Bis zu anderthalb Sekunden Rückstand auf die Spitze hatten Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto nach dem zweiten freien Formel-1-Training. Wie ein fester Punktekandidat sah der Audi R26 am Debüttag des 5,414 Kilometer langen Madrings noch nicht aus.

Lediglich im ersten Training schlich sich Nico Hülkenberg unter die Top 10, allerdings hatte der Deutsche auch schon dort knapp 1,5 Sekunden Rückstand zu vermelden. "Wir haben jede Menge Informationen gesammelt. Es geht jetzt darum, über Nacht alles zu verstehen."

Nico Hülkenberg: Madrid ist wie Monaco – nur schneller

Auf den Bildschirmen der TV-Kameras machte sich Hülkenberg eher durch Kritik an Rekordweltmeister Lewis Hamilton bemerkbar. Der blockierte den Deutschen auf dem Weg zur letzten Kurve auf einer schnellen Runde in FP2.

Auf dem neuen Madring, der in der Formel 2 für viele Crashs sorgte, scheint sich Hülkenberg sonst allerdings wohlzufühlen. "Die Strecke ist unglaublich schnell, fast wie eine Achterbahn, und lässt kaum Spielraum für Fehler, sodass man die ganze Runde über auf Zack bleiben muss", findet Hülkenberg.

"Es ist wie Monaco, aber ultraschnell." Damit könnte das Qualifying allerdings an Bedeutung gewinnen. Denn wie in Monaco gibt es in Madrid nur wenige gute Überholmöglichkeiten. "Ich weiß nicht, wie realistisch das Überholen hier ist oder nicht. Dadurch könnte das Qualifying wichtiger werden."

Audi-Sport-Direktor Rueda: "Haben viel Setup-Arbeit vor uns

Sonst blieben Hülkenberg und Audi am Freitag weitgehend unauffällig. Einen großen Patzer leisteten sich weder er noch Teamkollege Gabriel Bortoleto. Aber: Nach vier Wochenenden mit Punkten in Folge leistete sich Audi in Monza erstmals wieder eine Nullnummer, zumindest sollte die Berufung gegen Yuki Tsunodas Restart in Monza keinen Erfolg haben.

Monza stempelte Audi allerdings wegen des Motoren-Nachteils ohnehin als schwierigstes Wochenende des Jahres ab. Allerdings scheint sich das Pace-Problem trotz weniger Geraden in Madrid noch nicht gelöst zu haben. Dafür ist der Rückstand mit knapp 1,5 Sekunden zu groß.

Der Schlüssel für mehr Performance bis zum Samstag liegt laut Audi-Sportdirektor Inaki Rueda im Setup. "Wir müssen am Setup für High-Speed arbeiten. Vor allem in den Kurven 12 und 15", so Rueda. Nur gibt es in Madrid außerdem die hohen und harten Kerbs, auf die die Autos auch abgestimmt sein müssen. "Oder du entscheidest dich für ein Setup, mit dem du näher an die Mauern kommst und die Kerbs in den Kurven fünf und sieben überfahren kannst. Der Kompromiss dazwischen ist nicht leicht zu finden."

Gabriel Bortoleto: "Haben noch Arbeit vor uns"

Dass Audi so oder so noch die Pace fehlt, um im Kampf um die Punkte stärker eingreifen zu können, weiß auch Gabriel Bortoleto. "Wir haben über Nacht noch etwas Arbeit vor uns, um mehr Tempo aus dem Auto herauszuholen. Das wird morgen unsere Hauptaufgabe sein", sagt Bortoleto.

Zum Vergleich: Arvid Lindblad im Racing Bull lag bis zu seinem Crash in FP2 stets in Reichweite der Top 5 und landete in der Endabrechnung trotzdem auf Platz vier. Dass der Racing Bull deutlich konkurrenzfähiger scheint, bestätigte auch Yuki Tsunoda auf Platz acht. Sogar der Haas mit Esteban Ocon positionierte sich auf Platz neun deutlich vor Audi.

Für das Rennen am Sonntag sieht Inaki Rueda aber trotzdem große Chancen auf Punkte. "Die Strecke ist total neu, wir haben also noch sehr viel zu lernen. Und so nah wie die Mauern hier sind, ist es sehr gut möglich, dass am Sonntag nicht alle Autos ins Ziel kommen."

Härteste Kurve der Formel 1! Kommt es zur Boxenstopp-Flut in Madrid? (09:55 Min.)