Für Audi begann beim Formel-1-Qualifying in Madrid am Samstag ein undankbarer neuer Lauf. Nach viermal Q3 und Punkten in Serie scheiterten die Ingolstädter erst vor einer Woche in Monza um eine Tausendstel am Einzug in die Top-10. Nachdem Gabriel Bortoleto in Italien der Leidtragende war, erwischte es diesmal Nico Hülkenberg. Wieder war es ein Wimpernschlag, wieder hatten die üblichen Verdächtigen von Alpine und Racing Bulls die Nase knapp vorn. Der Hulk fasst sich und dem Team dafür an die eigene Nase.
"Ich bin mäßig zufrieden. Wir wären gerne in den Top-10 gewesen, aber es ist nicht ganz perfekt gelaufen. Da hat auch nicht viel gefehlt, dass wir durchgerutscht wären", erklärt der 39-Jährige im ORF. Nach P14 im Q1 steigerte er sich im zweiten Teil, wobei er vor allem das Duell gegen Gabriel Bortoleto für sich entschied. Der Brasilianer war im ersten Segment als Zehnter noch eine halbe Sekunde schneller gewesen. Im Q2 unterlag er Hülkenberg, der damit im teaminternen Vergleich zum 7:7 ausglich.
Die schlechte Nachricht: Seine Rundenzeit reichte nur zu Platz elf - Arvid Lindblad war im Racing Bulls den Hauch von 0,019 Sekunden schneller. "Das war sehr eng, aber leider war es von uns nicht sauber genug", sagt Hülkenberg selbstkritisch. "Ich habe den Eindruck, wir haben bei der Balance ein wenig die Harmonie verloren, die wir im Training hatten. Und das Q2 war auch nicht ganz perfekt exerziert, und auch das Energie-Management. Das reicht dann nicht, um es zu schaffen."
Audi wieder von Racing Bulls und Alpine ausgestochen
Im FP3 hatte Hülkenberg noch einen starken achten Platz belegt, Bortoleto war als Zehnter ebenfalls bei der Musik. "Es fühlte sich am Mittag viel besser an. Ich weiß nicht, ob es jetzt die heißen Streckentemperaturen waren, die es für das Auto etwas schwieriger gemacht haben", so Hülkenberg. An der Power Unit habe es jedenfalls nicht gelegen. "Auf den Geraden sahen wir okay aus. Es gibt hier viele Kurven und der Grip ist wichtiger - und mit den Racing Bulls und den Alpine geht es schon seit Monaten eng zu."
Mit Franco Colapinto landete auf Platz acht auch ein Alpine vor ihm. Der Argentinier war fast zwei Zehntelsekunden schneller. In Monza waren es auch Lindblad und Colapinto, die im Mittelfeld auftrumpften und Bortoleto im Kampf um die Top-10 ausstachen. Gescheitert war der 21-Jährige dort allerdings mit einer Tausendstelsekunde an Ferrari-Pilot Lewis Hamilton, der als Zehnter im Q2 vor ihm landete.
Gabriel Bortoleto mit Audi auf dem Setup-Irrweg
Diesmal spielte Bortoleto im Kampf um die Top-10 keine Rolle. Als Zwölfter landete er zwar direkt hinter Hülkenberg, war aber anderthalb Zehntel langsamer. "Was mich angeht, habe ich nicht 100 Prozent herausgeholt. Es war keine gute Runde", redet Bortoleto nicht lange um den heißen Brei. "Ich denke, ich habe das Qualifying gut begonnen. Die erste Runde war fantastisch, aber danach weiß ich nicht. Ich habe einfach den Grip etwas verloren. Die Rundenzeit wurde dann nur schneller, weil die Strecke schneller wurde. Aber die Runden fühlten sich nicht mehr gut an."
Nach dem Trainingsfreitag auf dem für alle völlig neuen Stadtkurs in Madrid stellten einige Teams ihre Autos fürs Qualifying nochmal auf den Kopf. Auch bei Audi verrannte man sich scheinbar. "Uns fehlt das gesamte Wochenende schon die Konstanz. Wir haben das Auto von vorne bis hinten umgebaut, haben überall mit dem Energie-Management herumgespielt. Das ist dann nie einfach. Auf einer Runde hast du Energie an einer Stelle, auf der nächsten bist du woanders in einer Kurve auf einmal 20 km/h schneller und musst dann völlig anders bremsen."
Punktechance für Audi in Madrid? Nico Hülkenberg will's wie in Zandvoort machen
In Monza landeten Bortoleto und Hülkenberg auch im Rennen auf den undankbaren Plätzen elf und zwölf. Ein Rennen zuvor in Zandvoort war der Emmericher allerdings mit makelloser Racecraft von Startplatz 13 auf Position acht gefahren. Madrid verspricht genug Action, um es am Sonntag wieder zu richten: "Es könnte etwas chaotisch werden, und du weißt nie. Es gibt so oder so keine Garantien, du musst einfach bei der Sache sein und dich aus dem Ärger heraushalten.".
Ein weiterer Faktor wird das schwarze Gold von Pirelli. Der Madring erwies sich bereits in den Trainings als Reifenfresser. "Es hängt davon ab, ob wir Graining bekommen oder nicht. Das wird der größte Treiber", so Hülkenberg weiter. Die Reifenstrategie sieht Bortoleto allerdings als einzigen Weg, nach vorne zu kommen. Ans Überholen ist für ihn nicht zu denken: "Du kannst weder innen noch außen vorbei, wenn der Typ vor dir in der Mitte fährt, besonders mit den großen Autos heute. Wenn wir 1990 hätten könnte man es vielleicht hinkriegen, aber so wird das nichts."



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