"Sorry an alle", ertönte ein niedergeschlagener Arvid Lindblad über den Boxenfunk. Gerade noch hatte der Formel 1-Rookie mit persönlichen Fabelzeiten auf dem neuen Madring beeindruckt – im nächsten Moment steckte sein VCARB03 in den TecPro-Barrieren. 24 Minuten vor Ende des 2. Freien Trainings krachte der Youngster in die Streckenbegrenzung.
Auf der Suche nach dem Limit hatte Arvid Lindblad auf den Soft-Reifen zu viel Geschwindigkeit in Kurve 13 mitgenommen: Das Heck brach aus und der Bolide schlug seitlich ein. Die Session wurde daraufhin mit der roten Flagge für knapp zwölf Minuten unterbrochen. Kurze Zeit später folgte die Entwarnung des Fahrers: "Es sah zwar recht schlimm aus, aber eigentlich war der Aufprall gar nicht so spektakulär wie in Monza", wiegelte Lindblad ab.
Dennoch hinterließ der Einschlag deutliche Spuren: Erste Aufnahmen lassen vermuten, dass Unterboden, Seitenkasten, Nase sowie der Frontflügel massiv beschädigt wurden. Lindblad bestätigte den enormen Schaden und entschuldigte sich umgehend bei seinen Mechanikern für die bevorstehende Nachtschicht. Dabei hatte er bereits am Donnerstag vor den Tücken des Madrings gewarnt: "Es wird extrem schwierig werden, alles auf den Punkt zu bringen, weil die Strecke einfach alles bietet."



Lindblad will den Kopf frei bekommen
Kleiner Trost für den Racing Bulls-Piloten: Seine Rundenzeit von 1:33.890 Minuten hielt auch nach Wiederaufnahme des Trainings stand. Als Vierter fehlten ihm lediglich 0,228 Sekunden auf den Tagesschnellsten Kimi Antonelli. "Am Ende war die Pace gut. Wir waren aus eigener Kraft auf P4 und jede Runde im FP2 war schnell", analysierte Lindblad optimistisch. "Ich denke, wir sind für morgen in einer ordentlichen Position. Ich werde mich heute Abend darauf konzentrieren, den Kopf freizubekommen, das Geschehene abzuhaken und das Positive mitzunehmen."
Auch Teamchef Alan Permane empfand angesichts des vierten Platzes kaum Enttäuschung über das vorzeitige Trainingsende in Madrid: "Ich bin viel lieber auf dem vierten Platz mit einem beschädigten Auto als auf dem 18. Platz mit einem intakten Auto. Es ist natürlich nicht ideal, und das können wir mit Sicherheit nicht jedes Wochenende machen, aber wir können damit leben. Es gibt keinen Zweifel daran, dass das Auto schnell ist, sehr schnell sogar."
Bereits im ersten Freien Training hatte Lindblad mit einem starken siebten Platz aufgezeigt. Als zweitschnellster Pilot aus dem Hause Red Bull fehlten ihm nur drei Zehntel auf Max Verstappen (P5). Dabei hatte er im Vorfeld verraten, dass ihn die Vorbereitung auf Madring im Simulator ungewöhnlich viel Zeit gekostet hatte: "Ich habe länger als sonst gebraucht, um herauszufinden, wo es überhaupt langgeht, weil die Strecke so lang ist und alles extrem schnell auf einen zukommt. Selbst die Kurven und die Anfahrten überhaupt richtig zu verstehen, war nicht einfach."
Hamilton kommt Racing Bulls gleich zweimal in die Quere
Die Premiere im realen F1-Boliden auf der Strecke verlief deutlich besser – lediglich der Verkehr machte ihm im FP1 zu schaffen. In Turn 12, der berüchtigten Kurve "La Monumental", lief er gleichzeitig auf die langsam fahrenden Kimi Antonelli und Lewis Hamilton auf. Der Brite musste seine schnelle Runde abbrechen und bezeichnete seine Kontrahenten am Funk als "dumm". Auch Yuki Tsunoda, der an diesem Wochenende erneut für Liam Lawson bei den Racing Bulls einspringt, geriet im FP2 in Turn 12 ebenfalls mit Hamilton in ein Scharmützel. Seinen Frust ließ er wie Lindblad am Funk raus: "Was macht der Typ da?!"
Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies teilte in Madrid ein Update zu Isack Hadjars Gesundheitszustand mit. Mehr dazu in diesem Artikel:
Die Entschuldigung des Ferrari-Piloten folgte jedoch prompt. Im FP1 verpasste einige Trainingsminuten, da die Servolenkung an seinem Racing Bull streikte. Über Funk ließ er wissen, dass er fast abgeflogen wäre, weshalb das Lenkgetriebe ausgetauscht wurde. Spekulationen, wonach die Ursache in den enormen Kräften der neuen Steilkurve lag, erteilte Permane nach dem Training eine Absage: "Das hatte mit der Steilkurve nichts zu tun. Es war schlicht ein fehlerhaftes Lenkgetriebe. Wir haben es ausgetauscht und danach war alles wieder in Ordnung."
Zusätzlich nutzte das Team die Pause zwischen FP1 und FP2 für kleine Set-up-Anpassungen, um Balance und Fahrverhalten zu optimieren – beide Piloten zeigten sich danach zufrieden. Für das Qualifying rechnet sich Permane gute Chancen auf ein vorderes Top-10-Ergebnis aus: "Das Auto hatte heute die Pace für P4. Ich sage zwar nicht, dass es morgen Nachmittag garantiert wieder P4 wird, aber wir werden ganz vorne mitmischen. Wir haben zwar keine neuen Teile gebracht, aber die Feinabstimmungen am Set-up und an der Aerodynamik haben hervorragend funktioniert."
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