Die McLaren-Formkurve zeigt steil nach oben. Auf den Sieg in Ungarn lässt Lando Norris in Zandvoort ein weiteres Meisterstück folgen und sieht sich nun absolut am fahrerischen Zenit in der Formel 1 angekommen. Von der technischen und fahrerischen Wende nach dem enttäuschenden Sprint bis zu den Überholmanövern auf der Strecke gibt ihm das Ergebnis recht.
"Ich bin jetzt keiner, der sich selbst auf ein Podest stellen will, normalerweise bin ich das komplette Gegenteil", meint Norris nach dem Rennen. Aber nach diesem Sieg kann er es sich nicht verkneifen: "Einmal würde ich mir ein bisschen Lob spendieren. Ich habe das Gefühl, dass ich bessere Arbeit mache als alle anderen, und das kann denke ich auch einen Unterschied machen."
In Zandvoort sieht Norris darin genau den Unterschied nach dem Sprint. Im Qualifying-Trimm schien der McLaren von Freitag an schnell, im Sprint aber brach Norris zu früh die Pace weg, und er verlor sogar einen zweiten Platz. Frustriert ging er den restlichen Samstag an, redete bei allen weiteren Auftritten - selbst nachdem er den MCL40 auf Pole gestellt hatte - die Sieg-Chancen klein: "Es hat mir ein bisschen das Feuer weggenommen."
Lando Norris feiert Zandvoort-Sieg: So hart hat er dafür gearbeitet
"Wir hatten einfach nicht wirklich die Pace, und ich hatte nichts im Auto, das mir Leben gegeben hätte", erklärt Norris. Aufgeben würde er aber auf keinen Fall: "Letzte Nacht haben wir sehr, sehr hart gearbeitet. Ich habe viel Zeit mit meinen Ingenieuren verbraucht, um zu verstehen, was wir heute besser machen können, wie wir mehr pushen können, die Reifen besser sparen können, wie ich alles besser machen kann als zuvor, und besser als alle anderen."
"Und das habe ich in meinen Augen definitiv getan", schließt Norris. Sein Teamchef Andrea Stella kann dem nicht widersprechen: "Das ist das Ergebnis aller Anpassungen, am Auto in Sachen Setup, in Sachen Fahrstil, und beim Verständnis, wie man die Reifen nutzt."
"Auf den weicheren Reifenmischungen waren wir nicht schneller, aber auf den harten Reifen hatte Lando ein zusätzliches Verständnis, wie man diese Mischung einsetzt", findet Stella. Andere taten sich damit schwer. Ob der zweite McLaren von Oscar Piastri, oder Norris' Gegner im Kampf um den Sieg, Kimi Antonelli. Diese beiden stechen insofern heraus, dass sie die Variabilität des Hard unterstrichen. Beide fuhren zwei Stints damit - einmal waren sie noch passabel, einmal nicht einmal das.
"Der Hard hatte viel zu bieten, aber das war nicht leicht rauszuholen", meint Stella. Norris schaffte es, und er schaffte es vor allem in beiden Stints. "Und ich denke, diese Bedingungen sind Landos natürliches Umfeld, wo er seinen natürlichen Fahrstil ausspielen kann." Das Grip-Level war nach dem Regen vor dem Start relativ niedrig, besonders mit der härtesten Reifenmischung. Das Gerutsche zu managen ist bekanntes Norris-Territorium.
Lando Norris drängt Mercedes in Defensive und überholt auf der Strecke
"Als wir die Hards aufgezogen haben, waren wir etwas aggressiver mit unserem Herangehen an den Stint, und das hat die Wende gebracht", fügt Norris hier nahtlos an. "Ab da hatte ich das Gefühl im Auto, das ich haben wollte." Nachdem er beim zweiten Start nach einer frühen roten Flagge zu Rennbeginn seine Pole an Antonelli verloren hatte, begann er nun hinter dem Mercedes im Mittelstint Druck aufzubauen und sich bei ungefähr einer Sekunde breitzumachen.
"Er begann viel mehr Fehler zu machen, als ich hinter ihm war", sieht Norris darin den Schlüssel. "Wir zwangen Mercedes dazu, strategisch was zu machen." Antonelli musste früher zum Stopp, Norris verlängerte den Mittelstint um sieben Runden und baute sich einen Reifenvorteil auf. Nach dem letzten Boxenstopp legte er sich den Mercedes mit seinen frischeren Reifen zurecht. Und schlug zu, als der auf dem Hard hadernde Antonelli hinter Lewis Hamilton steckenblieb.
"Wenn ich Kimi da nicht geholt hätte, dann hätte ich heute nicht gewonnen", vermutet Norris allerdings, dass er wohl nur diese eine Chance hatte. Die nutzte er mit einem schonungslosen Manöver auf der Außenbahn in der ersten Kurve. Dann war es vorbei. Den Rest des Rennens konnte er von der Spitze aus kontrollieren.
Unter dem Strich bleibt Norris dabei, es seiner Hochform zuzuschreiben: "Wenn ich gestern im Qualifying einen Fehler mache, bin ich Dritter, Vierter, Fünfter, dann gewinne ich nicht." So glaubt er auch nicht die Mercedes-Theorie, dass McLaren jetzt das beste Auto habe: "Wenn ich nicht gewinne, sagt das niemand. Die Leute sagen das wegen der Tatsache, dass ich einen guten Job mache."



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