Die Formel 1 gastiert an diesem Wochenende für den Grand Prix der Niederlande 2026 zum vorerst letzten Mal in Zandvoort . Mit der Pole Position von Lando Norris geht McLaren heute als Favorit ins Rennen. Es wäre der sechste Sieg für das britische Team auf dem legendären Dünenkurs, auf dem es 1983 ein besonderes Stück Formel-1-Geschichte schrieb. Die Hauptrolle spielten Niki Lauda und Porsche mit dem revolutionären McLaren MP4-1. Das Debüt des Porsche-Turbo war der Vorbote der ersten McLaren-Dominanz in der F1.

Für McLaren waren die Zeichen der Zeit in der Saison 1983 unübersehbar. Der legendäre Ford DFV, mit dem das Team 1974 mit Emerson Fittipaldi und 1976 mit James Hunt seine bis dahin einzigen beiden WM-Titel geholt hatte, befand sich über seinem Zenit. Brabham hatte mit dem Turbo-Motor von BMW die Vorherrschaft erlangt und war 1983 mit Nelson Piquet auf dem Weg zum ersten Turbo-Titel in der Königsklasse - McLaren musste reagieren.

Der Grand Prix der Niederlande 1983 in Zandvoort markierte mit Niki Lauda am Steuer des McLaren MP4-1E einen Motoren-Meilenstein in der Formel 1, Foto: IMAGO / Crash Media Group
Der Grand Prix der Niederlande 1983 in Zandvoort markierte mit Niki Lauda am Steuer des McLaren MP4-1E einen Motoren-Meilenstein in der Formel 1, Foto: IMAGO / Crash Media Group

Der Weg zum Turbo-Motor war für die 1981 unter Führung von Ron Dennis neustruktierte Mannschaft aus Woking kein leichter. BMW hatte mit Brabham ein klares A-Team. Ferrari, Alfa Romeo und Renault betrieben ihre Turbo-Projekte über die Werksteams, die Franzosen belieferten mit Lotus außerdem ein weiteres Top-Team. Honda hatte mit dem Hinterbänkler-Team Spirit einen Testträger laufen. Im August des Jahres wurde jedoch bereits der Deal mit Williams verkündet, die den Honda-Motor noch beim Saisonfinale 1983 in Südafrika erstmals einsetzten. Die private Motorenschmiede von Hart war für McLaren keine konkurrenzfähige Option.

McLaren überzeugt ehemaligen Williams-Sponsor für Porsche-Formel-1-Projekt

Ron Dennis musste sich nach einer anderen Lösung umschauen und fand diese ausgerechnet in einem ehemaligen Weggefährten von Williams. Mansjour Ojjeh, ein französischer Geschäftsmann saudi-arabischer Abstammung, war 1979 mit dem Unternehmen seines Vaters als Sponsor beim Team von Frank Williams eingestiegen. Nach zwei WM-Titeln 1980 mit Alan Jones und 1982 mit Williams wollte Ojjeh als Anteilseigner einsteigen. Frank Williams lehnte jedoch ab.

McLaren und Ron Dennis konnten dem von dieser Absage frustrierten Ojjeh genau das bieten, was er suchte. Die Vision des Team-Managers überzeugte den ambitionierten Geschäftsmann. Mit dem Geld des neuen Investors lockte Dennis den Hersteller seiner Wahl in die Formel 1 - Porsche. Die Zuffenhausener hatten bereits Anfang der 1970er Jahre in Sportwagen- und Prototypen-Wettbewerben die ersten internationalen Erfolge mit Turbo-Motoren gefeiert. Mittlerweile war Porsche bei den großen Langstreckenrennen zum Seriensieger avanciert. Seit 1976 hatte man in Le Mans mit Turbos fünf Gesamtsiege gefeiert, 1982 mit dem neuen Porsche 956, der an der Sarthe bis einschließlich 1987 unbesiegt bleiben sollte.

Der TAG-Porsche im Heck von Niki Laudas McLaren MP4-1E beim Formel-1-Rennen in Zandvoort 1983, Foto: IMAGO / HochZwei
Der TAG-Porsche im Heck von Niki Laudas McLaren MP4-1E beim Formel-1-Rennen in Zandvoort 1983, Foto: IMAGO / HochZwei

Zandvoort 1983: Niki Lauda initiiert die Porsche-Revolution in der Formel 1

Mit dem auf das Unternehmen von Ojjeh getauften TAG-Porsche wurde die Rückkehr von Porsche in die Formel 1 realisiert. Für Niki Lauda sowie Teamkollege John Watson verlief das Jahr mit dem Ford DFV im Heck des bahnbrechenden McLaren MP4-1, dem ersten F1-Auto mit Carbon-Monocoque, frustrierend. Ein Doppelsieg des Duos mit Watson vor Lauda beim zweiten Saisonrennen in Long Beach war ein durch die Reifen begünstigter Ausreißer. In den darauffolgenden Rennen hatte McLaren mit dem Podium nicht mehr viel zu tun.

Maximal genervt von dieser Situation übte Lauda gemeinsam mit McLaren-Titelsponsor Marlboro Druck auf Ron Dennis aus, den Porsche-Motor noch in der Saison 1983 erstmals einzusetzen. Beim Grand Prix der Niederlande 1983 in Zandvoort war es soweit. Es war das zwölfte von 15 Saisonrennen und nur Lauda griff auf den 1,5-Liter-V6-Turbo von Porsche im Heck eines modifizierten Interims-Autos, dem McLaren MP4-1E, zurück. Watson fuhr den MP4-1C mit Ford-Motor.

