt" zu sprechen - bedingt durch den Abgang von Teammanager Jonathan Wheatley mit Ende 2024. Aber 2026 scheint es durchaus angebracht, den Abgang des für die Boxenstopps verantwortlichen Wheatley (oder auch der des jetzt für Audi arbeitenden Ex-Verstappen-Chefmechanikers Lee Stevenson) zumindest als Teil-Faktor ins Visier zu nehmen. Das ist alles Erfahrung, die fehlt.
Mercedes meistert Regelumbruch und krönt Boxenstopp-Comeback
Erst recht fehlt Wissen für einen Regelumbruch. Die neuen Regeln bedeuten neue Reifen-Dimensionen, neue Auto-Dimensionen, und außerdem dürfen dieses Jahr die Felgen wieder vom Team selbst designt werden, nachdem sie von 2022 bis 2025 Standard-Teile gewesen waren. Das sind alles Details, die man angehen muss, wenn man die letzte halbe Sekunde beim Reifenwechsel finden will. Wie Technik, Schlagschrauber-Design, Prozesse und dergleichen die Standzeit beeinflussen, könnt ihr im folgenden Artikel nachlesen:
Beim letzten Regel-Umbruch 2022 hatte Mercedes das verpennt und war in einem Wettrüsten der Top-Teams hängengeblieben. Nach einem desaströsen 2023 mit nur einem einzigen Stopp unter 2,5 Sekunden - Red Bull hatte damals derer 41 - haute Teamchef Toto Wolff auf den Tisch. Die Maxime "hauptsächlich konstant" zählt nichts, wenn andere Teams mit der gleichen Konstanz eine halbe Sekunde im Schnitt schneller wechseln. Mercedes baute neues Equipment, brachte neue Drills auf Schiene, und Jahr für Jahr robbte sich das Team ran an die Spitze.
2026 ist der krönende Abschluss. Kein Team hat den Regelumbruch so gut weggesteckt wie Mercedes. Die absolut schnellsten Stopps hat das Team zwar immer noch nicht, aber man stoppt mit souveräner Konstanz schnell. 70 Prozent aller Reifenwechsel sind unter 2,5 Sekunden. Nur bei zwei regulären Stopps überschritt man die 3,5-Sekunden-Marke. Mercedes ist auch das einzige Team, welches sowohl Mittelwert als auch Median trotz des Regel-Umbruchs relativ zum Vorjahr verbessert hat. Alle anderen mussten wegen der neuen Prozesse Federn lassen.
McLaren löst Katastrophen-Stopps, vergibt aber perfekte Saison in Ungarn
Mercedes ist also die klare Benchmark. Ferrari, die Stopp-Könige des Vorjahres, steckten den Regelumbruch nicht ganz so gut weg. Die Streuung ist angewachsen, die Stopps unter 2,5 fielen von 67 auf 53 Prozent, die Stopps über 3,5 sind von 3 auf 5 Prozent angewachsen. Schlecht ist das bei Ferrari aber absolut nicht. Immer noch sind sie klar die Zweiten. Die Racing Bulls sind nach wie vor schnell, haben auch bisher den einzigen Stopp des Jahres unter 2 Sekunden, aber ihre Fehlerquote (über 3,5 Sekunden) ist mit 19 Prozent eigentlich viel zu hoch.
Thema Fehlerquote: Hier führt Mercedes nicht, sondern McLaren. Das überrascht nicht. Die amtierenden Weltmeister hatten im Vorjahr definitiv keine weltmeisterlichen Boxenstopps. Ihr altes Equipment ermöglichte zwar pfeilschnelle Reifenwechsel, sorgte aber für unverhältnismäßig viele Fehlgriffe. Immer wieder mussten Mechaniker zweimal ansetzen. 21 Prozent der Stopps lagen über der Fehlergrenze, das war der zweitschlechteste Wert im Feld. Im Winter begann McLaren daraufhin ein Recovery-Programm.
Das zeigte in der ersten Saisonhälfte erste Früchte. Komplett schief geht inzwischen eigentlich fast nichts mehr, zumindest nicht so schief, dass ein Mechaniker wirklich zweimal mit dem Schlagschrauber ansetzen muss. 9 Rennen lang war McLaren sogar perfekt und schaffte alle Stopps unter 3,5 Sekunden. Erst in Spa ging bei Lando Norris etwas schief. Macht trotzdem eine souveräne Fehlerquote von nur 3 Prozent.
Wer hat die größten Boxenstopp-Probleme 2026?
Für McLaren ist der nächste Schritt, das Tempo wieder anzuheben, ohne die Fehlerquote zu verschlechtern. Denn das Tempo blieb bei den Umstellungen auf der Strecke, momentan ist man im Schnitt doch deutlich langsamer als die Konkurrenz und schaffte nur 28 Prozent der Stopps unter 2,5 Sekunden.
In einer ganz anderen Liga spielen die Hinterbänkler. Haas ist leider dort, wo man das kleinste Team im Feld erwartet. Seit Jahren sieht man hier die fehlenden Ressourcen, ob das die technischen Umrüstungen von Schlagschraubern oder Wagenhebern betrifft, oder das personelle Training, oder das Trainings-Setup in der Basis, Haas hat einfach nicht die Mittel. Den Regelumbruch kann man so wieder nicht wegstecken. Die Fehlerquote steigt sprunghaft auf 42 Prozent. Noch hat man keinen Stopp unter 2,5 Sekunden.
Noch schlechter ist nur das Team, welches ganz ohne Erfahrung in die Saison ging. Boxenstopps dürften recht weit unten auf der Cadillac-Prioritätenliste gewesen sein. Entsprechend übel sieht die Fehlerquote mit 53 Prozent aus. Aber: Es ist nicht die schlechteste seit 2018, seit Motorsport-Magazin.com diese Daten erfasst. Leider dürften alle nach dem vorletzten Absatz bereits wissen, wer noch schlechter war. 2020 gingen 54 Prozent aller Haas-Stopps schief, 2022 unfassbare 66 Prozent.



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