Der McLaren MP4-1C mit dem Ford DFV im Heck, Foto: giorgiopioladesign.com
Der McLaren MP4-1C mit dem Ford DFV im Heck, Foto: giorgiopioladesign.com

Im Qualifying landete Lauda auf P19, vier Plätze und vier Zehntelsekunden hinter Watson. Das Rennen beendete der Österreicher nach 25 Runden vorzeitig mit einem Bremsdefekt. Beim darauffolgenden Rennen in Monza sowie auch bei den zwei weiteren Wochenenden in Brands Hatch und Kyalami setzte auch Watson den Porsche-Motor ein. Im Qualifying kratzten die Fahrer während dieser Entwicklungsphase an den Top-10, die Rennen beendeten sie aufgrund von Zuverlässigkeitsproblemen noch nicht.

McLaren musste beim Chassis in die Breite gehen, um Platz für die beiden Turbolader von Porsches Formel-1-Motor zu schaffen, Foto: giorgiopioladesign.com
McLaren musste beim Chassis in die Breite gehen, um Platz für die beiden Turbolader von Porsches Formel-1-Motor zu schaffen, Foto: giorgiopioladesign.com

McLaren muss für Integration des Porsche-Motors tricksen

Um den neuen Motor in das von John Barnard und Steve Nichols konzipierte Chassis zu integrieren, mussten die Ingenieure beim Packaging harte Kompromisse eingehen. Barnard wollte auf keinen Fall von der schlanken Form des Chassis vor der Hinterachse abweichen, die durch den 3-Liter-V8-Saugmotor von Ford zuvor problemlos umzusetzen war. Das Porsche-Aggregat war mit seinen zwei Turboladern von KKK (Kühnle, Kopp und Kausch) hingegen deutlich breiter gebaut. Entgegen des Wunsches von Porsche-Chefkonstrukteur Hans Mezger musste der Zylinderbankwinkel von 90 auf 80 Grad reduziert werden, um den Motor schmaler halten zu können - wenn auch auf Kosten eines höheren Schwerpunktes.

Für die Saison 1984 wurden die Erkenntnisse aus der späten Phase des Jahres 1983 für eine bessere Integration des Porsche-Motors in den McLaren MP4-2 umgesetzt. Ein längerer Radstand, neue Seitenkästen und ein anderes Layout für die KKK-Turbolader ermöglichten wieder eine schlankere Heckpartie zugunsten der Aerodynamik. Dazu kam eine stark abgestufte Motorenabdeckung.

McLaren und Porsche dominieren mit Niki Lauda und Alain Prost die Formel 1

Die sportlichen Erfolge stellten sich mit der perfekt aufeinander abgestimmten Kombination aus Chassis und Motor sofort ein. In der Saison 1984 machten Niki Lauda und Alain Prost den Titel mit zwölf Siegen aus 16 Rennen unter sich aus. Mit 0,5 Punkten Vorsprung ging die knappste WM-Entscheidung in der Historie der Formel 1 zugunsten von Niki Lauda aus, der seinen dritten WM-Titel nach 1975 und 1977 feierte.

Für 1985 wurde der McLaren MP4-2 weiterentwickelt und blieb in den Händen von Alain Prost der Klassenprimus, Foto: giorgiopioladesign.com
Für 1985 wurde der McLaren MP4-2 weiterentwickelt und blieb in den Händen von Alain Prost der Klassenprimus, Foto: giorgiopioladesign.com

Im Jahr 1985 legten McLaren und Porsche nach. Aufgrund von Regeländerungen verschwanden die beiden markanten Winglets am Heckflügel. Die Kühlung wurde verbessert, außerdem wurden die Bremsbelüftungen optimiert. Erstmals wurden Strömungsleitbleche hinter den Vorderrädern eingesetzt und die Auslassöffnungen für die heiße Luft im oberen Bereich der Seitenkästen wurden angepasst. In erster Linie wurde aber die Hinterradaufhängung neu konstruiert, wobei anstelle des bisherigen langen Umlenkhebels eine Pushrod-Konstruktion zum Einsatz kam.

Auf dem Weg zu seinem ersten WM-Titel gewann Alain Prost in der Saison 1985 mit fünf Rennen zwei weniger als im Jahr zuvor. Niki Lauda holte einen Sieg - seinen letzten, und zwar beim Rennen in Zandvoort, welches bis zur Rückkehr des Kurses im Jahr 2021 der letzte Formel-1-Grand-Prix dort bleiben sollte. Lauda trat zum Ende der Saison endgültig vom aktiven Rennsport zurück. Die Konstrukteursweltmeisterschaft ging das zweite Jahr in Folge an McLaren.

Im Jahr 1986 verteidigte Prost seinen Titel mit vier Siegen denkbar knapp. Williams-Fahrer Nigel Mansell gewann ein Rennen mehr, ein dramatischer Reifenschaden beim Finale in Adelaide brachte den britischen Publikumsliebling um seine erste Weltmeisterschaft. Zwei Punkte fehlten ihm am Ende auf Prost. Laudas Nachfolger Keke Rosberg holte nur ein Podium und wurde in der WM lediglich Sechster, wodurch Williams den Konstrukteurstitel gewann. Der Vater von Nico Rosberg tat es Lauda zum Saisonende gleich und kehrte der Formel 1 den Rücken. Auch Porsche sollte sich bald verabschieden. Nachdem Williams-Honda 1987 mit Nelson Piquet und Nigel Mansell den Titel unter sich ausmachte, holte sich McLaren ab 1988 ebenfalls die Motoren der Japaner - und schrieb mit Ayrton Senna und Alain Prost eine neue Erfolgsgeschichte.

In der Formel-1-Saison 1986 feierten McLaren und Porsche ihren dritten WM-Titel in Folge, Foto: giorgiopioladesign.com
In der Formel-1-Saison 1986 feierten McLaren und Porsche ihren dritten WM-Titel in Folge, Foto: giorgiopioladesign.com